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MORGARTEN: Metalldetektoren spürten Zeitzeugen auf –und viel Abfall

Die Suche mit Metalldetektoren auf dem möglichen Schlachtgelände hat 80 Kilogramm Fundmenge zu Tage gefördert. Unter anderem sind tatsächlich Stücke aus der Zeit um 1315 dabei – dies zeigt die archäologische Auswertung.
Andrea Muff
Stefan Hochuli mit einem Dolch aus der Zeit der Schlacht am Morgarten. Bild: Stefan Kaiser (Zug, 8. November 2016)

Stefan Hochuli mit einem Dolch aus der Zeit der Schlacht am Morgarten. Bild: Stefan Kaiser (Zug, 8. November 2016)

Hinsichtlich der 700-Jahr-Feier der Schlacht am Morgarten wurde das vermeintliche Schlachtgelände mit Metalldetektoren abgesucht. Dies in Zusammenarbeit der beiden Kantone Schwyz und Zug auf Veranlassung der IG Morgarten. Der Prospektionseinsatz, also die archäologische Suche, sei zeitlich und finanziell beschränkt gewesen, erzählt Stefan Hochuli (56). Seit 2001 ist er Zuger Amtsleiter der Denkmalpflege und Archäologie, angegliedert bei der Direktion des Innern. Sein Team hatte die wissenschaftliche Leitung des Einsatzes inne. Nun sind die Funde analysiert und ausgewertet.

Stefan Hochuli, gleich vorweg: Konnten die Fundstücke die Schlacht von Morgarten 1315 beweisen?

Wir haben Funde aus dem Spätmittelalter ausgemacht. Diese könnten aus der Zeit um 1315 stammen. Das sind zwei Dolche und ein grosses Messer, ein Radsporn, bei dem aber das Rad fehlt, ein Hufeisenfragment, eine Gürtelschnalle, zwei Spitzen von Pfeilen beziehungsweise von Armbrustbolzen, ein Ortband und zwölf Silberpfennige. Die Fundstücke erhöhen zwar die Plausibilität einer kriegerischen Auseinandersetzung, aber beweisen sie nicht.

Sind Sie enttäuscht, dass die Fundstücke die Schlacht von Morgarten nicht beweisen können?

Nein, das bin ich nicht. Vielmehr bin ich überrascht, dass wir überhaupt etwas aus dieser Zeit geborgen haben. Denn eine Schlacht findet an der Oberfläche statt. Überbleibsel wurden danach einfach eingesammelt. Dass wir also eine habsburgische Rüstung finden würden, war sehr unwahrscheinlich. Einige der Fundstücke gehörten aber bestimmt Angehörigen einer sozial höhergestellten Schicht.

Die Resultate werden präsentiert: Wie reagieren die Zuhörer darauf, dass die Schlacht nicht bewiesen werden kann?

Sie sind meist sehr fasziniert davon, was wir für bemerkenswerte Objekte gefunden haben. Enttäuscht war bisher, soweit ich weiss, niemand. Unsere Aufgabe ist es, dass wir zwischen den Laien und den Objekten vermitteln. Wir geben den Fundstücken eine Identität.

Was hat die Prospektion in der Umgebung Sattel sonst noch zu Tage gefördert?

Das Gebiet beläuft sich auf ungefähr 800 000 Quadratmeter. Mit Romano Agola konnten wir einen Spezialisten auf dem Gebiet der Metallortung verpflichten. Er stellte eine Fundmenge von rund 80 Kilogramm sicher. Das sind über 1000 Objekte, die eine Zeitspanne von rund 2000 Jahren abdecken.

Dazu gehörte bestimmt auch eine Menge Abfall. Wie schwierig war es, die archäologischen Fundstücke überhaupt zu finden?

Mehrheitlich handelte es sich um Abfall aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Für die Einordnung und Datierung der archäologisch relevanten Funde haben wir auch mit Universitäten und Spezialisten aus anderen Fachrichtungen zusammengearbeitet.

Was bedeuten die archäolo­gischen Fundstücke für den Kanton Zug und für das Ägerital?

Alle Objekte tragen viel zur Kulturgeschichte bei und somit zu jener des Kantons Zug. Der archäologische Niederschlag in der Umgebung Sattel zeigt zudem, dass hier ein historischer Verkehrsweg von Zug nach Sattel und Schwyz vorbeigeführt hat. Zudem haben wir überraschend Funde aus der römischen Zeit geborgen. Dies vor allem auf Schwyzer Boden. Damit wird dort zum ersten Mal die Anwesenheit von Römern belegt.

Gibt es noch weitere über­raschende Fundstücke?

Wir haben beispielsweise auch Bleikugeln gefunden, die aus den Gefechten um die Eingliederung des Ägeritals in die Helvetische Republik 1798 zwischen den französischen Truppen und den Schwyzern, Zugern und Urnern stammen dürften.

Wohin gehen die archäolo­gischen Fundstücke nun?

Im Schweizerischen Zivilgesetzbuch ist geregelt, dass die Funde dem Kanton gehören, auf dessen Gebiet sie geborgen wurden. Die Zuger Objekte kommen in unsere Sammlung und finden bestimmt Eingang in Ausstellungen un­serer Museen.

Hinweis:Am Mittwoch, 23. November, findet ab 19.30 Uhr ein öffentlicher Vortrag zu den Fundstücken im Foyer der Dreifachturnhalle in Oberägeri statt.

Interview: Andrea Muff

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