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Neu in Zug: Svitlana Misa und Alessandro Vitale ziehen von der Grossstadt ins dörfliche Hünenberg

Vor gut drei Jahren ist Alessandro Vitale in den Kanton Zug gezogen. Seine Freundin Svitlana Misa folgte ihm.

Andrea Muff
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Svitlana Misa und Alessandro Vitale fühlen sich in Hünenberg sehr wohl.

Svitlana Misa und Alessandro Vitale fühlen sich in Hünenberg sehr wohl.

Bild: Maria Schmid (17. Juli 2020)

Schokolade, Fondue und Älplermagronen gehören zur Schweiz und dürfen bei einem touristischen Angebot bekanntlich nicht fehlen. So erging es auch Svitlana Misa und Alessandro Vitale, als sie mit Schiff und Zahnradbahn auf die Rigi reisten, um die Aussicht zu geniessen, und dafür ein solches Angebot nutzten. Alles sei wunderbar gewesen, bis zum Mittagessen. Älplermagronen wurden aufgetischt. Für den Sizilianer Alessandro Vitale zu viel:

«Ich liebe die Schweiz und bin beim Essen eigentlich gar nicht wählerisch, aber das konnte ich nicht essen. Warum macht man das? Pasta, Rahm, geröstete Zwiebeln und dann noch süsses Apfelmus.»

Der 35-Jährige versteht die Kombination bis heute nicht, als er in seinem Wohnzimmer von der Erfahrung erzählt. Vor drei Jahren ist er nach Zug ausgewandert. Ein Jahr später folgte ihm seine Freundin Svitlana Misa, die sich Lana nennt und in der Ukraine geboren ist. Heute wohnen die beiden zusammen in Hünenberg. «Kennen gelernt haben wir uns vor vier Jahren in Belgien», erzählt Lana Misa. Am Anfang sei es eine Fernbeziehung gewesen – teilweise über verschiedene Zeitzonen hinweg – und keiner von ihnen habe so richtig daran geglaubt, dass die Beziehung halten werde.

Manchmal vermissen sie die Grossstadt

Als die 32-Jährige ihrem Freund in die Schweiz folgte, um endlich mit ihm zusammen leben zu können, fühlte sie sich zu Beginn ziemlich einsam. «Während Alessandro gearbeitet hat, war ich zu Hause. Ich kannte niemand und Hünenberg ist ja auch nicht gerade eine Grossstadt», erinnert sie sich und fügt hinzu: «Die Wohnung war leer, die Möbel fehlten noch.» Auch ihr Freund vermisst manchmal den «Hype» der Grossstadt, wie Vitale erzählt. Aufgewachsen ist er in Catania und hat neben Brüssel auch ein halbes Jahr in Florida gelebt. Inzwischen haben die beiden Expats aber Freunde in der Schweiz gefunden. Vor allem das Netzwerk der Meet-up-Gruppe «Meeting new friends in Zug» habe ihnen dabei geholfen.

Unglaubliches Gefühl, auf dem Gipfel zu sein

Auch beim Wandern treffen die beiden viele Menschen. «Ich finde das so sympathisch, dass sich alle beim Wandern grüssen», sagt Lana Misa und betont das unglaubliche Gefühl, nach der Anstrengung endlich auf dem Gipfel anzukommen. «Wandern ist wie das Leben. Man muss sich anstrengen, wenn man weiterkommen will», erklärt Misa. Für dieses Jahr haben sich die beiden zum Ziel gesetzt, die Schweiz noch mehr zu erkunden und zu erwandern. «Wir haben die Möglichkeit, dieses Land kennen zu lernen und die wollen wir unbedingt packen, wenn wir schon hier sind», fasst die Ukrainerin zusammen.

Die beiden Auswanderer schätzten an der Schweiz die Sicherheit und den öffentlichen Verkehr. «Der ist mit Italien nicht zu vergleichen», gibt Vitale lachend zu. Natürlich machten die beiden auch mit auf den ersten Blick für sie ungewöhnlichen Schweizer Begebenheiten Bekanntschaft. «Dass man beispielsweise nach 10 Uhr abends kein Geräusch machen darf oder es verboten ist, einen Hund zu haben, wenn man diesen länger als sechs Stunden alleine in der Wohnung lässt», zählt Vitale mit einem Schmunzeln auf.

Damit das Paar in Hünenberg nicht über die Stränge schlägt, soll ihre Hochzeit in Italien stattfinden. Ohne Corona hätte es dieses Jahr so weit sein sollen, nun verschiebt sich das Fest um ein Jahr. «Ich hoffe, das klappt nächstes Jahr», sagt Lana Misa. Bei aller Liebe zur Schweiz werden aber die Älplermagronen wohl nicht auf der hochzeitlichen Menukarte stehen.

In der Serie «Neu in Zug» porträtiert die «Zuger Zeitung» Expats und Neuzuzüger. Die Kontakte hat uns Sandra Herzog, Gründerin der Meet-up-Gruppe «Meeting new friends in Zug», vermittelt.

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