neue Kantonsschule

Im Februar entscheidet der Zuger Regierungsrat über den Standort

Seit Ende Juni liegen die Dossiers der möglichen Standortgemeinden für eine neue Kantonsschule in Cham, Risch und Steinhausen vor. Der Baudirektor hat für den Januar zu Gesprächen eingeladen – allerdings nur zwei von drei Gemeinden.

Raphael Biermayr
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Die Führungen zweier Zuger Gemeinden haben im Januar Audienzen beim Baudirektor Florian Weber erhalten. Delegationen aus Risch und Cham dürfen bei dieser Gelegenheit die Vorteile ihrer Standorte für die neue Kantonsschule herausstreichen. Dies rund ein halbes Jahr nach dem Eingabeschluss für die Dossiers. Der Chamer Bauchef Rolf Ineichen hat unlängst die Gemeindeversammlung über diesen Termin informiert. Die grösste Gemeinde im Ennetsee ist mit zwei möglichen Standorten im Rennen: im Gebiet Allmendhof-Röhrliberg und auf dem Pavatex-Areal. Die weiteren in Frage kommenden Orte liegen in Rotkreuz und Steinhausen.

Das Areal Allmendhof Cham ist zum zweiten Mal als Kanti-Standort im Rennen.

Das Areal Allmendhof Cham ist zum zweiten Mal als Kanti-Standort im Rennen.

Bild: Daniel Frischherz (30. April 2018)

Die Gemeinderäte von Cham und Risch werden von den Hünenberger Amtskollegen unterstützt. Alle drei – eng verbunden durch die Netzwerkorganisation Zugwest – treten in diesem Wettbewerb geschlossen auf. Rolf Ineichen sagt, dass es wichtiger sei, die Kanti überhaupt im Ennetsee zu wissen, als wo genau. «Wir unterstützen deshalb auch einen allfälligen Entscheid für den Standort Rotkreuz oder Steinhausen vorbehaltlos.»

In Rotkreuz ist die Bildungsstätte für mehrere hundert Schüler zwischen Sportpark und Bahnhof geplant.

Diese Visualisierung zeigt den vorgesehenen Standort in Rotkreuz.

Diese Visualisierung zeigt den vorgesehenen Standort in Rotkreuz.

Bild: Gemeinde Risch/PD
So sieht die Situation in Rotkreuz aktuell aus.

So sieht die Situation in Rotkreuz aktuell aus.

Bild: Patrick Huerlimann (14. September 2019)

Steinhausen gehört in der allgemeinen Wahrnehmung zwar nicht unbedingt zum Ennetsee. Dass die Chamer mit einem Zuschlag gut leben könnten, hat mit der räumlichen Nähe zu tun. Der Steinhauser Gemeinderat hat ein Grundstück im Gebiet Sumpf, gleich neben der S-Bahn-Haltestelle Rigiblick, für die neue Schule vorgesehen. Es liegt in Sichtweite zur Chamer Gemeindegrenze im Industriegebiet.

Mit dieser Wiese bei der S-Bahn-Haltestelle Rigiblick bewirbt sich die Gemeinde Steinhausen.

Mit dieser Wiese bei der S-Bahn-Haltestelle Rigiblick bewirbt sich die Gemeinde Steinhausen.

Bild: Matthias Jurt (30. August 2020)

Alle diese Standorte sind gemäss dem Regierungsrat Florian Weber noch im Rennen. Warum sind keine Verantwortlichen aus Steinhausen zu Gesprächen im Januar eingeladen worden? Diese Nachfrage an den Baudirektor erfolgt fünf Minuten nach dessen Übermittlung der Antworten auf die ersten Fragen unserer Zeitung. Fünf Stunden später schreibt der Kommunikationsverantwortliche der Direktion in einem E-Mail: «Die zuständige Person ist abwesend (...). Auch der Baudirektor ist leider unabkömmlich.»

Was bringt eine Kanti in der Gemeinde?

Gemäss Chams Bauchef Rolf Ineichen herrscht kein erbitterter Wettstreit zwischen den interessierten Gemeinden um den Zuschlag. Er schätzt die direkte Wertschöpfung einer Kanti für deren Standort als «eher geringfügig» ein, ebenso die damit verbundenen Kosten. Er fügt hinzu:

«In Bezug auf das Marketing mag es ein Vorteil sein, wenn man als Mittelschulstandort auftreten kann.»

Es gebe aber auch Nachteile, wie etwa das grössere Verkehrsaufkommen.

Bei aller möglichen Minne: Für den Chamer Gemeinderat dürfte es sich bei der Standortvergabe auch um eine Frage des Stolzes handeln. Schliesslich waren die Gemeinde respektive das Gebiet Allmendhof-Röhrliberg bereits als Standort für das dritte Gymnasium im Kanton ausersehen. Doch die Stimmenden versagten im Frühjahr 2019 ihre Unterstützung. Das Überbauen von Grünflächen stiess ebenso auf Ablehnung wie die Absicht der Gemeinde, dem Kanton bei dessen Landkauf 20 Millionen Franken als sogenannten Standortbeitrag zu schenken.

Im Anschluss an die Präsentationen im Januar soll es nach Auskunft der Baudirektion rasch vorwärtsgehen. Voraussichtlich im Februar werde der Regierungsrat laut Florian Weber seinen Entscheid darüber fällen, wo die neue Kanti hinkommen soll. Anschliessend werden die Unterlagen dazu im Rahmen der nötigen Änderungen im kantonalen Richtplan öffentlich aufgelegt.

Eine solche Anpassung sei «auf jeden Fall» notwendig; also auch dann, wenn das Gebiet beim Chamer Röhrliberg erneut zum Zug kommen würde. Der letzte Entscheid über den endgültigen Standort obliegt auf politischer Ebene dem Kantonsrat.