Murimoos-Direktorenhaus ist jetzt Krankenstation

Zivilschützer helfen der Institution, die Klienten in der Umsetzung der Präventiv-Massnahmen zu unterstützen.

Eddy Schambron
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Das ehemalige Direktorenhaus ist abgesperrt wie das ganze Gelände, mit Ausnahme von Biomarkt und Metzgerei.

Das ehemalige Direktorenhaus ist abgesperrt wie das ganze Gelände, mit Ausnahme von Biomarkt und Metzgerei.

Bild: Eddy Schambron

Fünf Zivilschützer unterstützen in zwei Schichten Murimoos werken und wohnen, das ehemalige Direktorenhaus ist in eine Krankenstation umgewandelt, das Essen der Klienten und die Kunden im Biomarkt sind getaktet und die Tür zur Metzgerei öffnet und schliesst jetzt automatisch: «Wir haben gemacht, was wir machen können», sagt Michael Dubach am Telefon. Seine Institution sieht sich in der Coronakrise vor besondere Herausforderungen gestellt, auch deshalb, weil dort Menschen leben, die aufgrund ihrer Beeinträchtigung teils Mühe haben, die Vorgaben zum Social Distancing einzuhalten. Immerhin gibt es, Stand heute, keine am Coronavirus erkrankten Klienten oder Mitarbeitende.

«Im Rahmen des Möglichen» werden die Klienten von Murimoos werken und wohnen auf dem Gelände gehalten. Aber ein Ausgangsverbot kann rechtlich nicht umgesetzt werden, wie Dubach einräumt. Zwar ist den Klientinnen und Klienten die Gefahr durch eine Infizierung mit dem Coronavirus durch die Leitung der Spitalhygiene des Spitals Muri, Petra Handler, vor den offiziellen Weisungen durch das BAG in einer Informationsveranstaltung bewusst gemacht worden und Murimoos lässt die Klientinnen und Klienten unterschreiben, dass sie die Situation kennen und in ihrem Verhalten berücksichtigen. Wer aber einer Sucht verfallen ist, kann nicht einfach zu Hause bleiben und das Verhalten von heute auf morgen ändern. «Wir fahren jeweils am Nachmittag durch Muri und bringen Leute, die unterwegs sind, wieder zurück respektive weisen sie auf die Einhaltung der Regeln hin.» Auch können Murimoos-Klienten eine Einkaufsliste abgeben, deren Artikel ihnen dann aufs Zimmer geliefert wird – ausgenommen selbstverständlich Suchtmittel.

Abwechslung in den Alltag bringen

Auch sonst versucht Murimoos, den Alltag ihrer Klienten so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten, etwa mit zusätzlichen Freizeitangeboten oder Arbeitsangeboten, die auf dem eigenen Zimmer gefertigt werden können. Auch diesbezüglich sind die Zivilschützer eine willkommene Unterstützung. «Sie finden einen guten Draht zu unseren Klienten und machen ihnen allein schon durch ihre Anwesenheit den Ernst der Lage klar», lobt Dubach. Die Zivilschützer stehen unter anderem im Einsatz zur Einhaltung der Distanzen zwischen den Klienten, bei der Essensausgabe oder bei der Desinfektion von Gegenständen. Sollte der Fall der Fälle eintreffen und das Coronavirus auch im Murimoos ankommen– «und daran zweifle ich nicht» – hofft die Leitung, dass zusätzlich Sanitätssoldaten im ehemaligen Direktorenhaus zum Einsatz kommen. Das Gesuch dazu ist beim Kanton deponiert.

Das Direktorenhaus steht idealerweise ziemlich isoliert auf dem Murimoos-Gelände, der angrenzende Spielplatz ist schon längst geschlossen.

Biomarkt und Metzgerei bleiben mit den üblichen Sicherheitsmassnahmen geöffnet. «In den letzten zwei Wochen stellten wir eine wesentlich erhöhte Nachfrage nach Lebensmitteln fest», sagt Dubach, «jetzt beginnt sich der Umsatz zu normalisieren». Sehr früh wurden die Kundenbewegungen kanalisiert, die bestehende Tür zur Metzgerei wurde kurzerhand mit einem automatischen Öffnungs- und Schliessmechanismus ausgerüstet. Damit können die Kunden die beiden Verkaufsläden kontaktlos betreten. Zu den finanziellen Auswirkungen der Krise auf die Institution, die in normalen Zeiten mit ihren Gewerbebetrieben und der Spielgeräteproduktion wesentlich zu den Einkünften selber beiträgt, kann Dubach zum heutigen Zeitpunkt noch nichts sagen. Sicher ist nur, dass die angespannte Finanzlage noch angespannter werden wird.