Narrenrichter erneuern Freundschaft

Das Motto der diesjährigen Fasnacht in Oberägeri ist zwar «Duräzieh und abälah». Da ist aber nichts handgestrickt – wie sich hoher Besuch aus Stockau überzeugen

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Ein Fasnächtler gibt das Handzeichen: Die Grindaufhänkete kann losgehen. (Bild: Christof Borner-Keller/Neue ZZ)

Ein Fasnächtler gibt das Handzeichen: Die Grindaufhänkete kann losgehen. (Bild: Christof Borner-Keller/Neue ZZ)

Mit der traditionellen Grindufhänkete am Tage vor dem Dreikönigstag hat die Fasnacht in Oberägeri und damit in der Innerschweiz offiziell begonnen – in diesem Jahr auf besondere Art und Weise.

Der öffentlichen Grindufhänkete mitten im Dorf ging zu Ehren einer Delegation aus dem deutschen Stockach ein offizieller Empfang in der Ratsstube der Korporation Oberägeri im Zurlaubenhaus voraus. An diesem nahmen Delegationen von Gemeinde-, Korporations- und Bürgerrat sowie Ehrenmitglieder der Legorengesellschaft teil.

Legorenvater Michi I. Rogenmoser, flankiert von den beiden hübschen diesjährigen Ehrendamen Michaela Meier und Elisabeth Nussbaumer, freute sich über den vollen Saal und betonte, dass es keinesfalls üblich sei, dass ein solcher Apéro durchgeführt werde. «Der Grund ist der Besuch einer zehnköpfigen Delegation des Hohen Grobgünstigen Narrengerichts zu Stocken aus Deutschland», erläuterte er der Gästeschar.

Narrengericht

Narrenrichter Frank Bosch aus Stockach bedankte sich für die Einladung und versicherte, man wolle die in der Zwischenzeit nun bereits zehnjährige Freundschaft mit Oberägeri weiter pflegen. Diese hat einen guten Grund. Wie der Narrenrichter im Gespräch mit der «Neuen Zuger Zeitung» erläuterte, geht die Veranstaltung auf eine Begebenheit zurück, bei der der Hofnarr Kuony von Stocken Erzherzog Leopold I. von Österreich vor der Schlacht am Morgarten gegen die Eidgenossen warnte: «Ihr wisst wohl, wie Ihr nach Schwyz hineinkommt, aber nicht, wie raus.» Herzog Albrecht der Weise gewährte daraufhin Stockach das Narrengerichtsprivileg für alle Zeiten.

Das Narrengericht wählt jedes Jahr einen Beklagten aus, der in der öffentlichen und im Fernsehprogramm des Südwestfunks übertragenen Hauptverhandlung vor dem «Hohen Grobgünstigen Narrengericht» durch den Kläger angeklagt und durch den Fürsprech verteidigt wird und sich dann selbst verteidigt. Das Urteil durch den Richter sieht zur Strafe je nach Schwere der Schuld vor, einen oder mehrere Eimer Weines bis zum Laetare-Tag, dem 4. Fastensonntag, als Busse zu liefern.

Zwischen «Bären» und «Rössli»

Nach dem Apéro sah das Narrengericht in Oberägeri den Umzug mit den beiden Guggenmusigen Papageno und F’Ägerer, den Tirolern, der Tambouren- und Legorengruppe sowie dem Hohen Legorenrat. Der Legor wird auf einem Leiterwagen gezogen und anschliessend unter den Klängen der Fasnachtsvergrabemusig zwischen «Bären» und «Rössli» aufgezogen. Dort bleibt er bis zum Güdelsdienstag hängen – dann findet der grosse Umzug in Oberägeri statt.

Legorenvater Michi I. und Spielleiter Hansjörg Hug alias Hans Kuoni von Stockach richteten sich in launigen Worten und in Reimform an das Volk und erklärten die Fasnacht für eröffnet. Und es ertönte der Spruch, der auch während der Fasnacht zu hören sein wird: «Ime beständige Wohlsi und ime drüfache Läbi – hoch, hoch, hoch, äxtra hoch.»

Die gesamte Grindufhänkete wurde den Gästen aus Deutschland von alt Hans Kuoni Urs Iten erläutert – der sich überzeugen konnte, dass sein Nachfolger Hansjörg Hug souverän durch die Veranstaltung führte und das diesjährige Motto bekannt gab: «Duräzieh und abälah». Das Motto kann verschiedene Bedeutungen haben. Wie das Titelbild des diesjährigen Fasnachtskalenders deutlich macht, kann auch ein Zusammenhang hergestellt werden zwischen dem Motto und der gewaltigen, durch das Schweizer Fernsehen übertragenen Hausverschiebung in Dübendorf durch die Oberägerer Firma «Kannalls» Iten.

Nach der Grindufhänkete spielten die beiden Guggenmusigen Papageno und F’Ägerer auf. Die F’Ägerer präsentierten zum ersten Mal ihr neues Schotten-Outfit und gaben eine Interpretation des Stückes «Scotland the Brave» zum Besten.

Thomas Wyss