Kolumne
«Die Junge Sicht»: Mode und Nachhaltigkeit – eine komplexe Sache

Jungpolitikerin Ilaria Ravazzolo über die Schattenseiten unserer Kleider.

Ilaria Ravazzolo, Junge Grünliberale Zug
Ilaria Ravazzolo, Junge Grünliberale Zug
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Bei dem Begriff «Nachhaltigkeit» denkt man meist nicht gleich an die Modeindustrie. Unter den umweltbelastenden Industrien steht diese jedoch weit vorne, was nur selten, wenn überhaupt, direkte Auswirkungen auf den Schweizer Alltag hat.

In Ländern wie Indien und Bangladesch ist das Gegenteil der Fall. Sie sind beliebte Standorte für Textilfabriken, weshalb dort auch die meisten Menschen direkt unter den Auswirkungen der Textilindustrie leiden. Die Arbeitsbedingungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter dieser Textilfabriken sind alles andere als nachhaltig. Die zu bemängelnden Punkte reichen weit – von halb zerfallenen Fabrikgebäuden über fehlende Sicherheitsmassnahmen zu aufgezwungenen Überstunden und Arbeitstagen von über 13 Stunden. Der Einsturz des Rana-Plaza-Gebäudes 2013 in Dhaka (Bangladesch) hat die westlichen Medien auf die unmenschlichen Zustände in den Fabriken aufmerksam gemacht. Das achtstöckige Gebäude umfasste fünf Fabriken, die Kleidungsstücke für verschiedene Marken herstellten. Darunter auch einige grosse Namen, welche ihre Zusammenarbeit mit den Fabriken nach dem Einsturz dementierten. Der Fabrikeinsturz führte zu über 1100 Toten und zirka 2500 Verletzten.

Rana Plaza ist bei weitem kein Einzelfall, die meisten Textilfabriken produzieren unter ähnlichen Bedingungen. Eine Gewerkschaft gibt es nicht, da die Fabrikleiter jeglichen Widerstand unterdrücken und an ihren Arbeiterinnen und Arbeitern (wovon über 80 Prozent Frauen und Mädchen sind) oftmals physische Gewalt ausüben. Auch sexuellen Übergriffen sind die Angestellten täglich ausgesetzt. Dabei verdienen sie mit dieser harten Arbeit aufgrund der tiefen Mindestlöhne kaum genug, um sich und ihren Familien ein Dach über dem Kopf leisten zu können. Die örtlichen Behörden führen selten seriöse Kontrollen durch, da die Textilindustrie ein wichtiger Teil der wirtschaftlichen Entwicklung dieser Länder ausmacht und die Regierung keinesfalls auf den Geldfluss der grossen internationalen Konzerne verzichten will. Deshalb begünstigt auch die Gesetzeslage eine derartige Ausbeutung der Arbeiterinnen und Arbeiter.

Ausserdem werden bei der Textilproduktion unzählige Chemikalien in die umliegenden Gewässer ausgesondert. Das Wasser des Flusses Bandi in Rajasthan (Indien) hat täglich eine andere Farbe, je nach Färbemittel, welches die Fabriken benutzen und ungefiltert in den Fluss entsorgen. Die über 800 Textilfabriken, die entlang des Flusses produzieren, haben den Bandi so weit verschmutzt, dass das Wasser, welches für die in Armut lebenden Menschen der umliegenden Orte lebensnotwendig ist, höchst toxisch ist. Die Chemikalien schleichen sich vom Fluss in die Nahrungskette, da das Wasser zur Bewässerung in der Landwirtschaft und als Trinkwasser benutzt wird.

Wenn man sich als Konsumentin oder Konsument dessen bewusst wird, stellt sich natürlich die Frage, wie man seinen Kleiderschrank nachhaltiger machen kann. Die Antwort auf diese Frage ist, aufgrund der Komplexität des Problems, alles andere als eindeutig.

In der Kolumne «Die junge Sicht» äussern sich Mitglieder der Zuger Jungparteien zu frei gewählten Themen. Ihre Meinung muss nicht mit derjenigen der Redaktion übereinstimmen.

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