NEPAL: Baarer Hilfskonvoi kommt voran

Seit gestern ist Judith Schuler in Indien. Die Baarerin bereitet dort einen Konvoi für die Erdbebenopfer vor. Selbst von einem Generalstreik lässt sie sich dabei nicht stoppen.

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Judith Schuler am Mittwoch beim Verhandeln des Salzpreises mit dem Grosshändler in Kalkutta. (Bild: PD)

Judith Schuler am Mittwoch beim Verhandeln des Salzpreises mit dem Grosshändler in Kalkutta. (Bild: PD)

Carole Gröflin

Autos hupen, es herrscht Chaos auf den Strassen. Die Hitze in Kalkutta beträgt über 30 Grad. Die Klimaanlage im Auto bläst schwach, kaum ein Hauch von kühler Luft dringt bis zum Rücksitz vor. Dort sitzt Judith Schuler. «Ich fühle mich gut, ich bin zuversichtlich, dass alles klappen wird. In der Schweiz hatte ich noch gewisse Zweifel», sagt sie gegenüber unserer Zeitung. Die Baarerin ist Geschäftsführerin der Stiftung Usthi.

Am Dienstag flog sie nach Indien, um von dort aus einen Hilfskonvoi ins Erdbebengebiet in Nepal zu organisieren. Das Flugticket nach Indien hatte sie schon länger gebucht. Eigentlich mit einem anderen Plan: Ursprünglich wollte sie in Indien ihrer Partnerorganisation einen Besuch abstatten. Doch dann kam das Erdbeben und sie beschloss, von Indien aus einen Hilfskonvoi zusammenzustellen (Ausgabe vom Dienstag).

45 Tonnen Hilfsgüter

Seit gestern Morgen (Ortszeit) ist sie in Indien und koordiniert vor Ort den Hilfskonvoi. «Wir planen, mit fünf Lastwagen a neun Tonnen am Samstagmorgen loszufahren.» Viele Abklärungen konnten bereits getroffen werden, die Zusammenarbeit mit einer Transportfirma ist aufgegleist. Das stimme sie zuversichtlich: «Es tut gut zu sehen, dass der Hilfskonvoi nun Form annimmt.» Doch diese Vorbereitungen laufen nicht nur reibungslos ab: Morgen findet in Kalkutta ein Generalstreik statt. Somit verzögert sich die Abfahrt. «Immerhin konnten wir aushandeln, dass wir die Güter morgen beladen können obwohl dann auch in Indien der Tag der Arbeit begangen wird und alle frei haben.»

Der Hilfskonvoi hat die Gemeinde Neopane Gaon zum Ziel. Dort unterstützt die Stiftung Usthi gemeinsam mit der Organisation Govinda rund 500 Kinder. Im Gepäck sind diverse Medikamente gegen Durchfall, Antibiotika und Schmerzmittel, Milchpulver, Reis, Linsen, 6000 Liter Wasser, Zelte, Blachen und Tropfen, mit denen Wasser desinfiziert werden kann. Drei Ärzte werden nicht wie geplant mit dem Konvoi mitreisen, sondern direkt nach Kathmandu fliegen. «Wir rechnen immer noch mit den budgetierten 75 000 Franken für den Einsatz», sagt Schuler.

Konvoi wird begleitet

Begleitet wird der Konvoi von Aufsichtspersonen der Transportfirma sowie Personen der indischen Partnerorganisation. «Wir treffen rigorose Sicherheitsvorkehrungen, damit unsere Hilfe auch tatsächlich ankommen wird», versichert die 39-Jährige.

Für einmal nicht nur Negatives gab es gestern indes aus Nepal: Die Strassen sind weitgehend wieder passierbar, so dass man eine Route festlegen konnte. «Sowohl die indische Transportfirma als auch das nepalesische Team vor Ort überprüft laufend den Zustand der Strassen.» Zudem steht die Stiftung Usthi in engem Kontakt mit der nepalesischen Regierung: «Wir haben die Zusicherung der Regierung, dass wir die Grenze ohne Probleme passieren dürfen», beteuert Schuler. Die Ankunft am Sonntagabend sei somit weitgehend sicher.

Doch bis es so weit ist, müssen noch die letzten Vorkehrungen und Einkäufe getätigt werden. «Wir sind auf dem Weg zum Markt, um noch Salz zu kaufen», erzählt Schuler. Und just in dem Moment, als sich der Verkehrstumult zu entwirren scheint, verliert ein Auto vor ihr eine Ladung, so dass sich Dutzende Kartonschachteln auf der Strasse verteilen. Die Weiterfahrt wird sich also noch weiter verzögern.