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Neu in Zug: Mittlerweile fühlt sich Elina Kazina zu Hause

Die 30-jährige Lettin lebt und arbeitet seit über drei Jahren in Zug. Abfallsäcke zu kaufen, war eine der grössten Herausforderungen.

Tijana Nikolic
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Elina Kazina sitzt in ihrem bevorzugten Restaurant Spago in Zug.

Elina Kazina sitzt in ihrem bevorzugten Restaurant Spago in Zug.

Bild: Stefan Kaiser (11. Februar 2020)

Locker kommt Elina Kazina auf mich zu. Die 30-jährige aus Lettland stammende junge Frau ist «Business Casual» gekleidet und hat gerade Mittagspause. Zum Essen geht sie sehr gerne ins Restaurant Spago an der Zuger Bahnhofstrasse (Das Treffen fand vor der Verschärfung der Massnahmen wegen des Corona-Virus statt). Praktisch ist dieses Lokal für sie, weil sie nebenan bei einer Handelsfirma arbeitet. «Seit über drei Jahren wohnt und arbeitet sie jetzt im Kanton Zug. «Zuerst lebte ich im Businesshotel The Nest an der Baarerstrasse. Noch in meiner Probezeit half mir mein Chef eine schöne Wohnung am Zugerberg zu finden», erinnert sich Elina Kazina. Der Chef bürgte für sie in ihrer Probezeit und dafür ist sie ihm heute noch dankbar.

Sie wirkt sehr offen, schlagfertig und humorvoll. Ihre Heimatstadt Riga verliess sie schon vor einer Weile, was nicht ungewöhnlich sei: «In meiner Kultur kommt es oft vor, dass man auswandert und im Ausland arbeiten geht. Manchmal für eine gewisse Zeit, manchmal für immer», sagt Elina Kazina.

Lieber in der Deutschschweiz als in der Romandie

Vor ihrer Zeit in Zug lebte sie in Israel, Frankreich und Genf. Sie hat Naturwissenschaften studiert und ihren Master in Physik gemacht. «Irgendwann wollte ich nicht mehr weiterstudieren oder in einem Labor arbeiten. Ich wollte in die weite Welt hinaus», erklärt sie. Zielstrebig suchte sie passende Jobangebote, bei denen sie ihr Wissen aus den Naturwissenschaften einsetzen konnte. Sie fand eine Anstellung in Genf bei einer Handelsfirma für natürliche Ressourcen. Dass sie Französisch aus ihrer Zeit in Frankreich konnte, war ein zusätzlicher Pluspunkt. So ganz gepasst hat es trotzdem nicht: «Der Job selber gefiel mir schon. Ich wollte aber Deutsch lernen», führt Elina Kazina aus. Ein paar Mal war sie in ihrer Freizeit in der Deutschschweiz gewesen, was ihr viel besser gefallen hätte. Alles sei viel strukturierter und organisierter als im französischen Teil der Schweiz. Sie sagt lachend:

«Lettland war lange deutsche Kolonie. Vielleicht fühlte ich mich deshalb im deutschen Teil wohler.»

Nach langer Unterhaltung auf Englisch einigen wir uns, auf Deutsch weiter zu sprechen. Kazinas Hochdeutsch ist nicht perfekt, jedoch sehr gut. Die Unterhaltung ist flüssig und wir verstehen einander.

An der Schweiz liebt sie die Berge. In Lettland liege der höchste Punkt 300 Meter über dem Meer. «Ich denke nicht, dass ich jemals wieder ohne die Berge leben könnte», gesteht Elina Kazina. Deswegen ist sie in ihrer Freizeit oft auf dem Zugerberg oder am Zugersee. An den Schweizern sei ihr aufgefallen, dass viele Verabredungen mit Freunden weit im Voraus machen. Die Spontanität fehle ihr etwas. «Um tiefe Freundschaften zu knüpfen, braucht es eine gewisse Zeit», findet die Lettin. Deswegen sei sie in mehreren Meet-up-Gruppen und hätte mittlerweile drei bis vier gute Schweizer Freunde, zwei davon auch aus Zug.

Sie ist engagiert und in der Organisation vom Toastmasters Club Zug aktiv – eine Gruppe von Leuten, die durch intensive Gespräche ihr Englisch verbessern und auch neue Leute kennen lernen wollen. «Einmal in der Woche trainiere ich ausserdem an der Kantonsschule Netzball», sagt Elina Kazina weiter. Dies sei eine Mischung zwischen Volleyball und Basketball. «Ich wollte etwas Neues ausprobieren. Nämlich neue Leute bei einer Aktivität treffen und nicht nur bei einem Drink am Abend in einer Bar.»

Fremdenfeindlichkeit hat sie in Zug nie erfahren

Einmal im Jahr versucht sie, nach Hause zu reisen. «Meine Mutter wohnt noch in Lettland, weil sie dort Geschäftsführerin einer grossen Firma ist. Mein Vater und mein Bruder leben in England», sagt sie. Sie habe sich noch keine Gedanken gemacht, ob sie für immer in der Schweiz leben möchte. Sie fühle sich hier aber «total zu Hause. Am wenigsten vermisse ich die Winter in Lettland mit Temperaturen um die minus 30 Grad», sagt Elina Kazina. Nebst Fondue und Raclette liebe sie Zuger Kirsch. «Bei Geschäftsreisen muss ich immer eine Flasche mitbringen», erzählt sie und schmunzelt wieder. Sobald möglich, möchte sie die Kantone Jura, Glarus oder das Appenzell bereisen, weil sie da noch nicht gewesen sei. «Die Schweiz ist wegen ihrer Grösse ideal, um Wochenendausflüge in andere Kantone zu machen.»

Fremdenfeindlichkeit hat sie in der Schweiz nie erlebt: «Die einzige unangenehme Situation war, als ich neu in Zug lebte und Abfallsäcke kaufen wollte. Leider hatte ich keine Ahnung, wie ich das zur Kassiererin auf Deutsch erklären soll», erinnert sie sich. Sie hätten ein paar Minuten auf einander eingeredet, kamen aber auf keinen gemeinsamen Nenner. «Die Sprache war eigentlich die grösste und einzige Hürde bei meinem Zuzug nach Zug», schildert sie. Diese Hürde hat sie allem Anschein nach schnell überwunden.

In der Serie «Neu in Zug» porträtiert die «Zuger Zeitung» Expats und Neuzuzüger. Die Kontakte hat uns Sandra Herzog, Gründerin der Meet-up-Gruppe «Meeting new friends in Zug» vermittelt.