Zuger Rockband mit neuem Album: «Musik ist Droge, Heilkraft, Atmen und Leben»

Die Zuger Rockband Humanoids hat kürzlich ihr neustes Album «Could you love to loose?» online publiziert.

Cornelia Bisch
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Die eigentliche Album-Taufe fand bereits am 18. Januar an einem Konzert von Humanoids in der Galvanik Zug statt.

Die eigentliche Album-Taufe fand bereits am 18. Januar an einem Konzert von Humanoids in der Galvanik Zug statt.

Bild: PD

Als «Psychedelic Rock» bezeichnete der SRF-Radiomoderator Dominic Dillier die Musik der Zuger Band Humanoids am letzten Mittwoch in seiner Sendung Rock Spezial. «Das trifft es ziemlich genau», findet Gitarrist Aldo Caviezel. Die vier neuen Songs, die als EP-Album unter dem Titel «Could you love to loose?» am letzten Freitag auf allen Download-Portalen aufgeschaltet wurden, gehen ans Herz. Es ist ehrlicher, rauer, geerdeter Rock, vielschichtig, tiefgründig und stellenweise fast meditativ. Musik, die gleichzeitig entspannt und anregt, Musik, die guttut.

«Wir lassen uns nicht reinreden. Unsere Musik, das sind wir», so die schlichte Aussage des Sängers Philipp Muchenberger in der Radiosendung. Er schreibt sämtliche Songtexte und spielt Keyboard und Orgel. Neben Gitarrist Aldo Caviezel sind auch Marc Schweiger (Bass) und Erich Güntensperger (Schlagzeug) mit von der Partie. Allesamt sind sie um die 50 Jahre alt und spielen in dieser Formation bereits seit 20 Jahren zusammen. «Could you love to loose?» ist das fünfte Album der Band. Zum ersten Mal wird es jedoch nicht physisch als CD oder Vinylplatte herauszugeben, sondern lediglich online publiziert.

Sie wollen sich international positionieren

«Wir arbeiten zwar auf professionellem Niveau, leben aber nicht davon», erklärt Caviezel. «Deshalb sind wir nicht auf Einnahmen angewiesen.» Es gehe der Band vor allem darum, dass ihre Musik gehört werde. «Es ist für uns eine Chance, uns international zu positionieren», ergänzt Erich Güntensperger. Die Rechnung geht offensichtlich auf. Allein auf der Plattform Spotify war das Album bis Freitag Mittag fast 30000 Mal gehört oder heruntergeladen worden. «Ebenfalls erstaunlich ist, dass es mehr Interessenten aus Deutschland, den Niederlanden und den USA gibt als aus der Schweiz», stellt Caviezel fest. Auch Angebote aus dem Ausland habe es schon einige gegeben. «Wir haben aber alle Familie und Jobs und können deshalb nicht wochenlang auf Tour gehen.» Geplant ist jedoch eine Konzertreihe durch die Schweiz ab kommendem Herbst.

In Bearbeitung ist ausserdem ein Videoclip, der von den beiden Zuger Filmern und Videokünstlern Tom Gibbones und Lukas Meier produziert wird. Der Clip sollten im kommenden Sommer oder Herbst herauskommen.

Philosophische Texte

Das neue Album sei aufs Maximum reduziert, sagt der Gitarrist kryptisch und erklärt: «Wir haben die Songs live aber ohne Publikum in der Galvanik Zug aufgenommen, ganz bewusst ohne Einspielung von Streichern, Chören oder anderen Zusätzen.» Es seien sozialkritische und ein wenig philosophische Songtexte. «Der Titel des Albums fragt danach, ob man es sich vorstellen könnte, zu verlieren, einen Schritt zurückzugehen, zu verzichten.» Die reduzierte Form der Aufnahmen bilde den entsprechenden äusseren Rahmen zu den Textinhalten. «Wir machen grundsätzlich keine politischen oder religiösen Aussagen. Es ist das Leben, das uns umtreibt, der tägliche Irrsinn der menschlichen Psyche.» Auch der Name der Band Humanoids – übersetzt menschenähnlich – symbolisiert diese Botschaft.

Gesungen wird ausschliesslich englisch. «Es ist eine sehr musikalische Sprache», legt Güntensperger dar. Ausserdem sei sie einfacher, niederschwelliger als die deutsche. Die Band habe nie das Bedürfnis verspürt, in einer anderen Sprache zu singen. Bei Humanoids gibt es keinen einzelnen Komponisten. «Wir entwickeln die Musik gemeinsam», so Güntensperger. «Jemand bringt eine Idee, das Fragment einer Melodie in die Probe. Und dann üben und jamen wir, bis etwas entsteht, das uns allen gefällt.» Es sei eine sehr schöne Art der Zusammenarbeit, sind sich die beiden einig. «Es kann aber auch mühsam und anstrengend sein», räumt Caviezel ein. Die Entstehung mancher Songs nehme zwei Jahre in Anspruch, andere seien in zwei Monaten fertiggestellt. «Wir lassen uns Zeit, das ist gut so.»

Keine Vorhersehbarkeit

Ist ein Song einmal komponiert, muss er auch noch arrangiert werden. «Dabei sind wir richtige Pedanten», gibt Caviezel zu. «Wir hinterfragen unsere Arbeit immer wieder, brechen mit Konventionen, gehen spielerisch um mit Erwartungen. Wir wollen keine vorhersehbaren Regelmässigkeiten mit Strophen und Refrains.» Erst das Arrangement sorge für Überraschungen, setze besondere Akzente und Höhepunkte.

«Deshalb schaffen wir es auch nie, die Songs kurz zu halten», beklagt sich Güntensperger mit einem Augenzwinkern. Als Schlagzeuglehrer ist er der einzige der Truppe, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat. «Ich liebe die Musik», sagt er überzeugt. «Sie hat etwas Universelles, ist Droge, Heilkraft, Atmen und Leben für mich.» Aldo Caviezel nickt und ergänzt: «Wir Menschen leben im Rhythmus des Herzens, der Organe, der Sprache. Wir sind Musik.»

Das Album Could you love to loose? der Zuger Rockband Humanoids lässt sich über sämtliche Download-Portale herunterladen. Weitere Infos unter  www.humanoids.ch