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Neue Ideen zur besonderen Förderung

Werk- und Kleinklassen verschwinden zusehends von der Bildfläche, während neue Angebote zur Unterstützung von Schülern und Lehrpersonen entstehen. Beispielhaft im Kanton Zug sind die Gemeinden Menzingen und Unterägeri mit ihrer Schulinsel.
Cornelia Bisch

Die Wintergemeindeversammlung in Unterägeri entschied sich gegen eine unbedingte Weiterführung von Klein- und Werkklassen ab Sommer 2019. Mit einer Motion versuchte die SVP-Ortspartei, dies zu verhindern, blitzte jedoch bei der Bevölkerung ab. Damit folgt die Gemeinde dem Trend der übrigen Orte im Kanton. «Die Vorgaben des Kantons verlangen, dass bei Kindern, die in einer Werkklasse unterrichtet werden, eine Lernbehinderung durch den schulpsychologischen Dienst diagnostiziert sein muss», erklärt Beat Iten, Schulpräsident und Gemeinderat von Unterägeri. Immer weniger Kinder seien im integrativen Unterrichtssystem davon betroffen gewesen, sodass man sich für alternative Modelle zur Förderung von lernbeeinträchtigten Kindern entschieden habe.

Grenze bei Verhaltensauffälligkeit

Im modernen Unterrichtsmodell sitzen also alle Kinder, starke und schwächere, solche mit Beeinträchtigung und Verhaltensproblemen in derselben Regelklasse. Die Lehrpersonen werden unterstützt von Heilpädagogen, die Kinder mit besonderen Bedürfnissen separat betreuen. Dennoch zeigt sich, dass die integrative Unterrichtsform die Lehrpersonen in gewissen Situationen überfordert. «Rückmeldungen von Lehrpersonen haben gezeigt, dass diese mit dem integrativen System grundsätzlich zufrieden sind», berichtet Regierungsrat Stephan Schleiss. «Ist jedoch ein Kind so verhaltensauffällig, dass es die gesamte Aufmerksamkeit der Lehrperson absorbiert und die übrigen Schüler stört, ist eine Grenze erreicht.»

Deshalb befürwortet die Bildungsdirektion klar Zusatzangebote wie beispielsweise die Schulinsel, die in Menzingen und Unterägeri in einem separaten Schulraum angeboten wird. «Auf jeden Fall sollte ein Gefäss existieren, das Kinder mit Problemen auffängt, wenn dies die Möglichkeiten des Regelklassenlehrers für den Moment übersteigt», so Schleiss. Genau diese Unterstützung bietet die Schulinsel in den beiden Gemeinden. Verhaltensauffällige Kinder können für kurze oder längere Zeit die Schulinsel besuchen. «Wenn ein Schüler in der Klasse austickt, kann er sich auf der Schulinsel beruhigen», erklärt Daniel Kempf, Leiter der Schulinsel Menzingen. «Wenn das Kind nur einmal bei uns ist, passiert nichts. Beim zweiten Mal laden wir die Eltern zu einem Gespräch ein.» Erfahrene Heilpädagogen betreuen diese Kinder sehr individuell. In beiden Gemeinden steht das Angebot sämtlichen Schülern, vom Kindergarten bis zur Oberstufe, offen.

Auch Deutsch- und Förderunterricht möglich

Es werden aber nicht nur verhaltensauffällige Kinder auf der Schulinsel betreut, sondern auch Neuzuzüger, die des Deutschen nicht mächtig sind oder bezüglich ihrer Vorbildung geprüft und speziell gefördert werden müssen. Kinder, die aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls viel Schulstoff nachholen müssen oder solche, die eine Schwäche in einem bestimmten Bereich aufweisen, gehen ebenfalls auf die Schulinsel. «Wir bieten zudem Hausaufgabenbetreuung an oder Support bei der Entwicklung von Lernstrategien», führt Kempf aus.

Auch die Förderung Hochbegabter ist in diesem Rahmen möglich. «Wir arbeiten sehr eng mit den Lehrpersonen zusammen, sodass die Schüler der Schulinsel möglichst schnell wieder am Regelunterricht teilnehmen können.» In Menzingen existiert die Schulinsel bereits seit knapp zehn Jahren. Sie diente der Gemeinde Unterägeri als ein Beispiel beim Aufbau des eigenen Angebots im Jahr 2015. «Wir haben unser System auf den Konzepten anderer Schulen aufgebaut», erzählt Daniel Müller, stellvertretender Rektor und Schulleiter in Unterägeri. «Wir haben durchwegs positive Reaktionen seitens der Schüler, Eltern und Lehrpersonen.»

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