Nachwuchsthematik: Sind die Zuger Ärzte gerüstet?

Bezüglich medizinischer Versorgung ist der Kanton gut aufgestellt. Bauchschmerzen bereitet höchstens die Nachfolgeregelung.

Laura Sibold
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Durch die Kleinräumigkeit des Kantons Zug ist die Ballung von Arztpraxen in urbanen Zentren nicht prekär.

Durch die Kleinräumigkeit des Kantons Zug ist die Ballung von Arztpraxen in urbanen Zentren nicht prekär.

Bild: Stefan Kaiser (Baar, 13. Januar 2017)

In gewissen Kantonen ist die ambulante medizinische Versorgung in Gefahr: So gibt es etwa im Luzerner Hinterland immer weniger Hausärzte, welche die steigende Anzahl Patientinnen und Patienten behandeln können. Viele Hausärzte stehen zudem kurz vor der Pensionierung – und Nachfolger sind nur selten zu finden.

Für den Kanton Zug gibt Kantonsarzt Rudolf Hauri Entwarnung. Es drohten aktuell keine Versorgungsengpässe. «In allen Gebieten des Kantons stehen genügend Hausärzte zur Verfügung.» Es zeige sich aber eine Ballung in urbanen Zentren, wobei dies primär Spezialärzte betreffe. «Verstärkt wird dies durch den Trend, dass Einzelpraxen immer mehr von Gemeinschaftspraxen abgelöst werden. Diese befinden sich vor allem in zentralen Lagen», erklärt Hauri. Die Entwicklung sei im klein­räumigen Kanton Zug jedoch unproblematisch, da die Zentren aus allen Kantonsteilen rasch ­erreicht werden könnten.

Darüber hinaus ist die medizinische Versorgung in Zug offenbar auch in allen Fachbereichen gewährleistet. «Selbst bei den eher knapp vertretenen Lungenfachärzten kann nicht von einer Unterversorgung gesprochen werden, die Ausnahmezulassungen begründen würde», betont der Kantonsarzt. Es könne zwar bei gewissen Arztpraxen zu Wartezeiten kommen – etwa bei steigender Nachfrage aufgrund eines Grippeausbruchs. Über den gesamten Kanton gesehen stünden jedoch genügend Praxen zur Verfügung.

Hoher Bedarf, aber kein Grund zur Panik

Auch Peter Gerritsen, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Zug, bestätigt, dass derzeit kein Mangel bestehe. Ihm bereitet jedoch die Nachwuchsthematik Sorgen: «In den nächsten fünf Jahren wird ein Viertel der Zuger Hausärzte pensioniert.» Das gehe aus einer Umfrage der Zuger Gesellschaft für Hausarztmedizin von diesem Sommer hervor. In einer Studie hat das Institut für Hausarztmedizin der Universität Zürich zudem den hohen künftigen Bedarf an Hausärzten ausgewiesen: Um einen Hausarzt der alten Schule zu ersetzen, braucht es künftig 3,8 neue Hausärzte. «Zu tun hat dies mit dem veränderten Arbeitsverhalten. Junge Hausärzte wollen heute verständlicherweise nicht mehr 150 Prozent arbeiten müssen», erklärt Gerritsen. Wegen des hohen Bedarfs könnte sich in Zukunft ein gewisser Mangel abzeichnen, der Facharzt konstatiert aber klar: «Es besteht kein Grund zur Panik.»

Zuger sind sehr gesund

Nationale Statistiken belegen, dass die Zuger Bevölkerung überdurchschnittlich gesund ist: So liegt etwa die Lebenserwartung von Zugerinnen und Zugern über dem Schweizer Durchschnitt. Nach der aktuellsten Erhebung des Bundesamtes für Statistik von 2017 liegt die Lebenserwartung für Zuger bei der Geburt bei 83 (Männer) respektive 85,5 Jahren (Frauen). Der Schweizer Durchschnitt liegt bei 81,1 respektive 85 Jahren. Im Alter von 65 Jahren liegt die Lebenserwartung der Zuger Bevölkerung noch bei 20,7 (Männer) respektive 22,7 Jahren (Frauen). Der Schweizer Durchschnitt liegt bei 19,5 respektive 22,3 Jahren. 

Bei Zuger Kinderärzten stehen in den kommenden Jahren ebenfalls viele Pensionierungen an. Auf Stadtzuger Boden gibt es zudem derzeit nur noch eine einzige Kinderarztpraxis, was im Mai dieses Jahres linke Stadtpolitiker auch zum Einreichen einer Interpellation bewegte. Damals betonte Gerritsen gegenüber dieser Zeitung bereits, dass «der Kanton Zug für den Nachwuchs nicht ­gerade ein Traumziel» sei. Zug habe den tiefsten Ärztetarif der ganzen Schweiz und sei mit den hohen Mieten für Ärzte nicht sehr attraktiv.

Bemühungen, um für Nachwuchs zu sorgen

Die Zuger Gesundheitsdirektion argumentierte auch damals mit den kurzen Reisewegen im Kantonsgebiet Zug, es gebe daher ausreichend Praxen. Auch Peter Gerritsen bestätigt heute, dass die Kleinräumigkeit des Kantons Zug zumutbar sei. Doch es müsse auch in den Berggemeinden weiterhin Haus- und Kinderärzte geben. «Das ist besonders bei medizinischen Notfällen zentral, da sind oft Minuten entscheidend.»

Schon heute bemühe sich die Ärztegesellschaft daher, für Nachwuchs zu sorgen. Regelmässig nehmen praktizierende Kinder- und Hausärzte im Kanton Zug Assistenzärztinnen und Assistenzärzte auf und lehren sie in der eigenen Praxis an. Beim Kanton Zug ortet man derzeit denn auch keinen Handlungsbedarf. Man behalte die Lage jedoch laufend im Blick, um falls nötig Massnahmen einzuleiten, sagt Kantonsarzt Rudolf Hauri.