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«MyShuttle» Projekt in Zug hat Verspätung: Doch jetzt kann die Bevölkerung endlich mitfahren

Das Pilotprojekt mit dem selbstfahrenden Minibus «MyShuttle» im Kanton Zug hat eine weitere Etappe erreicht: Die Öffentlichkeit kann im Rahmen eines Tests für einen Monat mitfahren. Ende Jahr wird das Projekt abgeschlossen.
Marco Morosoli
Der selbstfahrende Minibus in der Stadt Zug. (Bild: SBB)

Der selbstfahrende Minibus in der Stadt Zug. (Bild: SBB)

Monatelang haben die Zuger immer wieder eine übergrosse rote Box mit vier Rädern rund ums Metalli-Einkaufszentrum bemerkt. Ab 10. Septemberhat die Bevölkerung die Möglichkeit, das «MyShuttle» gratis zu testen.

Eine Fahrt mit Zukunft

Der Bus ohne Fahrer verkehrt in der Stadt Zug auf der Strecke zwischen dem Metalli-Einkaufszentrum und dem Gelände der V-Zug an der Industriestrasse. Pro Fahrt, die auf der vorerwähnten Strecke knapp acht Minuten dauert, können sieben Personen einsteigen. Die Mitfahrt ist gratis. Die Betriebszeiten sind beschränkt, und zwar werktags von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr. Auf Fahrten während des Berufsverkehrs am Morgen und am Abend verzichten die Promotoren des führerlosen Busses bewusst (siehe auch online unter myshuttle.sbb.ch). Die Aktion soll rund einen Monat dauern.
Der Kleinbus in SBB-Farben stammt von der Firma Easymile, welche ihren Hauptsitz in Toulouse hat. Die Sonderbewilligung des Amts für Strassen (Astra) lässt eine Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern zu. Das Zuger Modell ist aber derzeit (noch) nicht so schnell unterwegs. Die Kosten für das Projekt haben die SBB im März 2017 auf 2,7 Millionen Franken beziffert. (mo)

Dies hat am 9. September Martin Küchler bei einer Pressefahrt mit dem führerlosen Bus verkündet. Er ist Leiter Projekte bei den Zugerland Verkehrsbetrieben (ZVB). Bei diesem Mobilitätsprojekt der Zukunft haben die SBB die Führungsrolle. Weitere Projektpartner sind der Technologiecluster Zug, die Firma Mobility sowie die Stadt Zug. Ohne das Zutun der ZVB wäre der Minibus jedoch heute kaum mit einer Bewilligung auf den Zuger Strassen unterwegs. Anfang März 2017 hatte SBB-CEO Andreas Meyer bei einer viel beachteten Veranstaltung auf dem Vorplatz des Bahnhofs Zug erklärt: «Wir wollen etwas zu Stande bringen, das es noch nicht gibt.» Meyer hat einen Tür-zu-Tür-Service für SBB-Kunden im Kopf. In ein paar Monaten, so war damals zu hören, sollte das mit Batterien betriebene Gefährt auf den Zuger Strassen fahren. Der Fahrplan für die Umsetzung dieser Pionierarbeit war aber viel zu optimistisch getaktet.

Auf der Strasse ist er nicht der Schnellste

Aufmerksame Zuger haben den roten Bus zwar ab und an gesehen, aber mehr ist da nicht gewesen. Gestern jedoch hat die ZVB die Karten aufgedeckt. ZVB-Mann Martin Küchler sagt: «Das Projektziel war wirklich zu optimistisch.» Jetzt steht die Versuchsleitung an einem entscheidenden Punkt: Wie beurteilt die Kundschaft die Fahrten mit dem «Myshuttle»? Im Sommer hat der führerlose Bus Mitarbeiter der V-Zug von ihrem Fabrikgelände ins Metalli-Zentrum gebracht. Ihr Urteil: Das Interesse an dieser Fortbewegungsart ist zwar gross, es wird aber durchwegs die gefahrene Geschwindigkeit bemängelt. Der Bus bekommt sicher keine Busse wegen zu schnellen Fahrens. Das zeigt sich bei der Probefahrt auf der Industriestrasse. Viele Autos überholen den elektrischen Minibus. Als ein Lieferwagen etwas gar nahe am Minibus vorbeifährt, stoppt dieser abrupt. Spätestens jetzt weiss der Fahrgast, dass es angezeigt ist, zu sitzen oder aber sich an einer der Stangen im Fahrgastraum festzuhalten, wie einem vorher die ZVB-Pressesprecherin Karin Fröhlich geraten hat. Der rote Bus benötigt für die Strecke zwischen dem Metalli-Zentrum in Zug und dem Technology-Cluster an der Industriestrasse rund acht Minuten. Jede Haltestelle auf dem Weg wird angefahren. Das ist wie einiges in diesem autonomen System programmierbar.

Die Tücken liegen wie fast immer im Detail

Bei jeder Softwareanpassung muss ein Spezialist kommen. Das Prinzip erklärt Martin Küchler so: «Der Bus folgt einem virtuellen Gleis.» Gibt es temporäre Baustellen oder hängen Äste zu tief, ist das Gefährt aber bereits überfordert. «Der Fahrcomputer sieht auch nicht, ob ein Signal grün oder rot ist. Er stoppt jedoch, wenn Fussgänger über den Zebrastreifen laufen», bemerkt Küchler noch. Mühe hat der rote Bus zudem mit äusseren Einflüssen wie Wind, Regen und Schnee – damit ist er ein Sonntagsfahrer. Der richtige Stresstest kommt nun aber beim heute startenden Testlauf mit Passagieren. Ein speziell geschulter ZVB-Fahrer ist bei den Gratistransporten mit an Bord. Dieser Testlauf ist für Martin Küchler, ZVB-Leiter Projekte, ein weiterer Höhepunkt vor dem Auslaufen der Projektphase Ende Dezember mit einem Schlussbericht. Martin Küchler sagt klipp und klar: «Wir wollen wissen, was der Bus kann und wo seine Grenzen sind.»

Kunden testen den Shuttle-Bus (7.8.2019):

Stadt Zug: Selbstfahrender Shuttle-Bus im Test (26.3.2018):

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