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NEONATOLOGIE: Spital legt Ausbaupläne auf Eis

Das Kantonsspital hat einen Entscheid gefällt: Die Verhandlungen mit den Kinderärzten werden nicht weitergeführt, die Ausbaupläne für die Neonatologie gestoppt. Dies aber nicht nur wegen Personalmangels.
Christopher Gilb
Das Zuger Kantonsspital in Baar. (Archivbild: Christian H. Hildebrand/ZZ, Baar, 10. März 2017)

Das Zuger Kantonsspital in Baar. (Archivbild: Christian H. Hildebrand/ZZ, Baar, 10. März 2017)

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Es sorgte für Unruhe, als Anfang Juli bekannt wurde, dass die Betreuung der Neugeborenen im Zuger Kantonsspital in Baar nicht mehr durch die Zuger Kinderärzte im Bereitschaftsdienst abgedeckt ist. Diese zeigten sich nicht bereit, die Pläne des Kantonsspitals, eine eigene Neonatologie-Abteilung Level IIA für Frühgeborene aufzubauen – und in dieser auch tätig zu sein – mitzutragen. Als Grund gaben sie ökonomische sowie Sicherheitsbedenken an. Das Kantonsspital wiederum beharrte auf einer Weiterentwicklung der Neugeborenenbetreuung.

Zuletzt schaltete sich auch die Politik ein: Gesundheitsdirektor Martin Pfister verlangte beispielsweise eine Denkpause und Kantonsräte stellten Kleine Anfragen zum Thema.

Zukünftige Anforderungen unerfüllbar

Doch nun hat das Spital Tatsachen geschaffen. Gemäss gestriger Medienmitteilung wurde beschlossen, die Erweiterungspläne vorerst nicht umzusetzen. «Sie sind auf Eis gelegt», konkretisiert Spitaldirektor Matthias Winistörfer auf Nachfrage. Doch dies nicht nur – und das ist interessant, – weil wie erwartet, die Kinderärzte nicht zur Verfügung stehen und geschultes Pflegepersonal fehlt, sondern auch «weil die Anforderungen an eine Neonatologie Level IIA in den nächsten Jahren voraussichtlich weiter steigen werden». Diese Aussage ist neu. «Es geht darum, dass die Spitalplanung des Kantons Zürich, an der sich die Zuger Spitalplanung bisher orientiert hat, überarbeitet und die Anforderungen bezüglich spezialisierter Neonatologie erhöht werden sollen», so Winistörfer. Falls die Anforderungen dann auch im Kanton Zug steigen würden, sei es unrealistisch, diese zu erfüllen. «So müsste etwa rund um die Uhr ein Kinderarzt mit zusätzlichem Schwerpunkt Neonatologie kurzfristig im Spital zur Verfügung stehen.» Und weshalb beharrte man dann weiterhin auf den Ausbauplänen? «Dies hat sich erst in den letzten zwei Monaten abgezeichnet, und das eigentlich Ausschlaggebende war nicht dieser Umstand, es war einfach unmöglich, spezialisiertes Pflegepersonal zu rekrutieren», sagt er ausweichend. Geld für Investitionen sei aber – obwohl vom Verwaltungsrat gesprochen – keines für die Ausbaupläne ausgegeben worden. «Die Vorgabe war, zuerst qualifiziertes Personal zu finden.»

Basis für Zusammenarbeit untergraben

Auch wenn die Pläne fallen gelassen wurden, eine Zukunft mit der Gruppe der verbliebenen Kinderärzte gibt es trotzdem nicht. Laut Medienmitteilung sei durch die emotionale, in die Öffentlichkeit getragene Auseinandersetzung und der Ablehnung einer zeitgemässen Weiterentwicklung der Geburtshilfe die Basis dafür untergraben worden. In Zukunft würde mit einzelnen Kinderärzten zusammengearbeitet werden, welche der Weiterentwicklung der ärztlichen Betreuung offen gegenüberstehen und dafür neue Impulse geben würden. Doch was heisst das? «Wir wünschen uns Kinderärzte mit Erfahrung und Interesse im Bereich Neonatologie. Das war so nicht bei allen bisherigen Kinderärzten der Fall», sagt Winistörfer. Von fehlender Kompetenz will Raoul Schmid, Vertreter der Kinderärzte, auf Nachfrage nichts wissen. «Ich kann guten Gewissens sagen, dass nach meiner Einschätzung alle Kinderärzte, die sich weiterhin engagieren wollten, auf hohem Niveau die Versorgung der Neugeborenen ab der 35. Schwangerschaftswoche sicherstellen können.» Es überrasche ihn nicht, dass das Spital die Verhandlungen jetzt eigenmächtig abbreche. «Das entspricht unserem Gesamteindruck, erstens waren die Fronten sowieso verhärtet und zweitens wurden wir in die strategische Planung nie eingebunden.»

Mit welchen Kinderärzten das Spital zusammenarbeiten wird, will Winistörfer noch nicht verraten. Dafür müsste erst noch eine Einigung mit diesen erzielt werden. Ziel sei aber, dass die Versorgung wieder so sei, wie sie bis Ende Juni 2017 war. Vorerst wird es also weiterhin keinen Bereitschaftsdienst der Kinderärzte geben. Winistörfer dazu: «Die Kinderärzte mussten bisher erst innert einer halben Stunde im Spital sein, bis dann haben sich der Anästhesist, die Anästhesiepflege, die Hebammen und Fachärzte der Frauenklinik vor Ort um die Neugeborenen gekümmert.» Zudem sei die Baby-Ambulanz für den Transport nach Luzern bei Notfällen innert 20 bis 30 Minuten vor Ort.

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