Kolumne
Seitenblick: Mit Musik schwelgen

Die (ehemalige) Lieblingsmusik weckt bei Redaktorin Carmen Rogenmoser viele Erinnerungen.

Carmen Rogenmoser
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Ich höre die ersten Gitarrenakkorde und bin auf einen Schlag – bevor ich überhaupt begreife, welches Lied grad im Radio gespielt wird – um Jahre zurückversetzt. Ich liege in der Badi, weiss noch genau auf welchem Badetuch, und ich spüre die Stimmung von damals. Wir waren jung, fühlten uns unbesiegbar und dachten, alles sei möglich.

Die Gedanken daran bringen mich im Heute zum Schmunzeln, gleichzeitig ist es wunderbar, das für einen kurzen Moment wieder zu fühlen.

Das passiert mir immer wieder. Viele prägende Ereignisse verbinde ich mit bestimmten Liedern, einer Band oder einer Musikrichtung. Die Melodien, der Text oder der Interpret bringen mich zurück ins erste Klassenlager im Tessin, ich sehe mich beim Büffeln für die Matura oder beim Feiern mit der Guggenmusik.

Ich werde aber auch gedanklich auf erlebte Reisen geschickt. Nach Irland etwa, Kambodscha oder Indien. Ich bin plötzlich wieder in der Menschenmenge an einem Konzert im grossen Stadion oder in einer verrauchten Kneipe.

Erinnerungen, Gefühle und Erfahrungen haben sich auf ewig mit der Musik verbunden. Das bewegt mich und ich spüre es auch, wenn ich selber musiziere. Mein Musikgeschmack hat sich zwar weiterentwickelt, aber auch heute gefallen mir die Vorlieben von damals noch immer.

Allerdings höre ich seit längerem nicht mehr so gezielt Musik. Den Anschluss an die gegenwärtigen Trends habe ich sowieso verpasst. Der Radio läuft mehr im Hintergrund, als dass ich wirklich zuhöre. Ertönt allerdings ein bekanntes, geliebtes Stück, bin ich umso erfreuter.

Zudem hat sich in letzter Zeit ein neuer Stil bei uns zu Hause eingenistet. Einer, auf den ich keinen Einfluss habe, der aber trotzdem im Ohr hängen bleibt: «Elefant i sim grauä Gwand» tönt es in voller Lautstärke durch die ganze Wohnung. Vorgetragen von den – nicht ganz so lupenreinen – Stimmen der «Schlieremer Chind». In Endlosschleife. Wenn diese Phase überstanden ist, bin ich nicht böse, wenn zusammen mit dem Abspielgerät auch die Schlieremer Chind auf Nimmerwiederhören in der Versenkung verschwinden.