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Mit Kamm und Krug vor die Stadtmauern

Nur wenige Scheiben aus der Zeit, als Zug bedeutendes Zentrum der Glasmalerei war, sind in der Öffentlichkeit noch zu besichtigen. Die Kirche St. Wendelin in Holzhäusern birgt vier Exemplare, davon ein besonders schönes.
Andreas Faessler
Scheibe der Steuer Gangolfswil in der Kirche St. Wendelin in Holzhäusern. (Bild: Andreas Faessler)

Scheibe der Steuer Gangolfswil in der Kirche St. Wendelin in Holzhäusern. (Bild: Andreas Faessler)

Zug war einst eines der wichtigsten Schweizer Zentren für die Herstellung von Glasgemälden. Die filigranen, hochwertigen Arbeiten der Zuger Handwerker waren weit über die Region hinaus gefragt. Ihre Hochblüte erlebte die Zuger Glasmalerei zur Zeit des Barock im 17. und 18. Jahrhundert. Scheiben aus dieser Epoche finden sich heute hauptsächlich in Privatbesitz und Museen. Fast alle gestifteten Scheiben für Zuger Kirchenfenster sind heute nicht mehr an ihrem Platz vorzufinden.

Eine Ausnahme ist St. Wendelin in Holzhäusern. Für die alte, im frühen 17. Jahrhundert errichtete Kapelle wurden vier zwischen 1636 und 1648 angefertigte Glasgemälde gestiftet. Als man 1823 die heutige Kirche erbaute, wurden die Kunstwerke in diese übernommen. Es handelt sich bei den vier Stücken um eine Wappenscheibe der Stadt Zug, eine von Menzingen gestiftete Figurenscheibe, eine ebensolche von Rudolf Landtwing und eine weitere von der «Stür Gangeltschwil». Letztere stammt aus dem Jahre 1648 und ist die am aufwendigsten gestaltete. Es handelt sich dabei um eine von nur noch zwei im Kanton Zug erhaltenen Scheiben, die von der Gemeinde Risch, also dem vormaligen Gangolfswil gestiftet worden sind. Die «Steuer» als Stifterin bezieht sich auf die damalige Vogteisteuer, welche die zur Stadt Zug gehörige Vogtei Gangolfswil zu entrichten hatte. Der Meister, der hinter der opulenten Scheibe steckt, ist nicht gesichert, Karl Franz Kolin (1629–1674) wird vermutet. Sollte dies zutreffen, so hätte er bereits als 19-Jähriger ausserordentliches Talent bewiesen.

Die Scheibe der Steuer Gangolfswil in einem der Chorfenster in der Kirche Holzhäusern zeigt im Hauptfeld die heilige Verena von Zurzach, Kirchenpatronin von Risch. In ihrer ausgestreckten Hand hält sie einen Kamm, in der anderen einen Krug. Die beiden Attribute beziehen sich auf die Episode, als Verena in Zurzach täglich vor die Stadtmauern ging, um die Aussätzigen zu kämmen und zu waschen. Hinter Verena ist die Stadt Zurzach zu sehen. Seitlich von ihr stehen die Heiligen Sebastian und Benedikt auf je einem Podest. Das obere Feld zeigt Mariae Verkündigung, unten zwischen der Widmungsinschrift ist ein Wappen, welches dem Anschein nach später eingefügt worden ist. Es handelt sich wohl um das Wappen der Ritter von Riehen. Warum es eingefügt worden ist, bleibt offen.

Die jüngere der beiden erhaltenen Rischer Scheiben stammt aus dem Jahr 1735. Sie zeigt im Hauptfeld ebenfalls die heilige Verena und befindet sich heute im Museum Burg Zug.

Hinweis: Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.

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