MORGARTENSCHIESSEN: Eine Absage sorgt für Verwirrung

Die Armee hat den geplanten Militärschiesswettkampf abgesagt. Dieser hätte einmalig im Jubiläumsjahr stattgefunden. Die Organisatoren lassen sich davon aber nicht entmutigen.

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60 Zielscheiben stehen am Morgartenschiessen für die Schützen bereit. (Bild: Archiv Neue ZZ)

60 Zielscheiben stehen am Morgartenschiessen für die Schützen bereit. (Bild: Archiv Neue ZZ)

Bald geht das Jubiläumsjahr zur Schlacht am Morgarten zu Ende. Nach dem grossen Volksfest im Juni und dem Freilufttheater von August bis September wird auch das traditionelle Morgartenschiessen Teil der Feierlichkeiten sein. Am Vortag der alljährlich stattfindenden Gedenkfeier vom 15. November hätte im Rahmen der Jubiläumsfeier ein Militärschiesswettkampf stattfinden sollen. Doch wie diese Woche bekannt wurde, ist dieser nun abgesagt. «Offenbar kam es da zu Verwirrungen», gibt Urs Hürlimann Auskunft. Der Zuger Regierungsrat ist Präsident der Morgartenkommission. Diese organisiert den traditionellen Anlass jedes Jahr. Hürlimann stellt gleich klar, dass dieser nicht gefährdet ist: «Das 102. Morgartenschiessen findet auf jeden Fall statt.» Es sei schade, dass der Militärschiesswettbewerb abgesagt werden musste, aber es tangiert die Feier eigentlich nicht. Wie üblich werde genau heute in einem Monat die Gedenkfeier mit dem Schlachtjahrzehnt, also dem Gedächtnis an die in den Kämpfen am Morgarten Gefallenen, umrahmt vom Morgartenschiessen, durchgeführt.

Zu wenige Teilnehmer

Da der 15. November in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt, sei die Idee aufgekommen, gleich ein ganzes Schiesswochenende durchzuführen, so der Präsident. Am Samstag hätte dann der Wettkampf der Armee stattgefunden. «Vor eidgenössischen und kantonalen Schützenfesten gibt es immer einen Armeewettkampf. Das wollten wir aufgreifen.» Weshalb das nun nicht klappt, hat einen einfachen Grund: Es gibt zu wenig Teilnehmer. «Total haben sich 185 Schützen angemeldet, nachdem Ende August noch einmal ein Aufruf an alle militärischen Kommandos und alle Schützenverbände gemacht wurde», sagt Divisionär Marco Cantieni, Kommandant der Territorialregion 3, auf Anfrage. Diese war für die Organisation und Austragung verantwortlich. «Um den Anlass würdig und auch finanziell verkraftbar durchzuführen, hätten wir mindestens 600 Schützen gebraucht.» Diese Zahl habe man als realistisch eingeschätzt – nicht zuletzt mit Blick auf die Beliebtheit des Morgartenschiessens. Im vergangenen Jahr nahmen immerhin gut 1600 Schützen daran teil. Der Divisionär meint: «Es war schlichtweg nicht verantwortbar, Steuergelder dafür einzusetzen, um ein grosses Defizit zu decken. Das hätte man genauso wenig verstanden.»

Weshalb sich nicht mehr Schützen angemeldet haben, kann sich Cantieni nicht genau erklären, denn das Teilnehmerfeld sei bewusst offen gehalten worden. Neben den eingeteilten Angehörigen der Armee konnten auch andere Uniformierte wie die Polizei oder die Grenzwachtkorps mitmachen. Er meint aber: «Patrouillen von drei bis vier Schützen zusammenzustellen, ist für die Truppenkommandanten ausserhalb der Dienstzeit sehr aufwendig.»

Abschluss des Jubiläumsjahres

Die Projektleitung der Morgarten-Jubiläumsfeierlichkeiten reagierte in einer Mitteilung überrascht und hält die Absage für eine «für die Schützen verpasste Chance». Der Schwyzer Regierungsrat André Rüegsegger wirkt im OK der Feierlichkeiten mit und meint: «Wir bedauern die Absage natürlich, dem Jubiläumsjahr tut das aber letztlich keinen Abbruch.» Die Gedenkfeier mit dem Morgartenschiessen bilde den Abschluss des Jubiläums; dieser Kontext bleibe so oder so erhalten.

Die Armee war mit einer eigenen grossen Ausstellung während des grossen Volksfestes im Sommer gut vertreten. «Sie war präsent, und das ist gut angekommen», so Rüegsegger. Von der Absage des Wettkampfs lasse er sich die Stimmung nicht verderben. Das muss er auch nicht, denn: «Wir haben für das zivile Morgartenschiessen am Sonntag einen Anmelderekord», so OK-Präsident Urs Hürlimann. Mit 160 angemeldeten Gruppen ist das Schiessen ausgebucht. Insgesamt werden rund 2000 Schützen vertreten sein. «Dieser Zulauf wurde sicher durch das Jubiläumsjahr animiert», ist er überzeugt. Es sei halt schon eine spezielle Sache.

Feier in grösserem Rahmen

Statt sich über die Absage zu ärgern, freuen sich die Organisatoren lieber auf die bevorstehende Gedenkfeier. Dafür haben sie sich einiges einfallen lassen: Neben Alphornbläsern und Militärspiel konnte der Chefredaktor und Verleger der «Basler Zeitung» Markus Somm für die offizielle Festrede verpflichtet werden. Rüegsegger ergänzt, dass am Samstagabend mit einer Lichtinszenierung die Letzi-Mauern nachgestellt werden. Damit sollen die mittelalterlichen Bauten, die zur Grenzkontrolle und Grenzverteidigung gebaut wurden, aufgezeigt werden. Rüegsegger meint: «Die Inszenierung ist vielleicht sogar idyllischer, wenn das Militärschiessen am Samstag nicht stattfindet.»

Carmen Desax