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Mütter sind im Homeoffice besonders belastet

Der letzte Vortrag einer Veranstaltungsreihe widmete sich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Für das Forum Kirche und Wirtschaft: Martin Platter
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Die Fachstellenleiter flankiert von den engagierten Referentinnen; von links: Julia Cebreros, Barbara Hochstrasser, Muriel Urechs Tsamis, Thomas Hausheer, Christoph Balmer, Moderatorin Helene Aecherli, Vroni Straub-Müller und Jutta Rump.

Die Fachstellenleiter flankiert von den engagierten Referentinnen; von links: Julia Cebreros, Barbara Hochstrasser, Muriel Urechs Tsamis, Thomas Hausheer, Christoph Balmer, Moderatorin Helene Aecherli, Vroni Straub-Müller und Jutta Rump.

Bild: Martin Platter

Für einmal eröffnete Karl Huwyler, Präsident der Vereinigung der katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zug, den Abend vom 20. Oktober im Kappeler Gemeindesaal. Es war die letzte Veranstaltung im Rahmen der Vortragsreihe «Wirtschaft und Werte» des Zuger Forums «Kirche und Wirtschaft» unter der Leitung von Christoph Balmer, der den Anlass vor elf Jahren ins Leben gerufen hatte. Huwyler richtete seinen Dank an Balmer und begrüsste dessen Nachfolger Thomas Hausheer.

Das Input-Referat hielt Jutta Rump. Dabei sparte die Professorin für allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule in Ludwigshafen nicht mit Kritik an der belastenden Berufs- und Familiensituation vieler berufstätiger Eltern, die das Coronaregime noch akzentuiert hat. Die Einschränkungen haben aber auch alte Denk- und Verhaltensmuster aufgebrochen. Neue Organisationsformen, die Agilität, Mobilität und Flexibilität von den Beteiligten voraussetzen, hielten Einzug ins Erwerbsleben und beeinflussten auch das Familienleben. Die stationäre Zusammenarbeit wird ergänzt durch hybride und virtuelle Zusammenarbeitsformen.

Die Ideen seien an sich nicht neu. Doch die Coronakrise habe wie ein Brandbeschleuniger zu Gunsten der Digitalisierung gewirkt. Die virtuelle Zusammenarbeit sei plötzlich zur Pflicht geworden und nicht wie bisher die stationäre.

Flexibel bleiben – aber nicht aus der Balance geraten

Rump glaubt, dass sich in Zukunft hybride Arbeitsformen durchsetzen werden, eine Mischung zwischen stationärer und virtueller Zusammenarbeit. Sie sagte: «Die Unternehmen müssen dieser Entwicklung Rechnung tragen und sollten auch noch mehr auf die Bedürfnisse der Angestellten eingehen, wollen sie keinen Fachkräftemangel riskieren.» Das bedinge jedoch, dass die Berufstätigen auch geistig in Bewegung bleiben und sich auf ein lebenslanges Lernen einstellen können. Dabei gelte es, die Balance nicht zu verlieren, denn die laufende Veränderung werde zum Normalzustand.

In der anschliessenden Gesprächsrunde mit der Psychiaterin und Burn-out-Spezialistin Barbara Hochstrasser, der Marketingfachfrau, Bloggerin und Mutter Muriel Urechs Tsamis aus Zug, der Unternehmerin und Mutter Julia Cebreros sowie der Zuger Schulpräsidentin, Mutter und frühere Hebamme, Vroni Straub-Müller, stellte sich auch Rump den Fragen von Moderatorin Helene Aecherli. Man war sich einig, dass das ewige Dilemma auch nach Corona anhalten wird und Mütter dabei besonders gefordert sind. Die Coronamassnahmen haben die Situation noch verschärft, was sich gemäss Hochstrasser in der steigenden Anzahl Mütter mit Burn-out-Symptomen manifestiert. Denn im Spannungsfeld zwischen Familienbetreuung, Homeschooling und beruflicher Arbeit haben Frauen während der Lockdowns zu Hause die Hauptarbeit geleistet.

Belastung der arbeitenden Mütter hat zugenommen

Muriel Urechs Tsamis bestätigte: «Die Belastung bei arbeitenden Müttern hat markant zugenommen. Die Arbeitszeiten stiegen ins Unermessliche. Besonders belastend ist die Situation, wenn das Zusammenleben auf engem Raum – in kleinen Wohnungen – stattfindet.» Julia Cebreros hatte als Mitgründerin der Tatah AG in Zürich Anfang 2020 einen Co-Working-Space mit Kinderbetreuung eröffnet, um auch anderen Eltern die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen. Während des Lockdowns mussten die Räume jedoch schliessen. «Ich habe dann tagsüber unsere Kinder betreut und nachts gearbeitet», erklärte Cebreros. Das habe sie komplett ausgelaugt, zumal sie während dieser Zeit noch gestillt hat und der Mann tagsüber ebenfalls zu Hause gearbeitet hat, viel am Telefon. Es musste deshalb ruhig sein in der Wohnung. Rump ergänzte: «In zahlreichen Interviews, die wir in den letzten Monaten mit berufstätigen Frauen geführt haben, bestätigten, dass viele Frauen während des Lockdowns nur drei bis vier Stunden pro Nacht geschlafen haben.»

Die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau habe mit Corona einen argen Rückschlag erlitten. Vroni Straub-Müller hat festgestellt, dass die Kleinkinderbetreuung in Zug mit Corona deutlich weniger beansprucht wurde. Bei den Schulangeboten hat man jedoch eine Erhöhung der Nachfrage festgestellt.

Teilzeitarbeit ist bei vielen Unternehmen unpopulär

Julia Cebreros berichtete von einer Studie, die sie zur Vereinbarkeit von Arbeit und Familie erarbeitet hat. Dazu wurden 50 Unternehmen befragt. Das Resultat sei eher ernüchternd. Die Unternehmen hätten lieber 70- bis 80-Prozent-Pensen, als weniger. In den Kaderpositionen ist Teilzeit nur selten möglich. Teilzeitarbeit ist wohl in vielen Unternehmen möglich, wird gegenüber den Arbeitnehmenden aber nicht aktiv kommuniziert. Cebreros vermutet, dass bessere politische Rahmenbedingungen helfen könnten, um der Teilzeitarbeit in der Arbeitswelt mehr Schwung zu verleihen.

Man war sich einig: Die Rollenbilder in den Köpfen der Menschen müssen verändert werden. Und: Frauen müssen aktiv an der Rollenauflösung arbeiten. Die Gesellschaft müsse erkennen, dass die Vereinbarkeit zwischen Arbeit und Familie kein Karrierekiller sein dürfe.

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