MOST: Die Süsse, die aus dem Innern kommt

Jetzt werden Äpfel wieder zu goldenem Saft verarbeitet – dabei hat jeder Bauer seine ganz eigene Mischung parat.

Luc Müller
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Apfel um Apfel: Florian Hartmann macht die frischen Früchte zum Mosten bereit. (Bild: Alexandra Wey / Neue Zuger Zeitung)

Apfel um Apfel: Florian Hartmann macht die frischen Früchte zum Mosten bereit. (Bild: Alexandra Wey / Neue Zuger Zeitung)

Erfrischend rinnt der süssliche Saft die Kehle hinunter. René Hartmann, Betriebsleiter vom Chamer Schluecht-hof, serviert frisch gepressten Apfelmost. Vor knapp einer Stunde wurden die Äpfel samt Schale und Kerngehäuse direkt vom Kipplaster per Förderband durch die sogenannte Bandpresse geführt. «Frischer Süssmost ist immer ein Renner bei den Kunden. In unserem Hofladen bieten wir ganzjährig Most an. Im Jahr verkaufen wir bis zu 20 000 Liter», erklärt Hartmann. «Denn er ist ein Naturprodukt und stammt aus der Region. Zudem ist Most voller Vitamine», wirbt der Betriebsleiter. Von Mitte September bis Mitte November dauert die Mostsaison: Bis zu 40 Tonnen Äpfel werden dabei verarbeitet. Das Obst stammt vom Schluechthof und von einem Nachbarsbauern. «In diesem Jahr sind wir aber rund zwei Wochen später dran.» Im Juli sei es zu trocken gewesen, weshalb die Äpfel, die als Tafelobst verkauft werden, zu wenig gross wurden (siehe Box). Deshalb sollen viele davon nun auch zu Saft verarbeitet werden», erklärt Hartmann.

Futter für die Kühe

Gestern hat Sepp Krummenacher mit seiner mobilen Mostpresse Halt auf dem Schluechthof gemacht. Auf Auftrag fährt er seit 1968 bei den Bauern mit seiner grossen Bandpresse vor, um Äpfel zu Most zu verarbeiten. Drei Tonnen der süssen Früchte hat er innerhalb 90 Minuten für René Hartmann verarbeitet. Die Ausbeute: rund 2500 Liter Süssmost. Als Abfall bleiben Schalen und Kerngehäuse zurück, der sogenannte Trester. «Das verfüttern wir an die Kühe: Sie lieben es», so Hartmann.

Die Dienste von Krummenacher nimmt der Schluechthof-Betriebsleiter in Anspruch, wenn er ab 700 Liter Most pressen will. «Wir haben auch eine eigene Presse. Mit der kann ich bis 300 Liter in der Stunde verarbeiten. Aber der Aufwand ist gross», berichtet Hartmann, der einen Süssmost-Kurs absolviert hat.

Jeden Freitag kann man ihm dabei zusehen. Die Maschinen hat er vom benachbarten «Stumpe-Buur» Hans Baumgartner übernommen, der früher einen weit über die Region hinaus beliebten Most gepresst hatte.

Auf die Mischung kommt es an

Auf dem Schluechthof stellt René Hartmann geklärten Most her: Das heisst, die Trübstoffe werden herausgefiltert. Anschliessend wird der Saft direkt auf dem Hof pasteurisiert, damit er haltbar bleibt. «Die Mischung machts», verrät René Hartmann. Für seinen Most verwendet er die Apfelsorten Gala, Jonagold und Diva. «Früher hatten viele Bauern eine eigene Presse und stellten Most nur für den Eigenverbrauch her», erzählt Sepp Krummenacher, dessen Firma im Freiamt in Dietwil beheimatet ist. «Derzeit bin ich fast täglich mit meiner Presse in den Kantonen Zug, Luzern, Schwyz oder Zürich unterwegs.» Seit die Hofläden immer stärker aufgekommen seien, habe das Mosten im grossen Stil wieder an Bedeutung gewonnen.

Viel zu putzen

«Früher stammten die Äpfel vor allem von Hochstämmen. Die werden aber immer seltener. Der Most von solchen Äpfeln war nicht so süss wie jener aus den heutigen Obstplantagen», sagt Krummenacher.

Die Bauern schätzten seine Arbeit, weil er mit seiner Presse schnell und ohne grossen Aufwand viele Äpfel verarbeiten kann. «Zudem fällt für die Bauern das Putzen der eigenen Presse weg. Denn die Hygiene ist sehr wichtig und nimmt viel Zeit in Anspruch. Täglich wasche ich meine Presse bis zu einer Stunde lang.»