NATURSCHUTZ: Zuger Projekt rettet bedrohte Flechten

Flechten - die bunten Krusten und «Bärte» an Bäumen und Steinen - gehören zu den gefährdetsten Organismen der Schweiz. Einen Weg zur Überlebenshilfe hat nun ein Projekt im Kanton Zug gezeigt, bei dem Flechten von Hand auf unbesiedelte Bäume geklebt wurden.

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Die Forscher haben in der Zuger Reussebene die Flechten von absterbenden Eichen abgekratzt. (Bild: Archiv / Neue ZZ)

Die Forscher haben in der Zuger Reussebene die Flechten von absterbenden Eichen abgekratzt. (Bild: Archiv / Neue ZZ)

Flechten sind eine Lebensgemeinschaft aus Pilzen und Algen und äusserst zäh und langlebig: Grönländische Landkartenflechten können über 4000 Jahre alt werden. Doch insbesondere die Luftverschmutzung setzt ihnen zu: Über 40 Prozent der rund 600 in der Schweiz vorkommenden Arten - viele davon wichtige Anzeiger für die Luftqualität - sind bedroht.

Dem Team um Christoph Scheidegger von der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) ist es nun gelungen, in Handarbeit die Eichen-Stabflechte zu vermehren. Die Forscher haben in der Zuger Reussebene die Flechten von absterbenden Eichen abgekratzt und auf gesunden, unbesiedelten Bäumen wieder aufgeklebt.

Nach zwei Jahren hatte die Mehrheit der Transplantate überlebt, wie die Forscher im Magazin der Umweltorganisation «Pro Natura» berichteten. Folglich könne die Population mit dieser Methode auch vergrössert werden. Ob sich die Transplantate auch ausbreiten, zeige sich erst in etwa 20 Jahren, da Flechten sehr langsam wachsen.

Die Eichen-Stabflechte gedeiht auf der regengeschützten Seite von Eichenstämmen. Sie ist in ganz Europa gefährdet; in der Schweiz gibt es noch relativ viele, aber sehr vereinzelte Fundorte. Ihr langfristiges Überleben sei deshalb nicht gesichert, erklärten die Forscher. Auf dem Thurgauer Seerücken und im Zürcher Unterland werde die Art dank der Förderung von Eichen erhalten.

sda