NEUÄGERI: Liebreiz an der Nebelgrenze

Monika Schönenberger arrangiert in und um ihr Haus herum mehrere Weihnachtsfenster. Die zahlreichen Menschen- und Tierfiguren vereinen eine Besonderheit.

Raphael Biermayr
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Monika und Armin Schönenberger mit ihrer Weihnachtskrippe.Bild: Stefan Kaiser (Neuägeri, 20. Dezember 2016)

Monika und Armin Schönenberger mit ihrer Weihnachtskrippe.Bild: Stefan Kaiser (Neuägeri, 20. Dezember 2016)

Die Siedlung Neuägeri und der Begriff liebreizend lassen sich für Aussenstehende nur schwer übereinbringen. Der einstige Spinnereistandort hat seinen Glanz längst verloren. Die Sonnenstrahlen fallen selten auf die Häuser in dieser Enge; und dieser Tage bildet der von der stark befahrenen Strasse zerschnittene Weiler die Nebelgrenze.

Die Lichter von Weihnachtsdekorationen bringen aber selbst in diese Ecke des Kantons etwas Wärme. Besonders auffällig sind die Weihnachtsfenster des Hauses direkt hinter der talwärts gelegenen Bushaltestelle Rössli. Hier wohnt Monika Schönenberger. Die 60-Jährige präsentiert gleich vier Arrangements: zwei in Fenstern des Hauses, je eine im Garagenfenster und in einem von ihrem Mann eigens gezimmerten Häuschen im Garten. Sämtliche Figuren hat Schönenberger selbst gefertigt. Über die Jahre sind über 100 Figuren zusammengekommen, wenn man jene in einer Vitrine im Haus mitzählt. Sie sind in der bekannten Schwarzenberger Art gehalten, das heisst, sie haben keine oder nur angedeutete Gesichter.

Ausdruckslos sind sie deshalb keineswegs. Das liegt an der verblüffenden Detailverliebtheit Schönenbergers, die sich erst nach längerem Hinsehen offenbart. So trägt beispielsweise jede ein anderes Paar Schuhe aus Leder, deren Herstellung bildet gemäss Schönenberger den aufwendigsten Teil einer Figur. Ausserdem haben einige Figuren Taschen oder Beutel umgehängt, eine hält sogar eine Panflöte in der Hand. Bis auf ein paar Gegenstände aus Metall und Ton hat Schönenberger auch die Accessoires selbst hergestellt. Tiere dürfen natürlich nicht fehlen: Ihrer Erschafferin zufolge stehen 80 Esel, Kamele und Schafe zum immer wieder neuerlichen Arrangieren zur Verfügung. Letztere gibt es in Weiss aus Filz und in Braun aus Fell.

Schönenbergers grosse Bastelleidenschaft ist anderen nicht verborgen geblieben. Erst am vergangenen Montag habe ein fremdes Paar ihr für die Fenster gedankt und ihr einen Blumenstrauss überreicht. Neue Figuren fertige die pensionierte Krankenpflegerin indes nicht mehr, «auch nicht, wenn mich jemand danach fragen und dafür bezahlen würde», hält sie fest. Ihre Geschwister kamen bereits in den Genuss von Geschenken in Form von Josef, Maria und dem neugeborenen Jesus. Die Motivation der pensionierten Krankenpflegerin für die Fensterzierde ist in erster Linie nicht religiös begründet – sie ist schlichtweg ein «Weihnachtsfan». Doch nicht nur das: Auch am 1. August oder an der Fasnacht lässt sich Monika Schönenberger etwas Besonderes einfallen, um etwas Liebreiz nach Neuägeri zu bringen.

Raphael Biermayr
raphael.biermayr@zugerzeitung.ch