Leserbrief

Nebelpetarden gegen das Versagen der Exponenten

«Das Ziel, die vorliegende Problematik zu verhindern, wurde völlig verfehlt», Leserbrief in der Ausgabe vom 18. März

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Die Einlassungen, die René Loosli, alt FDP-Gemeinderat aus Walchwil, an dieser Stelle gemacht hat, geben Anlass zur Verwunderung. Zuerst aber das Positive: Offenbar teilt auch die FDP Walchwil die Lagebeurteilung der SVP bezüglich der haarsträubenden Buslinien-Planung, wie sie zum Fahrplanwechsel auf kommenden Dezember festgelegt wurde. Die Petition, die die SVP dazu gestartet hat, will René Loosli, wie er schriftlich und mündlich verbreitet, aber nicht unterschreiben. Das sei ihm unbenommen, denn seine Unterschrift braucht die SVP nicht: Seit der Übergabe von 720 Unterschriften an die Staatskanzlei am 16. März sind bereits wieder 60 weitere Unterstützungsnamen eingetroffen. Im Übrigen hat man in Walchwil schon begriffen, dass es der SVP nicht um die politische Instrumentalisierung eines Missstandes geht; deshalb haben auch, neben dem Verein Frohes Alter, parteiübergreifend Mitglieder der FDP, CVP und SP aktiv beim Sammeln mitgeholfen.

Die Nebelpetarden, die der Leserbriefschreiber zündet, um das Versagen der eigenen Ortspartei und von FDP-Exponenten auf Gemeinde- und Regierungsstufe zu verschleiern, sind nutzlos. Sie werden einer kritischen Bevölkerung die freie Sicht auf die Wirklichkeit nicht behindern. Da ist als Erstes die erstaunliche Tatsache, dass René Loosli den Wettbewerb unter Parteien verhindern will, indem er fordert, dass die SVP höflichst einen Allparteien-Vorstoss zu dem Busproblem hätte lancieren müssen. Und das als Politiker, dessen Partei die Forderung nach Wettbewerb an oberster Stelle im Programm hat und dies auch wie eine Monstranz vor sich her trägt. Da darf man die Frage stellen, warum die FDP diesen Vorstoss zu einer Allparteien-Petition nicht selber gemacht hat – immerhin ist ja die neue Fahrplansituation bereits seit letztem Dezember bekannt?

Als «dreist» und «frech» wertet René Loosli die SVP-Petition, weil es ja just SVP-Leute seien, die in der Walchwiler ÖV-Kommission das Sagen und mithin das Problem verschlafen hätten. Und ausserdem: Die FDP sei dann in diesem Gremium nicht vertreten gewesen. Da möchte man vom Leserbriefschreiber wissen, woher er diese Informationen hat, beziehungsweise wer das Kommissionsgeheimnis verletzt hat. Oder ist es einfach eine «Fake News», die sich auf das Hören-Sagen bezieht? Das wäre dann nicht nur ein «frech-dreistes» Abwehrmanöver, sondern einfach nur dumm. Ich für meinen Teil kann bestätigen, dass die Buslinienführung im SVP-Vorstand mehrfach diskutiert wurde und der ehemalige SVP-Kantonsrat Moritz Schmid ganz klar die Meinung vertreten hat, dass eine Änderung des Status quo für ihn ein «No-Go» ist.

René Loosli vergisst dabei auch geflissentlich, dass die Meinung einer lokalen Ad-hoc-Kommission keine Relevanz hat, wenn die Technokraten der ZVB (und deren Schwyzer Kollegen) die vorgegebenen Parameter (Effizienz-Steigerung) erfüllt haben und das Ganze dann von der zuständigen politischen Behörde durchgewinkt wird.

Und damit ist ja wohl auch die Ursache dieses ganzen Schlamassels identifiziert. In besagtem Leserbrief steht: «Dass es ...für die neuen Verantwortlichen schwierig geworden ist, angesichts der engen Zeitverhältnisse das Ruder noch herumzureissen, ist mehr als verständlich.» Ja, wer sind denn die «neuen Verantwortlichen», deren Namen der Walchwiler FDP-Präsident den Lesern dieser Zeitung nicht zumutet? Es ist FDP-Regierungsrat Florian Weber aus Walchwil. Er war, als diese Fahrplanänderung abgesegnet wurde, schon fast ein Jahr im Amt. Offenbar hat ihm diese Zeit nicht genügt, um sich gehörig in die Dossiers einzuarbeiten. Die Walchwiler Bevölkerung hofft natürlich dennoch, dass Regierungsrat Weber der schwierigen Aufgabe gewachsen ist, um das Ruder noch rechtzeitig herumzureissen.

Jürg L. Steinacher, SVP-Mitglied, Walchwil