Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

MORGARTEN: Ein reich dekoriertes Gemeinschaftswerk

Ein Blick in die vermeintlich unscheinbare Kirche direkt an der Hauptstrasse lohnt sich: Sie birgt eine der eindrucksvollsten Kassettendecken in der Region.
Andreas Faessler
Schwer und filigran zugleich: Die Kassettendecke in der Kirche St. Vitus in Morgarten überspannt den gesamten Raum. Die einzelnen Kassetten wirken durch ihre Tiefe.

Schwer und filigran zugleich: Die Kassettendecke in der Kirche St. Vitus in Morgarten überspannt den gesamten Raum. Die einzelnen Kassetten wirken durch ihre Tiefe.

Irgendwo stand mal, es sei «typisch schweizerisch», dass historische Gebäude hierzulande sich gegen aussen bescheiden geben, inwendig dafür oft mit umso prächtigerer Ausstattung bestechen. Ob das nun allgemein zutrifft oder nicht, die Kirche St. Vitus in Morgarten würde hierbei als anschauliches Beispiel dienen. Die 1895 bis 1899 erbaute Filialkirche wirkt durch ihren schlichten Baukörper mit einfachen Formen und schmuckarmer Fassade recht unaufregend.

Betritt man dasGotteshaus, weicht dieser Eindruck einem wahren Reigen an Ornamentik. Formell der Neuromanik verpflichtet, beeindruckt der gesamte Innenraum mit flächendeckender, kleinteiliger Dekorationsmalerei. Wir möchten uns hier aber auf das «Prunkstück» der Kirche konzentrieren – es überspannt den gesamten, auffallend hohen Kirchenraum und den Chor: Die bombastisch wirkende Kassettendecke aus dunklem Holz dürfte ihresgleichen weit und breit suchen. Ein umlaufendes Kranzgesims aus kleinen Konsolen erweckt den Eindruck, als würde es die gesamte Konstruktion tragen. Aus 28 quadratischen Feldern besteht die Decke über dem Schiff, im Chor sind es deren vier sowie drei dreieckige Felder im polygonalen Chorabschluss.

Für die Ausführung der Decke im Jahre 1896 zeichnet Schreinermeister Joseph Meinrad Fuchs verantwortlich, von dem in der Zentralschweiz einige weitere kleinere Arbeiten überliefert sind. Ansonsten ist über ihn biografisch kaum Näheres zu finden. Die Kassetten erhalten allein durch ihre plastischen Abstufungen eine deutliche Tiefe. Hinzu kommt der detailverliebte Zierrat von Josef Traub, Kunstmaler aus Rorschach. Die feine lineare Fassung mit unterschiedlichen Farbtönen verstärkt den Eindruck von Tiefe und Relief in hohem Masse. Zugleich hebt die zarte Dekorationsmalerei die Schwere der wuchtigen Holzkonstruktion auf. In Morgarten haben Schreinermeister Fuchs und Maler Traub ein eindrückliches, in sich sehr stimmiges Gemeinschafts-Kunstwerk geschaffen, für das allein es sich lohnt, für einmal einen Blick in die Kirche zu werden, welche viele höchstens vom Vorbeifahren kennen.

Aus historischer Sicht wurden Kassettendecken nicht nur aus ästhetischen, sondern auch aus praktischen Gründen verbaut. Vor allem in Kuppelbauten wie dem Pantheon in Rom eigneten sie sich besser, da sie durch ihre Struktur mehr Gewicht tragen konnten. Ferner lässt sich das Schwind- und Quellmass (Ausdehnungsfaktor) des Holzes besser kontrollieren respektive verteilen. Und die Vertiefungen der Kassetten wirken sich in einem Saal generell vorteilhaft auf die Akustik aus.

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.