Ein Chamer will seinen Vater nach 1961 erneut ans Eidgenössische schicken

Walter Kälin hat für Schwingfest-Tickets bereits an über 50 Wettbewerben teilgenommen – vergeblich. Nun soll es endlich klappen.

Laura Sibold
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Walter Kälin junior will seinem Vater einen Traum erfüllen. (Bild: PD)

Walter Kälin junior will seinem Vater einen Traum erfüllen. (Bild: PD)

Er habe alles versucht, um an Tickets für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (Esaf) in Zug zu gelangen; sich für den regulären Ticketverkauf beworben und an insgesamt 54 Wettbewerben teilgenommen. Dies schrieb Walter Kälin unserer Zeitung im Rahmen seiner 55. Wettbewerbsteilnahme für Esaf-Tickets. Beim Wettbewerb der Luzerner Zeitung und ihrer Regionalausgaben reichte er wie viele andere ein Bild von sich mit einem Plakat ein, auf dem der Grund steht, weshalb der Chamer sich Eintritte für das Eidgenössische wünscht. «Um meinem tollen Vater (86) Freude zu schenken! Er hat am letzten Esaf in Zug 1961 in meinem Geburtsjahr seine Schwinger-Karriere beendet», steht auf Walter Kälins Plakat.

Am Telefon zeigt sich Kälin junior überrascht, gibt aber gerne Auskunft. Zuerst wollte er Billette für das Esaf kaufen und bewarb sich auf eines der 4000 Tickets, die das Schwingfest-OK aufgrund der enormen Nachfrage im Rahmen einer Verlosung verkaufte. «Da hatte ich Pech und beschloss, an möglichst vielen Wettbewerben mitzumachen.»

Vor über 50 Jahren schwang er in Zug mit

Besonders die Ramseier-Wettbewerbe, bei welchen man mittels Code im Deckel Schwingfest-Tickets gewinnen konnte, hatten es dem 58-Jährigen, der in Cham als Seklehrer tätig ist, angetan. «Sogar meine Schüler brachten mir immer wieder Deckeli mit. Leider hat es bis jetzt noch nicht geklappt – aber ich werde es weiterhin versuchen.»

Einmarsch am Eidgenössischen am 13. August 1961 in Zug. (Bild: PD)

Einmarsch am Eidgenössischen am 13. August 1961 in Zug. (Bild: PD)

Ans Esaf zu gehen, das wäre vor allem für den mittlerweile 86-jährigen Walter Kälin senior ein Traum, ist Kälin junior überzeugt. Walter Kälin senior war jahrelang im Schwingklub Glatt- und Limmattal aktiv und schwang auch am Eidgenössischen 1961 mit, welches nach 1943 zum zweiten Mal im Kanton Zug stattfand. Damals trat Kälin senior auch gegen den Schwingerkönig Meli Karl und den drittplatzierten Oberholzer Karl an. Das Schwingfest 1961 in Zug war zugleich das letzte, welches Walter Kälin senior bestritt. Noch im selben Jahr hängte er die Zwilchhosen aus beruflichen und familiären Gründen an den Nagel – zeitgleich mit der Geburt seines Sohnes. Es sei eine schöne Zeit gewesen, die er nicht missen wolle, sagt Walter Kälin senior, der heute in Buchrain wohnt, am Telefon. Der Schwingsport habe sich aber stark verändert, sei etwa viel professioneller geworden. Trotz Rücktritt konnte der 86-Jährige nie ganz vom Sägemehl lassen. Als Kampfrichter war er noch einige Jahre im Schwingsport aktiv, zudem ist er Ehrenmitglied im Schwingklub Glatt- und Limmattal. Danach gefragt, ob er nicht gerne ans dritte Eidgenössische Schwingfest in Zug gehen würde, wiegelt der Senior ab. Er sei schon Urgrossvater, was wolle man da noch mehr.

Für seinen Sohn Walter Kälin junior indes ist klar: Zwei Schwingfest-Tickets müssen her. Walter Kälin senior weiss bis jetzt noch nichts von der Überraschung – die ja ohne gültige Eintritte auch noch keine ist. Lässt sich da nicht etwas machen?

Zwei Chancen bleiben offen

Heinz Tännler, Präsident des Schwingfest-OKs, zeigt für die Frage Verständnis: «So kurz vor dem Schwingfest laufen bei mir die Drähte bezüglich Tickets heiss. Im Moment kann man mich auf den Kopf stellen und es purzeln keine Tickets aus meinen Hosentaschen heraus. Das Esaf ist ausverkauft.» Vor dem Hintergrund der historischen Geschichte solle Walter Kälin junior ihn jedoch Mitte August anrufen, «dann kann sich ohne Gewähr allenfalls noch ein Fenster öffnen», so Tännler.

Sollte auch dies nicht klappen, bleibt den Kälins und anderen Schwingfans noch eine weitere Chance. Beim Wettbewerb unserer Zeitung konnten bis gestern Bilder eingesandt werden. Ab heute und bis am 5. August entscheiden die Leserinnen und Leser in einem Voting, welche 16 Personen je zwei Tickets für das Eidgenössische erhalten. Die Gewinner werden dann am 6. August benachrichtigt.

Hinweis
Zum Voting geht’s online unter: go.luzernerzeitung.ch/esaf