MOBILITÄT: Die Gemeinde Risch wird vom Verkehr überrollt

Der Rischer Gemeinderat hat 55 Massnahmen präsentiert, die das Verkehrsproblem in der Region lösen sollen. Mit einer Informationsveranstaltung wird die Bevölkerung zur Mitwirkung eingeladen.

Andrea Muff
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Zu Spitzenzeiten verkehren beim Forrenkreisel bis zu 3000 Autos pro Stunde. (Bild: Patrick Hürlimann (Rotkreuz, 13. September 2017))

Zu Spitzenzeiten verkehren beim Forrenkreisel bis zu 3000 Autos pro Stunde. (Bild: Patrick Hürlimann (Rotkreuz, 13. September 2017))

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Verkehrsmässig platzt die Gemeinde Risch aus allen Nähten: Dieser Eindruck wird vom Gesamtverkehrskonzept (GVK) untermauert. Am Mittwochabend hat der Gemeinderat die Bevölkerung über dessen 55 Massnahmen informiert. Denn die Gemeinde boomt – in den letzten Jahren sind neue Wohnsiedlungen und Arbeitsplätze entstanden. Diese Entwicklung bringt die Verkehrsinfrastruktur zu Spitzenzeiten an die Kapazitätsgrenze. Das GVK bringt den Fuss-/Veloverkehr, den öffentlichen Verkehr und den motorisierten Individualverkehr sowie die Akteure Gemeinde, Kanton und Bund unter einen Hut. Denn einige Massnahmen müssen von Kanton und Bund mitgetragen oder gar initiiert werden, informiert die Gemeinde. Die Exekutive hat das GVK Anfang März verabschiedet und für die öffentliche Mitwirkung freigegeben.

In erster Linie geht es darum, dass die Gemeinde erreichbar bleibt und der Verkehr für die Wohnbevölkerung verträglicher wird. Im Konzept wird die Stossrichtung vorgegeben. In Rotkreuz soll etwa ein Halbanschluss bei der Buonaserstrasse an die A4 die Kapazität des Knotens Forren erhöhen. So hat der Kanton 2017 in der Verkehrsstudie «Erschliessung Industriegebiete Rotkreuz und Bösch» verschiedene Vari­anten zur Entschärfung der Überlastung im Umfeld des Autobahnanschlusses von Rotkreuz geprüft. Das Ergebnis: Der Halbanschluss bei der Buonaser­strasse, ein Bypass beim Forrenkreisel mit Busspur zur Blegi­strasse sowie flankierende Massnahmen zur Verkehrslenkung werden weiterverfolgt. Bauchef Ruedi Knüsel bezeichnet diese zwei Massnahmen als wichtig. «Hier liegt die Federführung bei Bund und Kanton», präzisiert er.

Angeregte Diskussionen rund ums Konzept

Dass der Verkehr in Rotkreuz bewegt, zeigen auch die rund 80 Personen, die zum Informationsanlass im Verenasaal erschienen sind. Angeregt diskutieren einige Gruppen. Sie stehen bei den Stellwänden und zeigen auf den Karten, wo ihrer Meinung nach, die grössten «Baustellen» sind. Ein Anwohner der Chamerstrasse meint etwa: «Wenn ich um 17 Uhr nichts mehr vom Verkehr höre, dann weiss ich, dass die Autobahn überlastet und die Chamerstrasse verstopft ist.» Denn sobald die Autobahn «voll» sei, würde über das Rotkreuzer Zentrum ausgewichen. Darauf macht auch Bauchef Ruedi Knüsel aufmerksam: «Eine Studie hat vor ein paar Jahren ergeben, dass jedes sechste Auto die Autobahn in Rotkreuz verlässt, um auf den Kantonstrassen weiterzufahren.» Ein weiterer Rotkreuzer stellt indes pragmatisch fest: «Eigentlich bauen wir Strassen für rund vier Stunden am Tag.» Denn auch die eigens eingeführten flexiblen Arbeitszeiten würden nicht wie gewünscht genutzt werden, hat ein Rotkreuzer Arbeitgeber in seinem Betrieb festgestellt. «Die meisten beginnen um 8 Uhr und verlassen nach 17 Uhr wieder das Büro», erklärt er. Ein weiterer Anwohner der Chamerstrasse ist nicht durchwegs zufrieden und bringt das zum Ausdruck: «Ich bin ein wenig enttäuscht. Man hätte schon lange mit einfachen Mitteln, einfache Massnahmen umsetzen können», findet er und spricht vor allem veraltete Signalisationen oder fehlende Fussgängerstreifen an. Diese sind teilweise bereits im Massnahmenkatalog der Gemeinde enthalten. Von den 55 Massnahmen sollen rund 25 in den nächsten fünf Jahren umgesetzt werden.

Für Ruedi Knüsel war das Pulsfühlen an der Informationsveranstaltung ein Erfolg: «Die Reaktionen waren unterschiedlich und von Zustimmung bis Ablehnung war alles vorhanden. Denn bei der Mobilität sind die Interessen der Bevölkerung sehr unterschiedlich und teilweise sogar kontrovers.» Mit dem GVK versuche die Gemeinde, einen möglichst grossen gemeinsamen Nenner zu finden.

Mitwirkung ist gestartet

Bis am 31. Mai kann die Bevölkerung ihre Meinung zum GVK kundtun. Das Formular liegt bei der Gemeinde auf und ist auf der Homepage zu finden. Danach wird ein Mitwirkungsbericht erstellt, in dem aufgezeigt wird, welche Anliegen zusätzlich aufgenommen werden. Ruedi Knüsel resümiert über den Abend: «Im Fokus der Diskussion stand der Halbanschluss an der Buonaser­strasse. Denn diese Massnahme führt zu einer Verlagerung des Verkehrs aus dem südöstlichen Gebiet. Die Prognosen der Verkehrsplaner für das Jahr 2030 gehen von einer Entlastung der Chamerstrasse aus, während die Buonaserstrasse zusätzlich belastet wird.» Der Bauchef sieht aber auch den grösseren Zusammenhang. «Ganz wichtig ist natürlich auch, dass die Verkehrsprobleme in der Umgebung gut gelöst werden. Namentlich ein funktionierender Autobahnanschluss im Fänn bei Küssnacht sowie auf der Autobahn in Richtung Luzern. Ohne diese Verbesserung werden unsere Bemühungen durch den Ausweichverkehr zunichtegemacht.»

Hinweis

Das Gesamtverkehrskonzept und Informationen zur Mitwirkung finden Sie auf der gemeindlichen Homepage www.rischrotkreuz.ch.