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Neu in Zug: Sie haben sich in See und Berge verliebt

Kiran Sekhon und Sjef Tijssen leben seit einem Jahr in Zug – mit einem ehrgeizigen Ziel.

Harry Ziegler
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Kiran Sekhon und Sjef Tijssen an einem ihrer Lieblingsorte in der Seebadi Seeliken in Zug.

Kiran Sekhon und Sjef Tijssen an einem ihrer Lieblingsorte in der Seebadi Seeliken in Zug.

Bild: Stefan Kaiser (5. Juni 2020)

Zwar ist das Wetter beim Fototermin mit Kiran Sekhon (32) und Sjef Tijssen (31) nicht besonders sommerlich, aber die Bilder entstehen an einem ihrer Lieblingsorte in Zug, im Seebad Seeliken. Und damit am Zugersee, den beide nicht mehr missen möchten. Die US-Amerikanerin Kiran Sekhon, die in Indien geboren wurde und der Niederländer Sjef Tijssen leben seit einem Jahr in der Stadt Zug. Vorher haben sie drei Jahre lang in Basel gelebt. Auf die Unterschiede zwischen Basel und Zug angesprochen lächeln beide. «In Basel musste man die Natur suchen, in Zug gibt es sie vor der Haustüre», sagt der ausgebildete Wirtschaftsprüfer Sief Tijssen.

Überhaupt hat es die Natur den beiden angetan. An Zug lieben sie die Nähe zu den Bergen, vor allem aber haben sie sich in den Zugersee verliebt. Zwar seien sie in Basel regelmässig im Rhein schwimmen gegangen. Das Baden in einem Fluss ist aber nicht zu vergleichen mit dem Schwimmen im Zugersee. «Wir haben eine Art Ritual», sagt die 32-jährige Bioingenieurin Kiran. In den wärmeren Monaten gehen sie und ihr Ehemann Sief samstags und sonntags frühmorgens in die Seebadi Seeliken, um ungestört im See zu schwimmen. Das sei entspannend und belebend zugleich. Begeistert sind die beiden vom Leben in Seenähe vor allem deshalb, weil sie dies zum ersten Mal in ihrem Leben tun. Überhaupt sehen sie das Leben in Zug als entspannter an, als im Ausland, wo sie herkommen. «Im Sommer gibt Zug einem das Feriengefühl – einen Aperitif in der Hand, die Zehen im Wasser und Sicht in die Berge. Was könnte man mehr haben wollen», lacht Kiran.

Aber nicht nur Wasser auch die Berge sind für das Ehepaar Orte, die ihnen viel bedeuten. «Basel ist ja relativ flach», sagt Kiran Sekhon, die die Schweiz 2014 im Rahmen einer Geschäftsreise ihres damaligen Arbeitgebers kennen lernte. Sie besuchte die Rigi, und die Aussicht war so «wunderschön, dass ich mir vorstellen konnte, hier zu leben», schwärmt sie. «Allerdings war da Sief noch nicht in mein Leben getreten.» Sie sagt, sie hätte Glück, dass ihr Mann ebenso denke wie sie. Die Nähe Zugs zu den Bergen habe die Spontanität wieder in ihr Leben gebracht. «Diese fehlt in der Schweiz manchmal.» So hätten sie sich eines Sonntagmorgens während des Frühstücks entschieden den Grossen Mythen zu besteigen. «Wir haben uns gewünscht den bekannten Mythenläufer ‹der Mensch› zu treffen. Das hat leider nicht geklappt», sagt Kiran.

Alle SAC-Hütten der Schweiz einmal besuchen

Die beiden sind inzwischen begeisterte Berggänger. «Wir sind schon, als wir noch in Basel lebten hin und wieder in den Bergen gewesen», sagt Sief. Und Kiran ergänzt, dass sie es kaum erwarten können, dieses Jahr wieder in den Bergen wandern zu können. Beide lieben es, in Alpwirtschaften einzukehren. Und sie lieben ebenfalls Alpkäse, den sie regelmässig von ihren Touren heimbringen. Den beiden gefallen die SAC-Hütten besonders. «Sie sind ein Geheimtipp der Einheimischen und für uns ein toller Ort, an dem wir Schweizer Familien kennen lernen können», erklärt Sjef. «Wir wollen irgendwann alle SAC-Hütten in der Schweiz besucht haben», berichtet Kiran. In ersten Hütten seien sie bereits gewesen. Überall hätte man sie herzlich empfangen, sie hätten schnell Anschluss gefunden. Etwas, das in Zug schwerer möglich ist. «Nicht wegen der Menschen, sondern wegen unserer Jobs», erklärt Kiran. Sie arbeitet für eine Pharmafirma in Luzern, Sjef für ein Start-up in Zürich. Das sei in Basel etwas einfacher gewesen, da habe vor allem sie zahlreiche Schweizer Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen gehabt. Es erstaunt das Ehepaar immer wieder, wie viele Expats es in Zug gibt – aus aller Herren Ländern. Anders in Basel: Dort hätten die Expats vor allem aus Frankreich und Deutschland gestammt.

Positiver Eindruck vom öffentlichen Verkehr

Erstaunt sind beide aber auch über die Kritik der Schweizer an ihrem öffentlichen Verkehr. Unpünktlich und unzuverlässig sei er – das sehen die zwei anders, sauber, zuverlässig und schnell ist ihr Eindruck vom einheimischen ÖV.

Kiran und Sjef schwärmen beide aber auch von der Work-Life-Balance, die hier noch stimme. Acht, neun Stunden wird konzentriert gearbeitet, dann ist aber auch fertig damit. In San Francisco, wo beide vorher gewohnt haben, waren sie kaum vor 19 Uhr zu Hause – wegen der langen Arbeitstage und des Pendelns. «Als wir zuerst hierher gezogen sind, mussten wir neue Hobbys finden, da wir schon um 17 Uhr zu Hause waren», lächelt Sjef. Oder wie Kiran es bezeichnet: «Wir sind für die Natur gekommen, geblieben sind wir für die Work-Life-Balance.»

In der Serie «Neu in Zug» porträtiert die «Zuger Zeitung» Expats und Neuzuzüger. Die Kontakte hat uns Sandra Herzog, Gründerin der Meet-up-Gruppe «Meeting new friends in Zug» vermittelt.

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Neu in Zug: Wie Zuzüger hier leben

In der Serie «Neu in Zug» porträtiert die «Zuger Zeitung» Expats und Neuzuzüger. Die Kontakte hat uns Sandra Herzog, Gründerin der Meet-up-Gruppe «Meeting new friends in Zug» vermittelt.