Musik
Vo Luzern gäge Wäggis zue – überraschende Zugabe mit Kirchenorgel und Trompete

Derzeit sind die 40. internationalen Orgeltage im Kanton Zug in vollem Gang. Einmal mehr kommen Musikliebhaber auf ihre Kosten; vor allem, wenn helvetisches Liedgut neu interpretiert wird.

Haymo Empl
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Die Kirche nicht nur als Gotteshaus, sondern als Refugium wunderbarer Klänge. So gesehen und insbesondere gehört am Sonntagabend in der Pfarrkirche St.Johannes in Menzingen. Dort trompetete Roman Gryń. An der Orgel begeisterte Bogdan Narloch. Beide aus Polen, beide taten das mit viel Freude und grossem Talent.

Zum 40. Mal bereits finden die Internationalen Zuger Orgeltage statt (noch bis 22. Juni) und wieder hat sich das Team rund um Olivier Eisenmann – er hat die künstlerische Leitung inne – mächtig ins Zeug gelegt.

Die Orgeltage starteten furios und zeigen gemäss liebevoll gestaltetem Programmheft auch keine Durststrecken. Jeder einzelne «Orgeltag» ist ein akustischer Leckerbissen für sich, der «Spirit» hinter dem Programm ist und war jederzeit spürbar. So also auch am Sonntag, 15. Mai. Man kann sich kaum vorstellen, wie viel Arbeit hinter diesem «Event» steckt. Nicht nur die Programmation, auch die Organisation muss unzählige Wochen in Anspruch genommen haben.

Organist Bogdan Narloch (rechts) und Roman Gryn (Trompete, Flügelhorn) spielen in der Pfarrkirche Menzingen im Rahmen der Zuger Orgeltage.

Organist Bogdan Narloch (rechts) und Roman Gryn (Trompete, Flügelhorn) spielen in der Pfarrkirche Menzingen im Rahmen der Zuger Orgeltage.

Bild: Matthias Jurt (Menzingen, 15. Mai 2022)

Aber der Reihe nach: Als Auftakt stand Jeremiah Clarke auf dem Programm. «The Prince of Denmark’s March» war nicht nur glanzvoll, sondern in der Version am Sonntagabend auch äusserst berührend. Bereits hier zeigte sich nach wenigen Minuten das Talent der Musiker.

Intime Orgel

Bei Orgelkonzerten ist es ja so eine Sache: Man ist sich mittlerweile gewohnt, dass bei einem Konzert nicht nur eine akustische Stimulation erfolgt, sondern auch eine visuelle. Dies fällt bei der Kirchenorgel naturgemäss weg, denn diese befindet sich hinter dem Zuhörer.

Dadurch fehlt eine Ablenkung, und man konzentriert sich unweigerlich komplett auf die Musik. Jeder Fehler, jeder falsche Ton ist sofort wahrnehmbar, und während sich pompöse Orchester hinter dem Glanz der Instrumente verstecken können, ist ein Orgelkonzert unglaublich intim.

Eine Herausforderung, die Bogdan Narloch bravourös meisterte. Charmant: Roman Gryń wagte sich auf die Kanzel und trompetete von ebendieser. Das sorgte nicht nur für akustische Stimulation, sondern auch für eine visuelle; wenn Bogdan mit seinem Instrument brillierte, war das ein Genuss für alle Sinne.

Natürlich durften auch die «grossen» Komponisten nicht fehlen. Johann Sebastian Bach war am Sonntagabend vertreten, natürlich auch Chopin (Etüde E-Dur, op. 10 Nr. 3) und dann – ja dann wurde es wirklich spannend! Denn auch die «jungen» Komponisten (beispielsweise Marek Czerniewicz, Jahrgang 1974) faszinierten mit eigenwilligen Kompositionen und begeisterten durch die Umsetzung der beiden Stars an den Instrumenten.

Vo Luzern gäge…

Bleiben wir bei diesen jungen Komponisten; die 40. Internationalen Orgeltage boten mit Denis Bédard (Variations sur Christus Vincit) einen gelungenen Abschluss in Menzingen.

Fast.

Das eigentliche Highlight war indes die Zugabe: Das Publikum zeigte sich nach gut einer Stunde Konzert derart begeistert, dass es die Leistung der Musiker mit Standing Ovations honorierte. Diese zeigten sich kreativ und sehr helvetisch: Man spielte – und das war wirklich ein musikalischer Leckerbissen – «Vo Luzern gäge Wäggis zue» als Zugabe.

«Vo Luzern gäge Wäggis zue, ol-la-di-ho, hol-la-di-ho, brucht me weder Strümpf noch Schueh.» Auf der Kirchenorgel! Mit Blasinstrument! Von polnischen Musikern gespielt! Das war nicht nur mutig, sondern schlicht grandios. Und schon alleine aus diesem Grund lohnt es sich, wenn man sich hin und wieder auf das Abenteuer «Internationale Orgeltage» einlässt. Man wird bei jedem einzelnen Konzert mit einer akustischen Wunderreise auf höchstem Niveau belohnt.

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