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Neu in Zug: Familie Dempsey ist begeistert von der Schweizer Bergwelt

Familie Dempsey ist vor einem Jahr aus den USA nach Zug gezogen. Für sie hat sich ein Kreis geschlossen.

Cornelia Bisch
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Fühlen sich wohl in der Schweiz: Lindsay und Ryan Dempsey mit ihren Kindern Lauren und Andrew.

Fühlen sich wohl in der Schweiz: Lindsay und Ryan Dempsey mit ihren Kindern Lauren und Andrew.

Bild: PD

An der Wohnungstür von Familie Dempsey im Zuger Waldhof-Quartier wird man stürmisch begrüsst von der älteren Dackel-Dame Layla, die für ihre 14 Jahre ein beachtliches Temperament zeigt. Die sechsjährige Lauren im rosa Ballett-Kostüm und der bald vierjährige Andrew lächeln offen und freundlich. Lauren kommt tatsächlich direkt vom Ballettunterricht, wie Mutter Lindsay erzählt, während ihr kleiner Sohn das Fussballtraining besucht hat. Die Familie ist vor gut einem Jahr aus Indianapolis im US-Bundesstaat Indiana nach Zug gezogen und hat sich bereits bestens eingelebt. «Zug ist ein faszinierender Ort», schwärmt das junge Paar. «Wir sind sehr glücklich hier.»

In die Schweiz kam die Familie wegen eines Jobangebots für Ryan Dempsey, der im nordamerikanischen Hauptsitz des Unternehmens Roche arbeitete. «Ich wurde von meiner Vorgesetzten angefragt, ob ich mir einen Einsatz in der Schweiz vorstellen könnte», erzählt der 36-jährige Projektleiter. «Sie selbst ist eine Schweizerin, die in die USA ausgewandert ist, und konnte mir viel über ihr Heimatland und Zug erzählen.»

Erst einmal für zwei Jahre bleiben

Das Ehepaar erwog die Vor- und Nachteile und kam zum Schluss, sich auf das Abenteuer einzulassen. «Wir dachten uns, wenn wir das machen wollen, dann am besten, solange die Kinder noch klein sind», erzählt die junge Mutter. Ryan Dempsey bekam einen Zweijahresvertrag bei Roche Schweiz, fand mit Hilfe eines Freundes eine Wohnung und reiste mit der Familie an. «Am Anfang lebten wir in fast leeren Räumen», erinnert er sich. Deshalb hätten sie sich bei Ikea für zwei Wochen quasi einquartiert und fast einen kompletten Hausstand erworben, lacht er. Einige Dinge aus der Heimat wurden per Luft- und Seefracht angeliefert, sodass die Familie bald vollständig eingerichtet war.

Die 35-jährige Lindsay Dempsey ist gelernte Krankenschwester, übt ihren Beruf aber hier in der Schweiz nicht aus. «Nicht mehr berufstätig zu sein, war eine Umstellung für mich», gesteht sie. Da aber ihre beiden, noch kleinen Kinder sie sehr brauchen und mit dem Umzug viel Neues auf die Familie zukam, war und ist sie voll ausgelastet. Ausserdem ist sie dabei, per Online-Kurs das Masterstudium im Pflegebereich zu absolvieren.

Die beiden Kinder fanden an der International School in Baar herzliche Aufnahme, Andrew in der Vorschule, Lauren im Kindergarten, wo beide Deutschunterricht bekommen. Auch ihre Eltern lernen in einem Kurs fleissig Deutsch. Ryan Dempsey spricht an seinem Arbeitsplatz aber fast ausschliesslich Englisch, und auch seine Frau hat vor allem mit englischsprachigen Eltern von Mitschülern ihrer Kinder Kontakt. Diese hätten die Familie mit offenen Armen empfangen und ihr viele Tipps gegeben bezüglich der hiesigen Gepflogenheiten, erzählt sie. Ganz zu Beginn stand ihnen auch ein Coach zur Seite, der ihnen half, sich im Alltag zurechtzufinden.

Liegt hinter dem Zugersee Amerika?

Trotzdem gab’s ganz am Anfang einige amüsante Irritationen. «Die erste Pizza, die ich zu Hause im Ofen backen wollte, verbrannte vollkommen, weil ich die Temperatur in Fahrenheit einstellte», berichtet Ryan Dempsey. Einmal sass die Familie in einer Tiefgarage fest, weil niemand Münzen fürs Ticket dabei hatte und keine Karte akzeptiert wurde. Auch die begrenzten Ladenöffnungszeiten erfordern mehr Planung als in der alten Heimat. «Als wir einmal auf dem Zugerberg waren und hinunter schauten, fragten die Kinder, ob am andern Ufer des Zugersees ihr altes Zuhause liege», erinnert sich ihr Vater. Da sei ihnen klar geworden, dass die Kinder die gewaltige Distanz noch nicht erfassen könnten.

In Indiana lebte die Familie in einer komplett flachen Gegend, in der es oft regnet. «Zudem gab es kältere Winter und heissere Sommer als hier, sodass wir mit dem hiesigen Wetter sehr zufrieden sind.» Absolut fasziniert sind die vier von der Bergwelt, die sie bei Ausflügen so oft wie möglich erleben. «Vor allem die Jungfrauregion sowie die Gegenden um Luzern und Lugano haben es uns angetan», verrät Linsey Dempsey. Hier in Zug verbringt die Familie viel Zeit am See, im Metalli und im Freiruum, wie beide Eltern gleichzeitig in fast akzentfreiem Zugerdeutsch bekräftigen. Sie lieben Röschti, Schnitzel und Cordon bleu, aber auch Fondue und allerlei Schweizer Würste. Der Hobbyfotograf hält die Erlebnisse der Familie bildlich fest und steht in regem Austausch mit den Verwandten zu Hause.

Häufige Besuche aus der Heimat lindern den Trennungsschmerz. Die Begeisterung, die auch Familienangehörige und Freunde für ihren neuen Wohnort äussern, stärken das Vertrauen, das Richtige getan zu haben. «Vielleicht bleiben wir für immer. Mal sehen», sagt Dempsey lächelnd und seine Frau ergänzt: «Durch die Auswanderung sind wir vier uns als Familie näher gekommen. Das ist sehr schön.»

Ryan Dempsey erzählt von der Vergangenheit seiner Mutter, die als 14-Jährige aus Kroatien in die USA ausgewandert sei. «Sie hat mir das Verständnis für europäische Werte und Denkweisen vermittelt. Das hat uns geholfen, uns zurechtzufinden», ist er überzeugt. Die Mutter sei damals via Zürich nach Chicago geflogen, nun sei er auf dem gleichen Weg zurückgekehrt. Nachdenklich stellt er fest: «Es ist, also ob sich ein Kreis schliessen würde.»

In der Serie «Neu in Zug» porträtiert die «Zuger Zeitung» Expats und Neuzuzüger. Die Kontakte hat uns Sandra Herzog, Gründerin der Meet-up-Gruppe «Meeting new friends in Zug» vermittelt.