Mordprozess: Täter mit Erinnerungslücken

Der Beschuldigte im Doppelmordprozess vor dem Zuger Strafgericht kann nach eigenen Angaben «nicht glauben, was passiert ist». Erklären kann er es noch viel weniger. In der Befragung machte der Mann immer wieder Erinnerungslücken geltend.

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Der Angeklagte im Zuger Eschenring-Mordfall gesteht an der Gerichtsverhandlung die Tötung der philippinischen Haushälterin. (Bild: Aleksandra Mladenovic)

Der Angeklagte im Zuger Eschenring-Mordfall gesteht an der Gerichtsverhandlung die Tötung der philippinischen Haushälterin. (Bild: Aleksandra Mladenovic)

Er sei an jenem 17. Februar 2009 zur Attikawohnung einer wohlhabenden Frau gefahren, die er von Handwerkerarbeiten her kannte, sagte der 46-Jährige. Er habe mit ihr reden wollen. Worüber, wurde bei der Befragung nicht klar.

Als er bemerkte, dass eine weitere Frau in der Wohnung war, habe er vorgetäuscht, am Fenstergriff Reparaturarbeiten durchzuführen. Die hinter ihm stehende Wohnungsmietern habe plötzlich «begonnen zu hecheln und zu zucken» und sei dann zusammengesackt, sagte der Schweizer.

Er habe ihr helfen wollen, beteuerte der Beschuldigte. Offenbar habe sie einen epileptischen Anfall gehabt. Die andere Frau sei wohl erschrocken und habe angefangen zu schreien. Das habe er abstellen wollen, damit er sich um die kranke Frau kümmern konnte.

Einbruch vorgetäuscht

Was dann geschah, daran könne er sich nicht erinnern. Er wisse noch, dass er irgendwann auf dem Bett gesessen und die beiden Frauen angesehen habe, die tot am Boden lagen. Um einen Einbruch vorzutäuschen, habe er dann «etwas Schmuck und Bargeld und ein paar Kreditkarten eingesteckt.»

Laut Anklage hat der Mann die beiden Frauen gefesselt. Die eine erwürgte er mit einem zusammengedrehten Kleidungsstück. Ob die andere sich mit der heimtückisch angebrachten Fesselung selbst erdrosselte, oder ob der Täter sie ebenfalls erwürgte, konnte nicht vollständig geklärt werden.

Nach Tat legte er Feuer, das später von selbst ausging. Dann verliess er die Wohnung mit diversen Wertsachen, die er zum Teil in den folgenden Tagen zu Geld machte.

In der Befragung trat der Beschuldigte ausserordentlich selbstbewusst und gleichsam gut gelaunt auf. Gleich zu Beginn teilte er mit, er reiche Strafanzeige gegen einzelne Mitglieder der Ermittlungsbehörden wegen Amtsmissbrauchs und Amtsgeheimnisverletzung ein.

Nur als es um die Tötungen ging, wischte er sich hin und wieder eine Träne weg. Er betonte, er habe in den Wochen vor der Tat exzessiv getrunken und gekokst - damit zielt er offensichtlich auf eine Verminderung der Schuldfähigkeit.

Verhandlung zweigeteilt

Die Hauptverhandlung wird in zwei Teilen durchgeführt. Im jetzigen ersten Teil geht es ausschliesslich um Tat und Vorsatz - Mord, vorsätzliche oder fahrlässige Tötung. Erst im Früling, wenn ein drittes bestelltes Gutachten vorliegt, geht es um Fragen des Verschuldens und um die Sanktionen.

Laut Gericht ist das dritte Gutachten nötig, da das zweite «nicht verwertbar» sei. Wie der Verteidiger moniert hatte, entspreche es nicht der gebotenen Unabhängigkeit, da sich der zweite Gutachter auf das erste Gutachten abstützte.

Die Staatsanwaltschaft fordert zur lebenslänglichen Freiheitsstrafe auch eine lebenslängliche Verwahrung. Für diesen Entscheid muss sich das Gericht auf mindestens zwei unabhängige Gutachten stützen können.

sda