Leserbrief

Mit Panikmache am Volk vorbei

Zur Coronakrise

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«Die Geister, die ich rief, die werd’ ich nicht mehr los» – heisst ein bekannter Vers aus Johann Wolfgang von Goethes Gedicht «Der Zauberlehrling». So kommt mir der Krisenstab des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) in Bern vor. Was vielleicht mit den Anordnungen ab Mitte März am Anfang dieser ganzen Coronakrise noch sinnvoll erschien, ist in Sachen Handhabung der Vorschriften komplett aus dem Ruder gelaufen, weil jeder Kanton etwas anderes macht. Es lebe der Föderalismus! Und jetzt ist auch noch das Masken-Obligatorium im öffentlichen Verkehr (ÖV) aktuell geworden. Dieser Vorschrift, die in keinem Gesetzbuch der Demokratie Schweiz fix verankert ist, werde ich in keinem Falle nachkommen.

Ich finde es immer schlimmer, dass der Krisenstab, der aus zwei welschen Bundesräten und einer Pianistin besteht, nebst ein paar Hobby-Virologen einer breiten Schicht der Bevölkerung Direktiven erteilt, wie sie sich zu verhalten hat. Diese Maskenpflicht nützt überhaupt nichts, etwa gleichviel wie die App, die man vor kurzem runterladen konnte. Ich habe als Senior kein Handy und bin somit aus diesem Kontrollsystem ausgeschlossen. Wie viel Geld die Zuständigen für diese Arbeit erhalten haben, weiss ich nicht.

Noch ein Tipp für die BAG-Statistiker: Es werden immerzu nur die kantonalen Zahlen der Neuansteckungen erwähnt. Von den Genesenen war in den letzten Monaten nie die Rede. Anhand der aktuellsten Zahlen vom 18. Juli liegen die Zahlen der meisten Kantone absolut im grünen Bereich. Mich erstaunt nur, dass die Kantone im Welschland, wo die Krisenstab-Bundesräte herkommen und mit dem Mahnfinger winken, die negativsten Werte der ganzen Schweiz präsentieren. Übrigens; wenn man eine schnelle Bewältigung der Coronakrise vorantreiben will, braucht es Positiv-Meldungen für die Zuhörerschaft. Aber diese Eigenschaft ist beim BAG vermutlich ein Fremdwort. Zudem sind die Fraktionspräsidenten gebeten, ihren Bundesräten Nachhilfeunterricht zu erteilen in Sachen Legislative und Exekutive, und auch arithmetische Kenntnisse in Prozent- und Promille-Rechnen sind dringend vonnöten, damit sie die Statistikwerte auch richtig interpretieren können, wo die Grenzen liegen zwischen Vernunft und Massenhysterie und Panikmache.

Ist Ihnen an diesem Leserbrief etwas aufgefallen? Nicht! Er ist in reinem Deutsch verfasst: Der Schreibende braucht keine englische Schlagwörter dazu. Bei Negativ-Ereignissen wird immer zuerst ein englischer Begriff herbei gesucht, um beim einfachen Bürger den Eindruck zu erwecken, dass da wahre «Intelligenz-Bestien» am Werkeln sind. Es ist müssig zu erwähnen, dass mit der Häufigkeit der Anglizismen in einem Referat oder einem Zeitungsartikel auf die Intelligenz der Autoren Rückschlüsse gezogen werden kann.

Also wenn Sie mich in Zukunft maskenfrei im ÖV antreffen werden, behalten Sie Ruhe und sprechen Sie mich nicht an, sonst werden meine träfen Sprüche Ihnen den Tag versauen.

Eugen Gunz, Rotkreuz