Spitzensportzentrum in Cham nimmt in Riesenschritten Gestalt an

Als Privatmann baut der EVZ-Verwaltungsratspräsident Hanspeter Strebel in Cham ein Sportzentrum, welches seinesgleichen sucht. Ein Augenschein sechs Monate vor Eröffnung.

Marco Morosoli
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Neben der Führungsfunktion beim EVZ ist Hanspeter Strebel auch noch Bauherr des multifunktionalen OYM (On your marks/ Auf die Plätze, Fertig, Los) Spitzensportcenters in Cham. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
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Auf der Ebene -2/ auf einer Etage des Untergeschosses gibt es einen letzten Blick auf die Kühlröhrchen, mit welchen noch in diesem Jahr eine Eisfläche aufbereitet werden soll. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
Bevor dies aber gestartet werden kann, braucht es noch einen Deckel über den Leitungen, welche insgesamt rund 42 Kilometer messen. Verbunden sind diese mit rund 3500 Schweissnähten. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
Hanspeter Strebel ist an drei bis vier Tagen pro Woche auf der Baustelle anzutreffen. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
Die Anlage soll am 23. März 2020 eröffnet werden. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
Blick im Gebiet Lorzenpark in die Natur. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
Schweizweit aktuell einzigartig ist auch die Dreifachsporthalle im Ennetseer Spitzensportzentrum. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
In diese bauen die Fachleute einen Glasboden ein. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
Aussenansicht auf das neue Gebäude. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
Blick auf die künftigen Schulungsträume. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
Einblick in die künftigen Garderoben. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
(Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
(Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
(Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
(Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
(Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
(Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
(Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)

Neben der Führungsfunktion beim EVZ ist Hanspeter Strebel auch noch Bauherr des multifunktionalen OYM (On your marks/ Auf die Plätze, Fertig, Los) Spitzensportcenters in Cham. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)

Die National-League-Mannschaft des EVZ läuft seinen Planvorgaben in den Augen vieler um Längen hinterher. In Zug ist das mit klaren Ansagen eben immer so eine Sache. Einige mögen sich noch an den Slogan «Zug isch besser» zu Beginn der 1990er-Jahre erinnern. Die Führungsmannschaft lässt aber noch keine Nervosität erkennen. Frei nach dem Motto «in der Ruhe liegt die Kraft».

Diese Regel hat auch der EVZ-Verwaltungsrat Hanspeter Strebel verinnerlicht, obwohl er derzeit gleich doppelt gefordert ist. Neben der Führungsfunktion beim EVZ ist er auch noch Bauherr des multifunktionalen OYM (On your marks/ Auf die Plätze, Fertig, Los) Spitzensportcenters in Cham. «Das Bau-Programm kann eingehalten werden. Die Kosten haben wir im Griff», sagt Hans-Peter Strebel. Am 23. März 2020 könne die Anlage eröffnet werden. Wie das Spitzensportzentrum im Gebiet Lorzenpark äusserlich wie auch im Inneren in Riesenschritten Gestalt annimmt, davon nimmt er regelmässig Notiz: «Ich bin an drei bis vier Tagen in der Woche auf der Baustelle anzutreffen.» Bei Führungen - davon hat er schon unzählige gemacht - bewegt er sich mittlerweile schon mit traumwandlerischer Sicherheit durchs OYM.

Auf der Ebene -2/ auf einer Etage des Untergeschosses gibt es einen letzten Blick auf die Kühlröhrchen, mit welchen noch in diesem Jahr eine Eisfläche aufbereitet werden soll. Bevor dies aber gestartet werden kann, braucht es noch einen Deckel über den Leitungen, welche insgesamt rund 42 Kilometer messen. Verbunden sind diese mit rund 3500 Schweissnähten. Ein Leck darin wäre fatal. «Die Spezialisten haben verschiedene Tests gemacht», weiss Hanspeter Strebel zu berichten. Diese hätten keine Schwachstelle ergeben. Ammoniak kommt beim OYM auch zum Einsatz, wobei dieses Kühlmittel aber nur im inneren Kreislauf Verwendung findet und alle Sicherheitsstandards erfüllt.

Der grosse Stolz des Bauherren

Das Herz von Hanspeter Strebel schlägt für den EVZ. Das spürt jeder, der mit ihm diskutiert. Besonders stolz ist er aber beim Eishockeyrink im Untergeschoss. Dies aber nicht alleine aufgrund der Tatsache, dass ab dem kommenden April vier Leistungsteams (National League, Swiss League, U20 Elit, U17 Elit) des EVZ praktisch das ganze Jahr über auf Eis trainieren können. Auch all die anderen Trainingseinheiten können die EVZ-Akteure unter dem Dach des OYM durchführen. So gibt es eine Schussanlage, ein mit Schlittschuhen begehbares Laufband, mit dem die Spieler aus dem Lauf das Schiessen lernen können. Die Torhüter hat Strebel bei seinem Projekt nicht vergessen. Da diese auf Kunsteis wegen des zu grossen Widerstandes des Ausfallschrittes nicht trainieren können, wird eine Übungsanlage mit richtigem Eis als Unterlage gebaut.

Etwas Besonderes ist auch die Bandenanlage des OYM-Eisrinks, die es so in Europa nicht gibt. Ursprünglich sei, so Strebel, einmal vorgesehen gewesen, die Eisfläche jeweils mit Manneskraft auf die nordamerikanischen Masse zu verkleinern. Die Länge der überseeischen Eishockeyrinks entspricht den europäischen, jedoch sind diese fünf Meter schmäler. Die Methode «Manneskraft» verschlingt aber acht Stunden. Bauingenieure des OYMs haben dann eine andere Methode entwickelt: Hydraulische Pumpen verengen den Eisrink. So lässt sich der Zeitaufwand auf drei Stunden drücken. So gesehen ist das OYM-Stadion in der jetzt aufgebauten Konfiguration ein Unikat. Die Schweizer U18-Nationalmannschaft kann so Ende März 2020 bereits von der Möglichkeit einer verengten Eisfläche bereits profitieren. Die jungen Schweizer spielen ab Mitte April an der A-Weltmeisterschaft in Ann Arbor und Plymouth (US-Bundesstaat Michigan).

Schweizweit aktuell einzigartig ist auch die Dreifachsporthalle im Ennetseer Spitzensportzentrum. In diese bauen die Fachleute einen Glasboden ein. Die für die jeweiligen Sportarten notwendigen Markierungen werden von unten mittels LED eingeblendet. Ein Glasboden ist aber noch aus einer anderen Perspektive ein grosser Fortschritt. Stürze in herkömmlichen Turnhallen führen zu Verbrennungen. Beim Glasboden passiere dergleichen nicht, erzählt der EVZ-Verwaltungsratspräsident. Auch hier überlässt der Sportenthusiast nichts dem Zufall und sagt: «Ich bin mit einem Handballer nach Dresden geflogen. Der Ballsportler hat dann dort eine Anlage der gleichen Bauart geprüft und für sehr gut befunden.» Es versteht sich von selber, dass der EVZ einer der wichtigsten Mieter sein wird. Das OYM will aber eine Spitzensportstätte in der Zentralschweiz mit internationaler Ausstrahlung sein. Die Multifunktionalität des Gebäudes macht es so einzigartig. Mit verschiedenen Sportverbänden habe bereits ein Austausch stattgefunden. Einige hätten gedacht, so sagt Hanspeter Strebel, beim Chamer Bau handle es sich bloss um ein Fitnesscenter. Dass dem ganz und gar nicht so ist, dringe aber langsam durch. Der Schweizerische Handballverband hat sich nun für den Premierenzug angemeldet.

Ab Sommer 2020 nutzt ein Talentpool von Handballerinnen im Alter von 16 bis 17 Jahren die Chamer Anlage zum Start eines Projekts. Es soll, so weiss der Bauherr, eine Damennationalmannschaft aufgebaut werden, welche international konkurrenzfähig sein soll. Das Frauenteam trainiert jeweils von Montag bis Freitag miteinander und kehrt jeweils aufs Wochenende zu ihren Stammklubs zurück. Die Handball-Talente wohnen während ihrer Chamer Zeit in Gastfamilien. Mit dem Eintritt der Volljährigkeit können sie dann in Wohngemeinschaften wechseln.

Die Athletik-Trainings sind wissenschaftlich betreut

Mit zum Grundangebot des OYM gehört eine grosse Athletikhalle. Zudem gibt es auch noch eine schiefe Ebene, von Hans-Peter Strebel als «Mörderrampe» bezeichnet. Für das Sprungtraining stehen Treppenstufen in verschiedener Höhe zur Verfügung. Zum Athletikbereich gehört zudem noch eine 80-Meter-Laufanlage mit vier Bahnen. Damit all die erfassten wissenschaftlichen Daten Resultate miteinander vergleichbar sind, ist das OYM so konzipiert, dass im inneren immer eine Temperatur von 20 Grad Celsius plus/minus 1 Grad herrscht. Auch die Luftfeuchtigkeit soll jederzeit den gleichen Level von 50 Prozent plus/minus 5 Prozent haben. Die OYM-Nutzer profitieren also auch von einer umfassenden wissenschaftlichen Betreuung, und sie haben es auch zum Physiotherapeuten nicht weit, da sich Behandlungsmöglichkeiten in derselben Halle befinden. Die Sportler trainieren aber nicht nur unter den besten Trainingsbedingungen, auch ihre Ernährung gehört zum Rundum-Package. Im OYM-Restaurant erhalten die Sportler auf sie abgestimmte Mahlzeiten.

Ein wichtiger Bestandteil des OYM ist auch das integrierte College. Dieses zügelt von Zug in den Ennetsee und erhält als Plus eine Mittelschule. Frontalunterricht gibt es auf keiner Stufe mehr. Eine Vorgabe definiert Hans-Peter Strebel ohne Wenn und Aber: «Die Schule planen wir hier um den Sport herum und nicht umgekehrt. Es versteht sich auch von alleine, dass hier ein Alkoholverbot gilt.» Das OYM ist ja ein Spitzensportzentrum. Eines bei dem der Bauherr mit seinem Team aus Wissenschaftlern an jedes Detail gedacht hat.