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Verhandlung am Zuger Strafgericht: War es nun eine «Meth-Küche» oder nicht?

Viel Aufhebens um zweimal leichtes Verschulden: Der mutmassliche Crystal-Meth-Koch von Oberägeri und seine 
mutmassliche Gehilfin standen am Dienstag vor dem Gericht. Ein ganzer Prozesstag mit vielen Worten und gegenseitigen Anschuldigungen.
Andreas Faessler
Das Zuger Strafgericht befasst sich mit dem mutmasslichen Meth-Koch und seinem Komplizen. (Bild: Werner Schelbert)

Das Zuger Strafgericht befasst sich mit dem mutmasslichen Meth-Koch und seinem Komplizen. (Bild: Werner Schelbert)

Bereits die initiale Medienmitteilung im Frühling 2018 klang nach einem sensationellen Coup, welcher der Zuger Polizei gelungen war: Im beschaulichen Oberägeri wurde ein potenzielles Drogenlabor ausgehoben. Seither wiederholten sich die vollmundigen Zeitungsberichte über den beschuldigten Betreiber des Labors Carl Vevle, ein gebürtiger Norweger, der seit 2009 in der Schweiz im Finanzbereich tätig und wegen eines Zerwürfnisses mit seinem letzten Arbeitgeber in eine existenzielle Schieflage geraten war. Durch eine Verkettung von Zufällen kam es zu einer Hausdurchsuchung beim Beschuldigten, wobei die Beamten auf eine stattliche Laboreinrichtung und eine grosse Menge an Chemikalien stiessen.

Auch wurde ein mutmasslicher Gehilfe Vevles dingfest gemacht. Der gebürtige Thailänder, welcher sich mittlerweile offiziell als Frau identifiziert, soll Vevle gemäss Anklageschrift beim Aufbau des Labors und auch bei der Herstellung von Drogen behilflich gewesen sein. Die beiden hatten sich im Genfer Milieu kennengelernt und pflegten demnach ein Verhältnis. Gemeinsam bauten sie das Labor im Oberägerer Haus auf, um unter anderem Vorläuferprodukte für die Designerdroge Crystal Meth und schliesslich auch die Droge selbst herzustellen, so der Vorwurf.

Drogenverkauf als
 «letzter Ausweg»

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, Vevle hätte beabsichtigt, in seinem selbst gebauten Labor die Droge in grösseren Mengen herzustellen, um sie dann zu verkaufen. Mit dem Ziel, sich so in seiner finanziellen Misslage selbst auszuhelfen. Die Thailänderin bezichtigt die Staatsanwaltschaft der Mittäterschaft. So habe sie dank ihrem Draht ins Milieu Vevle potenzielle Abnehmer für das produzierte Crystal Meth verschaffen sollen.

Beide Angeklagten, die ihr Verhältnis spätestens im November 2017 beendet haben und an der Verhandlung jeweils mit einer Dolmetscherin vor Gericht erscheinen, weisen die Vorwürfe vehement zurück und schieben sich in der Anhörung gegenseitig Verantwortungen zu. Carl Vevle betont wiederholt, dass er das Labor aus reinem Interesse an der Wissenschaft aufgebaut hatte – er hat tatsächlich Chemie studiert, wenn auch nicht abgeschlossen. Warum sollte er mit so viel Aufwand eine so kühne Einrichtung aufbauen, wo Crystal Meth an sich ganz einfach mit wenig Utensilien herzustellen sei? Das Labor habe ihm einzig zum Tüfteln und Experimentieren gedient. Dass er eine kleine Menge Crystal Meth für den Eigengebrauch hergestellt hat, räumt er ein, betont aber, dass es sich um minderwertigen Stoff gehandelt habe, der sich niemals zum Verkauf geeignet hätte.

Maximal 40 Gramm
 Crystal Meth

Lange Rede, kurzer Sinn: Der Angeklagte Vevle und seine Verteidigung sind der Ansicht, dass die Staatsanwaltschaft ihn als «Meth-Koch des Jahrhunderts» darzustellen versucht und sich im Zuge dessen darauf einschiesst, was Vevle hätte herstellen können – und nicht, was er wirklich hergestellt hat. Denn in der Tat hat er zum Zeitpunkt der Aufdeckung lediglich maximal 40 Gramm Crystal Meth produziert. Alles andere waren bisher lediglich rechtlich weniger problematische Vorläuferstoffe. Mit seinem Hobbylabor habe er nie im Sinn gehabt, Drogen für den Handel herzustellen, betont Vevle wiederholt.

Viel wortkarger gibt sich seine damalige «Gehilfin», deren Verteidigung drauf pocht, dass alles Vevles Idee war, zumal die Mandantin weder eine Ahnung von Chemie habe noch wusste, dass Vevle in seinem Labor Vorläuferstoffe für Crystal Meth produziert. Dass sie ihm ab und zu Drogen aus dem Milieu mitgebracht habe, stimme, aber nur in geringen Mengen. Die Verteidigungen beider Parteien werfen dem Staatsanwalt vor, sich allein auf die Aussagen der Angeklagten zu berufen und sich so ein fixes Bild zu machen, wie es gewesen sein muss. Für Vevle hat der Staatsanwalt einen «Schneeball zu einer Lawine» werden lassen. «Als Mensch mit Verstand brauche ich meine Probleme nicht mit Drogen zu lösen», betont Carl Vevle abschliessend.

Auch die Thailänderin beteuert zum Schluss, dass sie nie die Absicht gehabt habe, mit der Herstellung von Drogen zu tun zu haben. Und sie möchte in der Schweiz bleiben. Denn ihr wie auch Carl Vevle droht der Landesverweis, wenn dem Antrag des Staatsanwaltes stattgegeben wird. Für beide fordert er abgesehen davon je eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten, davon 18 Monate in bedingtem Vollzug, bei einer Probezeit von drei Jahren.

Die Verteidigung beider Angeklagten plädiert auf Freispruch in den Hauptpunkten und findet einen Landesverweis in beiden Fällen unverhältnismässig. Ob das private Hobbylabor im Hause Carl Vevles nun als eine Drogenküche mit entsprechendem Potenzial anzusehen ist, darüber wird das Gericht am Dienstag, 21. Mai, entscheiden.

Immerhin hat diese Einrichtung eines Hobbychemikers den Zweck erfüllt, eine im Grunde mässig spektakuläre Sache zu einem scheinbar grossen Coup hochzukochen, zumal selbst die Staatsanwaltschaft in beiden Fällen lediglich von «leichtem Verschulden» spricht.

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