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MOTORRÄDER: «Brüllklappen» sorgen für Ärger

Für die Lenker ist das Dröhnen Musik in den Ohren – für die Polizei ein Verstoss.
Luc Müller
Wer unnötigen Lärm verursacht, muss mit einer Busse rechnen. (Bild: Getty)

Wer unnötigen Lärm verursacht, muss mit einer Busse rechnen. (Bild: Getty)

Luc Müller

Sommerzeit ist Töffzeit. Und so mancher fühlt sich wegen lauter Auspuffanlagen gestört. Kein Wunder: Im Kanton Zug sind rund 8300 Motorräder registriert (Stand 2014). «Zusammen mit dem Strassenverkehrsamt führen wir gezielt Kontrollen von Motorradfahrern durch», erklärt Judith Aklin, Kommunikationsverantwortliche der Zuger Strafverfolgungsbehörden. Neben der Geschwindigkeit haben die Beamten dabei auch den technischen Zustand der Töffs im Visier. «Dabei wird auch die Auspuffanlage kontrolliert. Ein besonderes Augenmerk richten wir auf die Lärmentwicklung», so Aklin. Diese entstehe einerseits durch das unsachgemässe Bedienen des Motorrades, andererseits auf Grund einer nicht ordnungsgemässen Auspuffanlage. Das Strassenverkehrsgesetz sieht vor, dass unnötiger Lärm im Strassenverkehr geahndet wird. So schreitet die Polizei ein, wenn ein Töff extra in einem tiefen Gang fährt, übertrieben beschleunigt und Reifen oder den Motor aufheulen lässt. Wegen Verursachung von unnötigem Lärm kann es eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft geben – diese kann zu einer Geldbusse von hundert bis mehrere hundert Franken und gar zum Entzug des Führerausweises führen.

Klappe auf und zu

Gerade der kernige Sound ist für viele Motorradfahrer entscheidend – dabei wird bei den Motorrädern über 175 Kubikzentimeter der erlaubte Lärmwert von 80 Dezibel – was einem Presslufthammer entspricht – locker überschritten. Die Gesetzeslage lässt heute noch Vorrichtungen zu, die zu lautem Auspuffgeräusch führen. In den meisten Motorradauspuffen sind Klappensysteme eingebaut, die je nach Wunsch den Lärm dämpfen oder nicht. Der Fahrer kann über einen elektronischen Mechanismus am Lenker die Klappe öffnen oder schliessen. Diese «Brüllklappe», die in den meisten Töffs ab 500 Kubikzentimeter bereits von den Herstellern eingebaut wird, ist legal, wenn sie über eine EU-Typgenehmigung verfügen. Denn die Schweiz übernimmt das Gesetz der EU. Das Problem: Die Lärmvorschriften haben eine Lücke: Wie viel Lärm ein Motorrad machen darf, wird mit einer Beschleunigungsmessung ermittelt. Die elektronisch gesteuerten Klappsysteme haben sich auf die Messung eingerichtet: Von 50 bis 70 Kilometern pro Stunde bleiben sie automatisch zu, womit der Lärm den Vorschriften entspricht. Bei höherem Tempo öffnet sich die Klappe, und es wird richtig laut. Mit der EU-Lärmvorschrift, die ab 2016 in Kraft tritt, ist das nicht mehr erlaubt.

Um den Sound des Motorrades zu verändern, wird allerdings auch zu illegalen Tricks und Kniffs gegriffen – wie das nachträgliche Einbauen einer Klappe bei alten Modellen. «Ich habe die originale Dämpfmembran im Auspuff gekürzt», erzählt ein Harley-Fahrer aus dem Kanton Zug. «Dadurch wird der Auspuff lauter. Das ist illegal, aber der Sound ist für die Harley-Fahrer entscheidend. Das machen 99 Prozent so.» In den Satteltaschen führe er immer die Originalteile mit, «denn wenn ich erwischt werde, muss ich die echten Teile einschrauben».

Ein Lenker aus Oberägeri, der eine BMW-Maschine fährt, hält nichts von Umbauten. «Mir ist der Klang unwichtig.» In der Töffszene seien aber illegale Teile sehr beliebt, bestätigt er. «Kürzlich war ich in Deutschland an einer Töffmesse. Die Händler haben das Klappensystem zum nachträglichen Einbau angepriesen – und darauf hingewiesen, dass es nicht erlaubt ist.»

Lärmmessung beim Amt

Bei Kontrollen kann die Polizei zwar Standgeräuschmessungen vornehmen. Aber nur die Begutachtung der einzelnen Bauteile im Auspuff ist eine effiziente Methode, um illegale Teile wirklich zu erkennen. Werden solche gefunden, sind sie sofort auszubauen, und der Töfflenker muss zur Nachkontrolle ins kantonale Strassenverkehrsamt. Dort nehmen die Experten eine Lärmmessung vor, wenn sie beim offiziellen Vorführen der Maschine Änderungen am Auspuff feststellen, wie Kurt Bischof, Bereichsleiter Prüfungen, erklärt. «Die meisten Beanstandungen führen zum Austausch der Schalldämpferanlage», sagt Bischof.

Probleme mit Ware aus Italien

Für Franz Truttmann von der gleichnamigen Töffgarage in Steinhausen ist klar: «Ich mache keine Auspuffumbauten. Mich selber stören diese sinnlosen und lauten Auspuffanlagen, die auch nicht mehr Leistung bringen. Das schadet nur dem Image der Motorradfahrer.» Mit Auspuffen aus Italien, die zwar eine offizielle EU-Typisierung aufwiesen, hatte er schon Ärger. «Die Kunden fielen bei der Kontrolle des Strassenverkehrsamts durch, weil der Auspuff zu laut war.» Auch bei Harley-Davidson Zentralschweiz in Hünenberg ist das Motto klar: «Wir verkaufen nur legale Teile.»

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