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Der Verein Kiss entlastet die Steuerzahler in Cham und Zug

Das Zeitvorsorgemodell des Fördervereins Kiss und seinen Genossenschaften ist auf Erfolgskurs – und es zahlt sich buchstäblich aus: Eine spezielle Software zeigt nun auf, dass die öffentliche Hand Geld einspart.
Andreas Faessler
Dank Kiss erhalten betagte Menschen kostenlose Unterstützung im Alltag.Neue ZZ/Stefan Kaiser

Dank Kiss erhalten betagte Menschen kostenlose Unterstützung im Alltag.
Neue ZZ/Stefan Kaiser

«Es ist ein Modell mit Zukunft», ist Susanna Fassbind überzeugt. Die Präsidentin des Fördervereins Kiss Kanton Zug (siehe Box) verweist auf den ersten ausführlichen Jahresbericht der Kiss-Genossenschaften Zug und Cham. Rund 8000 freiwillige Betreuungsstunden hat die Genossenschaft Cham im 3. Geschäftsjahr 2017 geleistet, bei der Genossenschaft Zug waren es im 1. Jahr 2016/17 bereits 5500. Die Tendenz ist deutlich steigend.

Dank einer ausgeklügelten Software, die gezielt auf die Bedürfnisse von Kiss abgestimmt wird, konnte nun auch anschaulich dargelegt werden, dass sich die Arbeit der Kiss-Genossenschaftler finanziell positiv auf den Staatshaushalt auswirkt: Durch die geleistete Freiwilligenarbeit der beiden Zuger Genossenschaften im Zeitraum September 2016 bis Dezember 2017 konnte die öffentliche Hand – und damit die Steuerzahler – fast 300000 Franken einsparen.

Nicht nur das: Mit der Software lässt sich nun auch nachweisen, was für eine wichtige Rolle der so genannte Kitt spielt. Damit sind Kiss-Aktivitäten gemeint, die den allgemeinen Zusammenhalt innerhalb der Genossenschaften stärken und Einsamkeit entgegenwirken. «Es ist wichtig, dass wir all diese Faktoren dokumentieren und ihren Einfluss abwägen können», betont Susanna Fassbind. «Die Software-Auswertungen zeigen auf, wo Lücken sind und wo es beispielsweise mehr Anlässe welcher Art braucht, um die Bedürfnisse zu decken.»

«Jeder Mensch hat Ressourcen. Und wenn es ‹nur› Zuhören ist.»

Dass die Entwicklung dieser Software – es ist die erste ihrer Art auf dem Gebiet der Freiwilligenarbeit – eine Daueraufgabe und mit viel Aufwand und Kosten verbunden ist, liegt auf der Hand. Kein Leichtes für Susanna Fassbind: «Damit Kiss langfristig finanzielle Unterstützung erhält, sollen die Genossenschaften laufend Ergebnisse aufzeigen, die den Erfolg belegen. Vor allem die öffentliche Hand braucht den Nachweis, dass sich diese Form der Freiwilligenarbeit auszahlt. Entsprechend muss auch die Software permanent angepasst und mit der Entwicklung des Vereins und der Genossenschaften abgeglichen werden.» Alles in allem ein grosser, zeitintensiver Aufwand, der mit viel Arbeit und Kosten verbunden ist.

Auch Firmen profitieren von Freiwilligenarbeit

Um dies zu bewerkstelligen, ist Fassbind mit Fachleuten in Kontakt. Hinsichtlich Ausbau des Netzwerkes von Unterstützern und Gönnern will die Zugerin künftig Firmen mit einbinden. «Von der Freiwilligenarbeit, wie sie innerhalb Kiss geleistet wird, können nicht zuletzt auch Arbeitgeber profitieren. Beispielsweise dann, wenn dank des Einsatzes der Genossenschaftler Mitarbeiter entlastet werden, die zu Hause ein Familienmitglied betreuen müssen.» Es entstehe eine klassische Win-Win-Situation. Hier kann Fassbind auf ihren eigenen Wissens- und Erfahrungsschatz zurückgreifen: Sie ist unter anderem Marketingexpertin, Fachfrau für Fragen zu Nachhaltigkeit und hat jahrelang Non-Profit-Organisationen betreut.

Einsamkeit als Kostenfaktor

Dass das Zeitvorsorgemodell von Kiss Zukunft hat, zeigt neben des Erfolges der beiden Zuger Genossenschaften auch das Interesse und die Bereitschaft weiterer Gruppen und Gemeinden in der Schweiz, eigene Genossenschaften zu gründen. Aber vor allem ist der Grund für den hohen Bedarf an Freiwilligenarbeit innerhalb der Gesellschaft zu suchen: Es gibt immer mehr betagte Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind. Das Pflegepersonal wird knapp, Angehörige wünschen sich eine bessere Betreuung für die Senioren, und diese ihrerseits wünschen sich, so lange wie möglich zu Hause leben zu können und nicht ins Heim zu müssen.

Ein besonders grosses Problem ist die Vereinsamung. «Einsamkeit im Alter kann hohe Kosten für das Gesundheitssystem verursachen», weiss Susanna Fassbind. «Das ist bei Kiss ein wichtiges Thema. Und genau darum sind neben der Betreuungsarbeit die Kitt-Anlässe so wichtig.» Auf niederschwellige Weise finden Senioren und Seniorinnen beispielsweise im Rahmen eines Kiss-Kafis oder eines Mittagstisches soziale Kontakte und somit auch Unterstützung in diversen Belangen.

Eigentlich braucht es gar nicht viel, jemandem den Lebensabend ein wenig zu erleichtern. «Jeder Mensch hat Ressourcen», sagt Susanna Fassbind, «und wenn es ‹nur› Zuhören ist.» Allein durch die Anwesenheit und etwas Aufmerksamkeit könne schon viel erreicht werden. «Wir hatten da schon viele bereichernde Erlebnisse.»

Der Verein Kiss, die Genossenschaften und das Zeitmodell

Gemeinsam geht alles leichter – ein Grundsatz, der gross auf der Flagge von «Kiss» steht. Das Prinzip des Zuger Fördervereins ist mittlerweile bekannt und zieht immer weitere Kreise: Innerhalb eines cleveren Zeitvorsorgemodells kümmern sich Menschen freiwillig um hilfsbedürftige Betagte und Jüngere in Notsituationen. Die geleisteten Stunden werden einem persönlichen Zeitkonto gutgeschrieben und können sofort oder später eingelöst werden, wenn die Helfenden selber auf Unterstützung angewiesen sind. Dank Kiss erhalten ältere Menschen die Möglichkeit, länger zu Hause leben zu können, sie bekommen Rückhalt im Alltag und soziale Kontakte. Der Förderverein Kiss Kanton Zug wird präsidiert von Gründerin Susanna Fassbind (75). Der Verein unterstützt und begleitet den Aufbau von Kiss-Genossenschaften, arbeitet mit Organisationen und der öffentlichen Hand zusammen, koordiniert den Ausbau und die Weiterentwicklung des Zeitvorsorgemodells und der Kiss-Software. Die Genossenschaften umfassen diejenigen Menschen einer Gemeinde oder Region, die aktiv am Kiss-Modell teilnehmen, Menschen betreuen und Zeit sammeln. Infos unter www.kiss-zeit.ch

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