Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

NEONATOLOGIE: Kinderärzte-Streit: Eine Expertin übt Kritik am Kantonsspital

Noch immer sind sich Kantonsspital und Kinderärzte nicht einig geworden. Die Gesundheitsökonomin Anna Sax über das Konkurrenzumfeld des Spitals und wieso dessen Pläne gegen den Trend sind.
Christopher Gilb
Anna Sax, Gesundheitsökonomin: «Die Fallzahl von kleinen Spitälern ist zu klein.» (Bild: PD)

Anna Sax, Gesundheitsökonomin: «Die Fallzahl von kleinen Spitälern ist zu klein.» (Bild: PD)

Erst kürzlich haben vier Leitende Ärzte das Zuger Kantonsspital verlassen, um sich der Andreas-Klinik in Cham anzuschliessen, was für Aufruhr sorgte. Nun steht die bisherige Betreuung der Neugeborenen (siehe Box) im Spital auf der Kippe. Die Gesundheitsökonomin Anna Sax schätzt die Entwicklungen ein.

Anna Sax, können Sie die Pläne des Spitals bezüglich Neonatologie 2 A nachvollziehen?

Basierend auf dem, was ich bisher in den Medien darüber gelesen habe, sind diese für mich schwer nachvollziehbar. Allgemein sagt man, dass kleinere Spitäler solche spezialisierte Bereiche aus Kosten- und Qualitätsgründen besser an grössere Spitäler delegieren sollten, da ihre Fallzahl einfach zu klein ist.

Das Kantonsspital argumentiert damit, dass die Frauen immer später gebären.

Die Geburtenabteilungen wachsen derzeit, bedingt durch die höheren Geburtenzahlen. Ich denke aber trotzdem, dass es sich bei der Intensivpflege von Früh- und Neugeborenen um ein hoch spezialisiertes Gebiet handelt, das man wenn immer möglich zentralisieren sollte, und mit Luzern ist ein sehr grosses Spital in der Nähe.

Hat das Spital möglicherweise Konkurrenzangst?

Es könnte sein, dass mehr Frauen für die Geburt ein Spital wählen, wo auch die spezialisierte Abteilung vorhanden ist. Aber meiner Erfahrung nach ist es eher so, dass die Frauen dort gebären wollen, wo sie auch wohnen. Das sieht man daran, dass es bei jeder Geburtenabteilung, die in der Schweiz schliesst, Proteste gibt.

Könnten die Pläne auch mit der Konkurrenz zur Andreas-Klinik zusammenhängen?

Es ist möglich, dass man dadurch einen Mehrwert im Geburtenbereich schaffen will, der einem bezüglich Patientenbindung Vorteile gegenüber Konkurrenten verschafft.

Was ist die Herausforderung fürs Kantonsspital in dieser Konkurrenz?

Laut Geschäftsberichten sind 40 Prozent der Behandelten in der Andreas-Klinik privat oder halbprivat versichert. Im Kantonsspital sind es nur 25 Prozent. Das heisst, dass die Andreas-Klinik höhere Honorare zahlen und mit den Privatversicherten die Allgemeinversicherten ein Stück weit quersubventionieren kann. Zudem können sie bis zu einem gewissen Grad auch Patientenselektion betreiben, um die unkomplizierteren, einfacheren Fälle zu erhalten.

Wie läuft diese Selektion?

Gerade die Hirslanden-Gruppe betreibt immer mehr Gesundheitszentren, über die sich Zuweisungen in ihre Spitäler steuern lassen. Bei kleineren Kantonsspitälern kann es schwierig werden, einen guten Patientenmix zu bekommen. Ein besonders komplizierter Fall kann dann schon gravierende ökonomische Auswirkungen haben.

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Hinweis:

Die 58-jährige Anna Sax ist Dozentin für Gesundheitsökonomie an der Berner Fachhochschule, betreibt eine Beratungsfirma in Zürich und ist als Publizistin tätig.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.