Neue Coronamassnahmen im Kanton Zug: Oberstes Ziel ist kein weiterer Lockdown

Der Kanton Zug bereitet sich mit einem Massnahmenkonzept auf eine möglich zweite Corona-Welle vor und nimmt dabei Vorreiterrolle ein.

Cornelia Bisch
Drucken
Teilen
Gesundheitsdirketor Martin Pfister setzt auf die Mitarbeit der Bevölkerung.

Gesundheitsdirketor Martin Pfister setzt auf die Mitarbeit der Bevölkerung.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 19. März 2020)

Mit dem erklärten Wechsel des Bundes in der Coronakrise von einer «ausserordentlichen» zur «besonderen» Lage erhalten die Kantone wieder eine grössere Autonomie in ihren Handlungen, stehen aber dementsprechend auch in der Pflicht, rechtzeitig die nötigen Schutzmassnahmen zu ergreifen. Deshalb entwickelte der Kanton Zug ein eigenes Monitoring- und Massnahmenkonzept, welches letzte Woche vom Regierungsrat genehmigt wurde. Laut Gesundheitsdirektor Martin Pfister nimmt der Kanton Zug damit eine Vorreiterrolle ein. Das Konzept diene andern Kantonen als Vorlage.

Es beinhaltet ein Alarmsystem, das einerseits auf den Fallzahlen der jeweils letzten sieben Tage und auf dem Ausmass von deren Zunahme beruht (siehe Box). Ausserdem werden im Konzept Massnahmen formuliert, die beim Erreichen der jeweiligen Stufen ergriffen werden müssen.

«In den letzten Tagen hat sich die Situation im Kanton Zug etwas verschärft», berichtet Pfister. Während die übrige Schweiz noch auf Phase grün stehe, sei er bereits auf orange gerutscht, was laut Konzept die Ergreifung erster Massnahmen erfordere.

«Unser oberstes Ziel ist es, einen weiteren Lockdown zu verhindern. Wir setzten auf das Verständnis und die Mitarbeit der Bevölkerung und greifen nur dort ein, wo es am zielführendsten ist.» Nämlich bei grösseren Menschenansammlungen. «Wir haben festgestellt, dass wir mit dem Contact Tracing rasch an Grenzen stiessen, wenn Betroffene sich in verschiedenen, grösseren Gruppen bewegt hatten.»

Kleinere Gruppen, besserer Schutz

Phase orange sieht eine Reduktion der Versammlungszahlen vor. «In Innenräumen von Restaurants, Bars, Clubs und ähnlichen Lokalen, in denen die Konsumation nicht ausschliesslich sitzend an Tischen erfolgt, dürfen gleichzeitig höchstens 30 Personen anwesend sein», führt der Gesundheitsdirektor aus. In den Aussenbereichen dieser Lokale seien gleichzeitig höchstens 70 Personen gestattet, insgesamt als höchstens 100.

«In jedem Fall müssen zusätzlich die Kontaktdaten aufgenommen werden.»

Bei Veranstaltungen mit über 300 Anwesenden muss entweder der erforderliche Abstand eingehalten werden können oder es herrscht Maskenpflicht. «Können diese beiden Massnahmen nicht eingehalten werden, so darf der Anlass nicht stattfinden.» Bei Veranstaltungen von 30 bis 300 Personen müsse eine Unterteilung in Sektoren mit höchstens 30 Personen in Innenräumen und höchstens 100 Personen im Freien vorgenommen werden, sollten weder der Abstand eingehalten noch Masken getragen werden können. Die Unterteilung in Sektoren gelte nicht bei Versammlungen im Familien- oder Freundeskreis, wohl aber die Pflicht der Kontaktdatenaufnahme. Auch die Vorsichtsmassnahmen in Heimen und Spitälern werden verschärft und die Vorbereitungen auf eine mögliche Belegungsspitze intensiviert.

«Das Problem bei einer Pandemie ist ja, dass es meist schon zu spät ist, wenn man deren Auswirkungen bemerkt», bringt es Pfister auf den Punkt. Dem Monitoring kommt also seiner Ansicht nach eine bedeutende Rolle zu.

«Da wir dank unserem Contact Tracing praktisch immer wissen, wo sich positiv getestete Personen angesteckt haben, kennen wir die Infektionsketten gut. Daraus können wir ableiten, wo wir gezielt eingreifen müssen, um weitere Ansteckungen zu verhindern.»

Zug stehe ferner in ständigem Austausch mit anderen Schweizer Kantonen und dem Bund. Wichtig ist dabei der Austausch mit den Fachleuten und unter den Kantonsärzten.

Bei Regelverstössen kann es Bussen geben

Er sei sich bewusst, dass sich in der Bevölkerung ein gewisser Überdruss gegen einschränkende Massnahmen breit gemacht habe, stellt Pfister klar. «Dafür habe ich Verständnis.» Nichtsdestotrotz sei es nun besonders wichtig, dass die Menschen sich freiwillig an die Hygiene- und Schutzmassnahmen halten würden. «Damit wollen wir ja gerade einschneidendere Massnahmen verhindern.»

Unter den Rückkehrern aus Quarantäne-Ländern werde es Stichproben geben. «Auch hier ist es absolut notwendig, dass sich die Leute bei Symptomen melden und sich in jedem Fall in Quarantäne begeben.» Personen, die sich nicht vorschriftsgemäss verhalten habe, erwarte sie eine Busse von beträchtlicher Höhe. «Diese kann maximal 10000 Franken betragen.»

Bei der Durchsetzung der Massnahmen spiele die Polizei eine wichtige Rolle, so Pfister weiter. Sie habe sich allerdings bisher mehr aufs Reden und Vermitteln verlegt als aufs Strafen. «In der Schweiz erreicht man am meisten, wenn die Leute verstehen, worum es geht», ist der Gesundheitsdirektor überzeugt.

Dabei sei es wichtig, nicht zu dramatisieren und zu übertreiben. Deshalb lanciert der Kanton Zug eine eigene Informationskampagne, die an jene des Bundes anschliesst und bereits nächste Woche vorgestellt wird.