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NEUÄGERI: Hinter den alten Mauern ist einiges los

Der Ort liegt eingekesselt zwischen Hügeln und Bäumen, viele kennen ihn nur vom Vorbeifahren. Doch für Firmen ist der Standort ideal. Nun wird der Weiler auf halbem Weg ins Ägerital auch gastronomisch zusätzlich belebt.
Rahel Hug
Trotz Nebel und Schatten beliebt bei vielen Firmen: das Gebäude der ehemaligen Spinnerei in Neuägeri. (Bild: Jakob Ineichen (2. Februar 2017))

Trotz Nebel und Schatten beliebt bei vielen Firmen: das Gebäude der ehemaligen Spinnerei in Neuägeri. (Bild: Jakob Ineichen (2. Februar 2017))

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

Der Weiler Neuägeri ist nicht viel mehr als eine Ansammlung von Häusern entlang einer Strasse. Oft hängt hier der Nebel tief über den Dächern, und wenn die Sonne einmal scheint, gelangen ihre Strahlen nur begrenzt in das enge Tal der Lorze, in dem der von Wald und Hügeln umgebene Ort liegt. Verkehrslärm ist hier an der Tagesordnung, ein Zentrum oder ein gemütliches Plätzchen zum Verweilen im Freien sucht man vergebens.

Doch wer denkt, in Neuägeri sei nichts los, liegt falsch. Unter anderem findet man hier mehrere Autogaragen, Bauunternehmen und sogar ein Katzenhotel sowie einen Imbiss-Wagen. Im Restaurant Schmidtli am unteren Ende der Siedlung gibts Cordon-Bleus, und auch im «Rössli» an der Zugerstrasse können Einheimische oder Gäste auf der Durchfahrt einkehren. Seit kurzem gibt es in Neuägeri ein weiteres Angebot für die Öffentlichkeit. Im alten Spinnereigebäude aus dem Jahr 1846 besteht seit letztem November die «Spinni Event & Lounge». Auf 650 Quadratmetern im vierten Stock organisieren Stephan Heller und sein Team verschiedene Anlässe wie Livekonzerte, Theaterabende oder Brunches. Die Räumlichkeiten können auch für Firmen-Events, Hochzeiten oder Geburtstage gemietet werden und bieten Platz für 200 Personen. «Ziel war es, den grossen Raum vermehrt für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen», berichtet Geschäftsleiter Heller. Zuvor gehörte die Fläche zum Wohndesign-Unternehmen Trendline, das bereits seit 1990 im denkmalgeschützten Gebäude beheimatet ist. «Es ist eigentlich verrückt, viele fahren hier vorbei und wissen nicht, was sich hinter diesen historischen Mauern verbirgt», sagt Heller. Das soll sich nun ändern. Und es läuft bislang sehr gut, wie der Geschäftsleiter bestätigt. «Ein Country- und ein Ländler-Abend haben bereits stattgefunden. Diese Anlässe waren ein Erfolg.» Für Leute ab 35 gebe es im Ägerital nur wenig Möglichkeiten, in den Ausgang zu gehen, sagt Heller. Anfragen für Hochzeitsfeiern erhält der Chef des neuen Eventlokals derzeit fast täglich. Angesprochen auf die eher triste Atmosphäre im Weiler Neuägeri erklärt Heller: «Der Standort hier ist ideal. Man kann in Ruhe Feste feiern, es hat viele Parkplätze und eine Bushaltestelle, mit dem Taxi ist man schnell in Zug und im Ägerital.» Ausserdem sei die spezielle Atmosphäre in der «Spinni» ein grosser Pluspunkt. «Das historische Ambiente ist toll. Die Räume erzählen eine Geschichte. Das fasziniert die Leute.»

Modeatelier und Fotostudio

Stephan Heller ist nicht der Einzige, der in Neuägeri ein inspirierendes Arbeitsumfeld gefunden hat. Im Frühjahr 2016 liess sich Mirjam Roosdorp mit ihrem Modeatelier in der «Spinni» nieder. Hier teilt sie die Räumlichkeiten mit Produktdesignerin Patricia Rogenmoser. Gemeinsam führen die beiden Frauen den «Laden Nº195». Zuvor war Roosdorp während 20 Jahren am Landsgemeindeplatz in Zug ansässig. Was hat sie zum Umzug nach Neuägeri bewogen? «Da ich mehr Platz benötigte, habe ich mich entschlossen, etwas Neues zu suchen», berichtet die Modedesignerin. Sie habe immer von einem grossen, alten Fabrikraum geträumt und diesen in Neuägeri gefunden. Die Frequenz der Laufkundschaft am Landsgemeindeplatz sei schlecht gewesen, ergänzt Roosdorp. «Hier in Neuägeri habe ich quasi Fahrkundschaft.» In der Zeit, seit sie hier sei, habe sie viel mehr neue Kundinnen gewonnen als in Zug. «Mein neuer Standort ist also Gold wert.» Ein ähnliches Objekt wäre in der Stadt Zug nicht zu finden, ist sie überzeugt.

Zufrieden mit seinem Arbeitsumfeld ist auch Reto Jehli, der hier seit zehn Jahren ein Fotostudio besitzt. In Neuägeri fehle eigentlich kein Zentrum, denn das Geschäftsgebäude bilde das Zentrum, sagt der Fotograf. Die Atmosphäre sei ideal für ein Fotostudio. «Zudem sind viele Parkplätze vorhanden, und die Infrastruktur ist gut.» Der Standort liege zentral, und jeden Tag würden Tausende Autos vorbeifahren. «Für Dienstleistungsfirmen wie uns ist das ideal.»

Laut Walter Hürlimann, Technischer Verwalter bei der SAE Immobilien AG, der die ehemalige Spinnerei gehört, legt man Wert auf einen guten Mietermix. Von der Künstlerin bis zum Treuhandbüro ist auf insgesamt zirka 4800 Quadratmetern alles vertreten. «Die verschiedenen Firmen sollen Synergien nutzen können», sagt Hürlimann. Rund zehn verschiedene Mieter sind laut seinen Informationen aktuell in der «Spinni» beheimatet. Dazu kommen die Nutzer von zirka 20 Lagerräumen, die sich im fünften und sechsten Stock befinden. Die Nachfrage sei konstant und gross, bestätigt der Verwalter. «Wir hatten nie Mühe, die Räume zu vermieten, es kommt sogar vor, dass wir Wartelisten führen müssen.»

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