Kolumne
Zuger Ansichten: Mit Steuergeldern in die Tiefe bohren

Kantonsrat Patrick Iten äussert sich zu den Bohrungen für Tiefenbrunnen auf dem Gelände des kantonalen Verwaltungszentrums.

Patrick Iten, Kantonsrat CVP, Oberägeri
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Zuerst wollte ich etwas über die Diskussionskultur während der Coronazeit von Politikern und in den Onlinemedien schreiben. Nachdem ich am vergangenen Mittwoch den Bericht über die Tiefenbohrungen des Kantons Zug gelesen hatte, möchte ich nun meine Gedanken über dieses Projekt mit Ihnen teilen. Detaillierter geht es um Tiefenbohrungen für die kantonale Verwaltung an der Aabachstrasse. Ergänzend dazu möchte ich noch festhalten, dass ich seit fünf Jahren als Projektleiter bei der WWZ arbeite. Meine Hauptaufgaben sind für die WWZ Leitungen des Wärmeprojekt Circulago zu planen und zu realisieren.

Patrick Iten.

Patrick Iten.

Bild: PD

Am 15. Mai 2011 hat die Bevölkerung der Stadt Zug über die Vorlage «2000 Watt für Zug» abgestimmt. Mit der Annahme hat sich die Stadt Zug auch dafür ausgesprochen, CO2 einzusparen. Seit 2016 plant und baut die WWZ den Wärmeverbund Circulago. Dieses Projekt gibt der Stadt und der Bevölkerung die Möglichkeit, bis zum Endausbau 25000 Tonnen CO2 einzusparen. Sowohl die Stadt Zug wie auch viele private Hausbesitzer sind mit gutem Beispiel vorangegangen und haben sich bereits dem Netz von Circulago angeschlossen.

Dass nun ausgerechnet die kantonale Verwaltung eigene Tiefenbrunnen bohrt zur Wärme- und Kältegewinnung, macht mich etwas stutzig. Denn nicht einmal 25 Meter neben dem Gebäude an der Aa 5 in Zug verläuft das Quellennetz von Circulago. Ein Graben mit zwei Leitungen bis zum Gebäude würde gerade mal etwa 45000 Franken kosten. Und eine Anbindung von der General-Guisan-Strasse her wäre möglich gewesen. Dazu kommen noch die Anschlusskosten, welche auch die Übergabestation im Gebäude beinhaltet. Dem Zeitungsbericht kann man entnehmen, dass die Bohrungen rund 1 Million Franken kosten und eine weitere halbe Million benötigt wird, um die Tiefenbrunnen noch anzuschliessen.

Ich persönlich finde, dass bei 1,5 Millionen Steuergeldern doch etwas genauer hingeschaut werden darf. Und ich bin der Meinung, dass die öffentliche Hand solche Projekte wie Circulago unterstützen muss. Vor allem dann, wenn ein Wärmeverbund von einer lokalen Privatfirma (WWZ: 70 Prozent der Aktien in privater Hand) gebaut wird. Moralisch betrachtet, muss doch die öffentliche Hand ein solches Projekt unterstützen. Und zugleich kann das lokale Gewerbe unterstützt werden, welches im Kanton Zug Steuern zahlt.

Da ich nun seit fünf Jahren an diesem spannenden Projekt arbeite, habe ich noch einige ungeklärte Fragen. Grundsätzlich frage ich mich, wie der Kanton Zug zu Wärmeverbünden, welche helfen, CO2 einzusparen, steht? Innerhalb der ganzen Kantonsfläche gibt es immer mehr Wärmeverbünde, warum sich dann nicht einem solchen Wärmeverbund anschliessen? Was wird alles mit 1,5 Millionen Franken angeschlossen? Bei dieser Höhe der Investition müssen bestimmt mehrere Gebäude angeschlossen werden? Oder ist der Anschluss an Circulago so teuer, dass es sich effektiv nicht lohnt? Fragen über Fragen.

Liebe Leserinnen und Leser, Sie merken und mir scheint, es gibt noch einiges zu klären, wofür unsere Steuergelder eingesetzt werden. Damit weder Sie noch ich all diese Fragen alleine beantworten müssen, habe ich am letzten Mittwoch eine Interpellation im Kantonsrat eingereicht, welche uns die Antworten liefern soll.

Vielen Dank, dass Sie sich kurz Zeit genommen haben, und ich mit Ihnen meine Gedanken teilen durfte.

Hinweis: In der Kolumne «Zuger Ansichten» äussern sich Kantonsrätinnen und Kantonsräte zu einem frei gewählten Thema. Ihre Meinung muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen.