Leserbrief

Narzissten mit fehlender Wertschätzung

Zu fehlender Wertschätzung für gewisse Menschen in der Weihnachtszeit

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Fast täglich findet man die Worte Mobbing und Rassismus in einer Zeitung. Diese Norm hat meines Erachtens eine Schwachstelle. Sie vergisst, dass jemand zwar bestraft werden kann bei unflätigen Beschimpfungen, während narzisstische Menschen auf der anderen Seite aber massiv und ungerechtfertigt belohnt und hochgejubelt werden dürfen.

Ich bin vermutlich nicht allein, wenn ich unfaires Lob als Geruch wahrnehme, wenn ich an die Metapher «Eigenlob stinkt» denke. Da ich auf dem Bauernhof aufwuchs, kenne ich jede Duftnote vom Hühnerdreck bis zu Pferdeäpfeln (schärfte meine Fantasie). Es gibt bekanntlich auch Menschen, welche Farben als Geruch wahrnehmen. Als vor Wochen einem Fussballer eine Doppelseite gewidmet wurde, löste es bei mir Ekel aus, ähnlich wie der Geruch von Tierkadavern.

Mir gelingt es nicht, die Tatsache zu verdrängen, dass Pflegepersonal im Vergleich keine Wertschätzung erfährt. In der Sendung «Persönlich» wurde erwähnt, wie die Spitzensportler auf höchstem Niveau jammern können. Wieso fehlt diesen Menschen jeglicher Sinn und Gespür für Wertschätzung, um dem Putz- und Pflegepersonal den gleichen Lohn zu gewähren, wenn sie ein «Bobo» haben? Müsste nicht bei jeder Zeitungsausgabe der Putzequipe gleich viel Platz eingeräumt werden? Man könnte mit gleicher Begeisterung berichten, wie das Personal anhand der dreckigen Toilette, Raucherfäkalien oder verschwitzen Socke den Urheber erraten könnte?

In der Sendung «1 gegen 100» wussten 42 Kandidaten nicht, was eine Hurde ist. Dafür weiss fast jeder, welcher Tor am x-ten Tag nutzlos ein Tor verfehlt hat. Haben Fussball oder Eishockey nicht grosse Ähnlichkeit mit einer Behindertenwerkstatt? Sie brauchen ein Heer von Betreuern, welches ihnen ihre stinkenden Kleider oder Spucke wegräumt (laut früherer TV-Sendung). Noch nie aber war in der Weihnachtsaktion ein Fussballprofi aufgelistet. Bei einem Einkommen von einer Million pro Monat (kein Schreibfehler) wäre wenigstens eine halbe Million wenig verlangt.

Tony Stocklin, Steinhausen