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Neu in Zug: Sie hat dank Firma und Familie eine zweite Heimat gefunden

Die Arbeit führte sie nach Zug, die Liebe zum Segeln liess sie bleiben: Alison Hinde aus Grossbritannien hat ein zweites Zuhause gefunden.

Laura Sibold
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Alison Hinde fühlt sich am Zuger Hafen, wo sie mittlerweile auch ihre eigene Jolle hat, sichtlich wohl.

Alison Hinde fühlt sich am Zuger Hafen, wo sie mittlerweile auch ihre eigene Jolle hat, sichtlich wohl.

Bild: Maria Schmid (25. Mai 2020)

Sie ist auf den ersten Blick ein Expat, wie er im Buche steht. Die gebürtige Engländerin Alison Hinde hat bereits in Paris und Antwerpen gelebt und reist für ihr Leben gern. «Ich mag es, wenn etwas läuft, und treffe Entscheide daher oft aus dem Bauch heraus», sagt Hinde, die seit rund vier Jahren in Zug wohnt.

Erstmals mit der Schweiz in Kontakt kam sie in England, als ihre Familie an der Südküste in Bournemouth zwei Schweizer Sprachschüler aufnahm. Die Familie lebte in einem grossen Haus direkt am Wasser, mit Segeljollen. Ihr grosses Hobby, das Segeln, gab Hinde vorübergehend auf, als sie vor sechs Jahren wegen der Firma ihres Mannes in die Schweiz kam. Die Familie lebte zunächst in Wengen, wo ihre zwei Kinder in die örtliche Schule gingen und die 50-Jährige als Skilehrerin arbeitete. Dort war sie auch Mitglied im DHO, dem «Downhill only Skiclub», der jeden Januar in Murren das längste Amateur-Abfahrtsrennen der Welt durchführt.

Ihr Zuger Start-up hilft in der Krise

Die Familie zog kurz darauf aufgrund beruflicher Verpflichtungen nach Zug und die Kinder besuchten bald ein Internat in Dublin. «Zug wurde immer wichtiger, bis ich vor zwei Jahren hier auch mein Start-up gründete», erklärt Alison Hinde. Ihre achtköpfige Proactively GmbH stellt Firmen eine Mobile-Reporting-App zur Verfügung, die zur Prozessoptimierung und Datenanalyse dient. Die ehemalige EHS-Managerin ist auf Umweltmanagement, Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit spezialisiert. Natürlich spielt die Sicherheit der Menschen bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz nach der Coronakrise derzeit eine grosse Rolle in ihrer Softwarelösung. «Wir machen mittels bewährter Verfahren einfache, praktische Checklisten, die am Arbeitsplatz verwendet werden können», erklärt sie. Alison Hinde wohnt inzwischen in der Stadt Zug und empfindet dies als wertvoll:

«Ich liebe es, mitten im Zentrum
von allem zu sein. In zwei Minuten bin ich am See und sehe die Berge.»

«Da ich viel im Homeoffice arbeite, zieht es mich mehrmals täglich für einen Spaziergang nach draussen.» Die lebhafte Engländerin tauscht sich gerne mit anderen aus und hat aus diesem Grund das IOSH Swiss Network gegründet, eine Plattform für Gesundheits- und Sicherheitsfachkräfte. Alison Hinde spricht zwar Deutsch, fühle sich in ihrer Muttersprache aber noch wohler. Seit kurzem ist sie Mitglied im Yacht Club Zug und sieht darin eine Möglichkeit, um besser Deutsch zu lernen. Vor allem aber ist es eine Rückkehr zu ihrem geliebten Hobby. Mit leuchtenden Augen erzählt Hinde von ihrer 420er-Jolle, die im Zuger Hafen liegt.

Dank dem Virus wieder vereint

Seit zwei Monaten ist die Familie wieder beisammen. Denn die herrschende Unsicherheit wegen des Coronavirus macht eine Rückkehr ins Internat in Dublin für Hindes Kinder Alex (15) und Emma (16) schwierig. Aus diesem Grund besuchen sie ab August die International School in Zug. «Die Familie wieder da zu haben, ist unglaublich wertvoll», findet Alison Hinde.

Sie und ihre Familie haben ihren Lebensstil radikal verändert. Statt in dem grossen Haus im Süden Englands lebt die Familie jetzt in einer Zuger Kleinstadtwohnung und fährt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln statt mit dem Auto. «Unsere Werte haben sich gewandelt. Wir sind glücklich und brauchen weniger als früher. Die Wohnung und das Beiboot auf dem See machen uns glücklich.» Der einstige Expat hat in Zug eine zweite Heimat gefunden.

In der Serie «Neu in Zug» porträtiert die «Zuger Zeitung» Expats und Neuzuzüger. Die Kontakte hat Sandra Herzog, Gründerin der Meet-up-Gruppe «Meeting new friends in Zug» vermittelt.

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Neu in Zug: Wie Zuzüger hier leben

In der Serie «Neu in Zug» porträtiert die «Zuger Zeitung» Expats und Neuzuzüger. Die Kontakte hat uns Sandra Herzog, Gründerin der Meet-up-Gruppe «Meeting new friends in Zug» vermittelt.