MUSIK: Eine Zuger Band auf freier Fahrt

2012 haben Stuck in Traffic überraschend den Talentwettbewerb Sprungfeder gewonnen. Jetzt fährt das Rock-Quartett mit einem Bus nach Sarajevo.

Natalia Widla
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Sie nehmen ihr erstes Album auf (von links): Dino Sabanovic, Fernando Schnellmann, Andreas Schwendener und Lionel Hausheer. (Bild: Christian Hildebrand / Neue ZZ)

Sie nehmen ihr erstes Album auf (von links): Dino Sabanovic, Fernando Schnellmann, Andreas Schwendener und Lionel Hausheer. (Bild: Christian Hildebrand / Neue ZZ)

Das erste Album: Ein Stück greifbares Musikschaffen, in unzähligen Stunden erarbeitet, konzentriert und auf einen Datenträger gebannt. Jede Band wird sich wohl noch an den Moment erinnern können, das Debüt-Album zum ersten Mal in den Händen gehalten zu haben. Für die vier Musiker der Zuger Band Stuck in Traffic rückt dieser denkwürdige Moment täglich näher, denn schon bald werden sie im Studio stehen und ihr erstes Album aufnehmen. Passieren wird das Ganze aber nicht in Zug oder irgendwo in der Schweiz, denn für ihren «Erstling» nehmen Stuck in Trafic am 28. Juni eine 14-stündige Fahrt quer durch Europa auf sich: Mitten in Sarajevo werden die vier zusammen mit Produzent Mahir Sarihodzic, im ex-jugoslawischen Raum eine namhafte Musikgrösse, während zweier Wochen im Studio stehen.

Der Schulfreund des Vaters

Stuck in Traffic, das sind die vier Zuger Dino Sabanovic (Gitarre und Vocals), Lionel Hausheer (Drumms), Andreas Schwendener (Gitarre) und Fernando Schnellmann (Bass). Nur wenige Wochen nach der offiziellen Bandgründung im Winter 2012 gewannen die vier als erste Zuger Musiker überhaupt den Talentwettbewerb Sprungfeder. Über dreissig Konzerte in der gesamten Zentralschweiz hat Stuck in Traffic seither gegeben. Die Einnahmen von diesen bilden, zusammen mit dem Förderpreis der Sprungfeder, die finanzielle Grundlage für das erste Album. Einen Teil der Kosten konnte die Band zudem dank begeisterter Investoren über ein Online- Crowdfunding decken.

Das Erfolgsrezept jedoch, wenn es darum geht, sich als junge, selbstständige Band einen Namen zu machen, lautet Connections. Egal, ob es um die Miete des Tourbusses, das Erstellen einer professionellen Webpage oder eben um die Zusammenarbeit mit einem grossen Produzenten geht: Kontakte und Freundschaften haben den vier schon so manchen Weg geebnet.

Der Produzent Mahir Sarihodzic ist ein alter Schulfreund von Dinos Onkel und liess sich schnell von dem Projekt überzeugen: «Ich konnte mich vorab einmal mit Sarihodzic treffen», erzählt Dino: «Er freut sich und findet es spannend, mit einer jungen Schweizer Band zusammenzuarbeiten.» 14 Tage lang werden die Bandmitglieder im Studio alles geben, um die zehn geplanten Songs in Perfektion aufzunehmen: «In der Schweiz besteht oft die Möglichkeit, über längere Zeit hinweg nur an den Wochenenden zu produzieren. Wir ziehen es aber vor, uns für zwei Wochen komplett auf das Projekt einzulassen, in der Musik zu versinken und erst wieder aufzutauchen, wenn wir etwas Gutes hervorgebracht haben», erklärt Lionel. Trotz straffem Zeitplan im Studio: Stuck in Traffic wird es sich nicht nehmen lassen, auch während der Produktionszeit zwei Konzerte zu spielen: Eines in Sarajevo selbst und eines im 125 Kilometer südwestlich gelegenen Mostar.

Film als Nebenprodukt

Die Reise gegen Osten treten die Vier nicht alleine an: Ein dreiköpfiges Filmteam wird sie begleiten: «Auch wenn er später auf der CD zu finden sein wird, soll das keineswegs ein Film über uns werden, sondern über eine junge Band, die ihr erstes Album aufnimmt, über die Reise, die Stadt. Eigentlich ist dieser Film ein unabhängiges Projekt für sich, keiner kann jetzt genau sagen, was sich am Ende daraus ergeben wird.»

Am 28. Juni mitten in der Nacht soll die Reise beginnen. Mit intensiven Proben und viel Planung hat sich die Band vorbereitet: «Das Schlimmste, was passieren könnte, ist, dass unser Tourbus unterwegs geklaut wird», sagt der Sänger und Gitarrist Dino Sabanovic. Angst, dass es zu Unstimmigkeiten oder Produktivitätsblockaden in der Gruppe kommen könnte, hat die Band nicht: «Wenn wir uns streiten, dann sind es immer produktive Konflikte», sagt ein zuversichtlicher Lionel, «ausserdem stehen wir alle mit ganzem Herzen hinter dem Projekt.»