Leserbrief

Nach Corona: «Zug Zerscht» – auch als Zuger Regierungsrat

Zur Klausurtagung der Zuger Regierung

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Jede Regierung, jede Exekutive braucht von Zeit zu Zeit regelmässig etwas Muse und Ruhe, um anstehende Probleme und Projekte gemeinsam konzentriert zu besprechen und die nächsten Schritte zu beschliessen. So ist der Führungsrhythmus bestimmt richtig und wichtig.

Da eignet sich eine gemeinsame «Klausurtagung» bestens dafür, gemeinsam zu reflektieren und die besten Lösungen zu suchen und auch zu finden. Nicht als «Mönche», welche die «Klausur» erfunden haben sollen, sondern bei einem sommerlichen Treffen in Freizeitbekleidung, wo der übliche Zeitdruck etwas weg ist, die Medien und allzu kritische Kantonsräte weit weg sind, die Stimmung gelöst und somit lösungsorientiert ist. Beste Voraussetzung also, für unseren Kanton, für Gemeinden und Bewohner die bestmöglichen zukünftigen Lösungen gemeinsam zu erarbeiten, welche dann auch einmal umgesetzt werden können.

Aber wo soll man eine solche Klausur durchführen? Wo, an welchem Ort, würden Sie geschätzter Leser nun im Coronajahr 2020 pragmatisch eine solche zweitägige Klausurtagung für die Zuger Regierung organisieren? Doch sicher irgendwo in einem ruhigen und schönen privaten Hotel- oder Gastronomiebetrieb im Kanton Zug, oder? Bei hiesigen KMU-Gastgebern, die ja unisono alle direkt an den Folgen von Corona leiden, viele katastrophal betroffen sind? Dann könnte man das ganze zweitägige Meeting noch ausweiten, das eine oder andere gemütliche gemeinsame verbindende Essen an verschiedenen Orten in unserem wunderbaren Kanton durchführen, sei es im Aegerital, im Ennetsee oder in der Lorzenebene. Natürlich bei selbstständigen Wirten, die gegenwärtig am meisten leiden – das wäre für diese Betriebe und ihre geplagten Inhaber jedes Mal ein kleiner finanzieller Aufsteller weiterzumachen – jetzt nicht aufzugeben, keine langjährigen Mitarbeiter zu entlassen, den Konkurs nicht anzumelden. Und unsere Regierung könnte dabei ja noch Kosten sparen – und wie gewohnt zu Hause übernachten im eigenen Bett und einige auswärtige Spesen sparen.

Was machte die bürgerliche Regierung? Sie führte im Herzen des grossen nördlichen Kantons ihre Klausur durch. Leider eine Tatsache – in der Stadt Zürich nämlich. Zum Glück gibt es in Zug noch mutige «Whistleblowers», welche die nackte ungeschminkte Wahrheit weitersagen und zufällig habe ich diese peinliche Geschichte mitbekommen. Ehrlich, als ebenfalls betroffenes wirtschaftliches Coronaopfer konnte ich zuerst gar nicht glauben, was ich da auf dem «Latrinenweg» hörte.

Die Zuger Regierung hat in den letzten Coronamonaten sehr vieles richtig und auch vernünftig gemacht, dafür verdient sie auch meine Anerkennung. Aber etwas mehr Empathie, mehr Solidarität und darob etwas mehr geistige Beweglichkeit wäre jetzt angezeigt gewesen. Ich zweifle ernsthaft daran, ob die Verwaltung, welche solche regierungsrätliche Klausuren vorbereitet hat, eigentlich noch weiss, wo der Steuerfranken erwirtschaftet wird – «Zug Zerscht» kann man da nur sagen. Kein Wunder, wenn über 40 Prozent unserer kantonalen Mitarbeiter als Auswärtige hier nie Steuern bezahlt haben, täglich hierher pendeln – dann fehlen halt die Wurzeln etwas.

Nein, es geht diesmal nicht um Millionen, die falsch oder unsensibel ausgegeben wurden, es geht darum, dass die Regierenden auch die kleinen Zeichen richtig setzen in den kommenden Monaten und Jahren: «ZZ – Zug Zerscht» eben – Zug sagt Danke.

Philip C. Brunner, SVP-Kantonsrat und Hotelier in Zug