NATUR: Wildschweine sind im Anmarsch auf Zug

Das Schwarzwild wandert europaweit immer mehr in Richtung Südwesten. Auch im Kanton Zug rechnet man demnächst mit den ersten Tieren – der Kanton Zug will nun mit einer Gesetzesänderung den Jägern die Jagd ermöglichen.

Zoe Gwerder
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Wildschweine könnten bald auch wieder im Kanton Zug anzutreffen sein. (Bild: Fredrik von Erichsen/Keystone)

Wildschweine könnten bald auch wieder im Kanton Zug anzutreffen sein. (Bild: Fredrik von Erichsen/Keystone)

Zoe Gwerder

zoe.gwerder@zugerzeitung.ch

Obelix wäre hell begeistert – würde der französische Comic-Held im Kanton Zug wohnen. Denn hier könnte es schon bald ganze Wildschweingruppen, sogenannte Rotten, geben. Eine einzelne solche Rotte war im vergangenen November bereits ganz nahe an der Kantonsgrenze: In Sins wurde ein Wildschwein geschossen und zwei wurden überfahren. Auch wenn dies nur eine einzelne Gruppe war, und wohl noch nicht der eigentliche Vorbote der grossen Einwanderung des Schwarzwildes ist, werden wohl die ersten Tiere schon bald die Kantonsgrenzen überschreiten.

Davon geht das kantonale Amt für Wald und Wild aus. Dies hat mehrere Gründe. Zum einen wächst die Schwarzwild-Population in ganz Europa. Gemäss den Erkenntnissen einer Forschungsarbeit der Universität Wien spielen dabei die Klimaerwärmung und das steigende Nahrungsangebot eine grosse Rolle. Werden die Winter wärmer, haben die Tiere im Frühling mehr Energie übrig, um sich fortzupflanzen. Und die Jahre, in denen die Hauptnahrungsbringer Eiche und Buche besonders viel Früchte tragen, werden immer häufiger.

Dass sie derzeit noch nicht im Kanton Zug angekommen sind, ist gemäss Albin Schmidhauser, Leiter des Amtes für Wald und Wild hauptsächlich der Autobahn A1 zuzuschreiben. «Die Wildschweine wandern europaweit von Nordosten nach Südwesten.» Die Ost-West-Autobahn, vom Bodensee über Zürich, Aarau Solothurn unterbreche diese Wanderung. Das Bundesamt für Strassen hat aber das Ziel, die Wildkorridore durch Wildüberführungen wieder herzustellen. «Sobald dies soweit ist, werden die Tiere dann früher oder später auch im Kanton Zug einwandern», so Schmidhauser.

Sonderbewilligung auch für Jäger

Entsprechend soll nun auch die Jagdverordnung angepasst werden. Die Vorlage befindet sich derzeit in der Vernehmlassung (Ausgabe vom 23. März). Sie sieht vor, dass ausserhalb der Jagdzeit schnell ermöglicht werden kann, schadenstiftende Wildschweine zu schiessen. Auch die Jagdpatente werden so angepasst. Wütet eine Rotte Wildschweine während der Schonzeit – vom 1. Februar bis 31. August– in einer Gegend, will das Amt für Wald und Wild die Möglichkeit haben, schnell Sonderbewilligungen für Abschüsse ausserhalb der Jagdzeit auszustellen. «Einzig die Muttertiere – also die Bachen – dürfen auch dann nicht geschossen werden.»

Diese gesetzlichen Änderungen seien dringend nötig, sagt der Präsident des Zuger Kantonalen Patentjägervereins, Alfred Meier. «Bis jetzt war es nicht sauber gelöst, dass wir Jäger mit dem Kugelgewehr auf Wildschweine schiessen dürfen.» Speziell auf die Tiere vorbereiten, werde man sich aber nicht – oder noch nicht. «Die Tiere sind sehr intelligent und schwierig zu bejagen. Wir werden da Jahr für Jahr dazulernen müssen, sobald sie da sind.» Voraussehbar sei jedoch, dass sich die Tiere wohl als erstes in den Tallagen verbreiten werden. «Da können wir nicht einfach auf die Treibjagd», so Meier. Es sei deshalb angedacht, dass man dort dann auf die Ansitzjagd setzen wird – das ist die Jagd einzelner Jäger, die von ihren Standorten das Wild beobachten und schiessen.

Landwirte sollen Augen offen halten

Kommen die Wildschweine dann tatsächlich über die Grenze, können sie vor allem für die Landwirte zum Problem werden. Denn deren Felder sind für die Tiere ein Schlaraffenland. Schäden werden vom Kanton nur dann übernommen, wenn der Landwirt alle ihm zumutbaren Massnahmen zum Schutz seiner Anbaustätten umgesetzt hat. Beim kantonalen Bauernverband, den Zuger Bauern, wartet man mit Empfehlungen aber noch ab, bis die Tiere näher sind, wie Präsident Thomas Rickenbacher erklärt. «Wenn sich dann die Fälle im Freiamt mehren, oder auch in Knonau und anderen angrenzenden Gemeinden Wildschweinspuren gesichtet werden, werden wir dann sicher aktiver.» Trotzdem ruft er die Bauern des Kantons Zug auf, die Augen offen zu halten und mögliche Wildschweinschäden sofort dem Kanton zu melden. «Dies ist nicht nur wichtig, um die nötigen Massnahmen zu treffen, sondern auch, um unsere Hausschweine vor der Schweinepest zu schützen.» Denn viele Wildschweine trügen diese Krankheit in sich.