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Kanton Zug: Freisinn kämpft gegen den Sitzverlust im Nationalrat

Die FDP sieht sich mit einer schwierigen Ausgangslage konfrontiert. Ihr Sitz im Nationalrat wird von der vereinigten Linken angegriffen.
Harry Ziegler
Die FDP des Kantons Zug muss den Rücktritt ihres Nationalrats Bruno Pezzatti – hier während der letztjährigen Herbstsession – verkraften. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone, Bern, 10. September 2018)

Die FDP des Kantons Zug muss den Rücktritt ihres Nationalrats Bruno Pezzatti – hier während der letztjährigen Herbstsession – verkraften. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone, Bern, 10. September 2018)

Der Rücktritt ihres Nationalrats und der Ersatz desselben fordert die FDP personell. Die Partei hat 2018, mit Schwierigkeiten zwar, aber letztlich erfolgreich, die beiden freien FDP-Sitze in der Kantonsregierung verteidigt. Auch dank wahltaktischer Uneinigkeit der Linken. Die Zuger Linksparteien haben allerdings daraus gelernt – und haben nun eine Chance, der FDP den Nationalratssitz abzujagen.

Die Ausgangslage ist für die FDP nach dem Rücktritt ihres Nationalrats Bruno Pezzatti verzwickt. Bereits in der Nominationsphase für die Nationalratswahlen offenbarten die Zuger Freisinnigen gröbere Personalprobleme. Von den bekannteren Freisinnigen stellte sich für diese Wahl niemand als Zugpferd zur Verfügung. Im Vorfeld als mögliche Kandidaten gehandelt wurden beispielsweise der ehemalige Baarer Gemeindepräsident Andreas Hotz oder Andreas Kleeb (Zug).

Andreas Hotz setzte ganz auf eine Ständeratskandidatur. Ihm wurde jedoch alt FDP-Regierungsrat Matthias Michel vorgezogen, und laut Hotz sei eine Kandidatur für den Nationalrat keine valable Option für ihn. Andreas Kleeb verzichtete aus privaten Gründen auf eine Kandidatur.

Das Bild einer personell schlecht aufgestellten Partei vervollständigte sich, als es der FDP anfangs Mühe bereitete, zwei vollständige Listen zu präsentieren. Immerhin steigt sie nun mit dreien in die Nationalratswahlen, wobei nur auf der Hauptliste ein bekannterer Name zu finden ist. Aussichtsreichste Kandidatin in der Mission Sitzverteidigung dürfte Karen Umbach (58, Zug), Fraktionschefin der FDP im Kantonsrat, sein. Dass die drei Listen miteinander verbunden sind, versteht sich von selbst.

Die CVP dient als Wahlhelferin

Nützen könnte der FDP allerdings eine weitere Listenverbindung: jene mit der CVP. Diese steigt mit Nationalrat und CVP-Schweiz-Präsident Gerhard Pfister (57, Oberägeri) ins Rennen. Seine Wiederwahl gilt als sicher. Zudem engagieren sich auf der CVP-Hauptliste die amtierende Kantonalpräsidentin Laura Dittli und der erfahrene Kantonsrat Kurt Balmer. Die Zuger CVP steigt mit vier Listen (inklusive JCVP) in die Ausmarchung. Die FDP, die bereits in früheren Nationalratswahlen von der Wählerstärke der CVP profitierte, ist mit dieser Listenverbindung einen wichtigen Schritt in Richtung Sitzverteidigung gegangen. Aus eigener Kraft kann es die FDP kaum schaffen, den freisinnigen Zuger Sitz in der grossen Kammer zu verteidigen. Bei den Nationalratswahlen 2015 erreichte die FDP auch dank ihrer Listenverbindung mit der CVP einen Wähleranteil von über 17 Prozent und verteidigte so ihren Sitz. Dieselben Überlegungen dürften auch heuer dazu geführt haben, dass sich die FDP der CVP zugewandt hat. Diese war 2015 mit über 26 Prozent Wähleranteil nach der SVP die zweitstärkste Partei.

Die SVP erreichte damals über 30 Prozent. Schliesslich dürfte die Listenverbindung von CVP und FDP auch dem erklärten Ziel dienen, die drei Zuger Sitze im Nationalrat in bürgerlicher Hand zu behalten.

Aber auch der CVP dürfte die Listenverbindung mit der FDP von Nutzen sein. Dies, zumal die CVP auf nationaler Ebene laut Umfragen stark schwächelt. Inwiefern sich diese nationale Schwäche auf die kantonale CVP auswirkt, kann nicht ermessen werden, aber sicher ist sicher, weshalb die Listenverbindung der CVP und der FDP auch als Versicherung für beide Parteien dient.

Der Sitz der SVP im Nationalrat ist unbestritten. Die Partei wird mit Nationalrat und Fraktionschef im Bundeshaus, Thomas Aeschi (40, Baar), ihren Sitz in der grossen Kammer verteidigen. Für die SVP gilt auf nationaler Ebene dasselbe wie für die CVP: Sie schwächelt laut Umfragen. Aber: Die Partei kann von ihrem Wählerpotenzial zehren. Beim eidgenössischen Wahlgang 2015 erreichte sie mit 30,5 Prozent den unangefochten höchsten Wähleranteil.

Kann die Linke der FDP den Sitz abnehmen?

Wenn die Linke Uneinigkeiten wie beispielsweise bei den Regierungsratswahlen 2018 vermeidet, kann sie den 2011 verlorenen Sitz (Abwahl von Josef Lang) gewinnen. ALG/CSP und SP steigen mit zwölf untereinander verbundenen Listen in die Wahl. Hinzugekommen ist die Liste der neu gegründeten EVP. Ausserdem gehörte 2015 die SP, die von 5,3 Prozent (2011) auf 13,8 Prozent zulegte, zu den Gewinnern, während die FDP, die 2011 einen Wähleranteil von noch 19,2 Prozent verzeichnete, 2015 auf einen solchen von 17,6 Prozent zurückfiel. Massiv verlor die Alternative – die Grünen (ALG): Von 15,4 Prozent im Jahr 2011 sank der Wähleranteil auf 7,2 Prozent (2015).

Die Linksparteien präsentieren sich im Gegensatz zur Regierungsratswahl 2018 heuer als eine Einheit – mit dem erklärten Ziel, eine linke Vertretung in die grosse Kammer nach Bern zu entsenden. Egal ob diese aus der ALG, der CSP oder der SP stammt. Egal ist übrigens auch, welche der bürgerlichen Parteien dafür ihren Sitz opfern müsste. Rein rechnerisch träfe es momentan die FDP.

Keine einfache Aufgabe für die vereinigte Linke

Einfach wird es für die Linke, die mit den Zugpferden alt Regierungsrätin Manuela Weichelt (ALG, Zug) und der Zuger CSP-Stadträtin Vroni Straub um einen Sitz kämpft, nicht. Zusammen – die Wähleranteile von 2015 zugrunde gelegt – kämen die Linken auf 21 Prozent. Der Kanton Zug ist jedoch politisch zu klar bürgerlich dominiert, als dass die Linke im Kanton alleine darauf vertrauen kann, dass CVP und FDP von den Zugerinnen und Zugern links liegen gelassen werden.

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