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Die neue V-Zug-Presserei kam mit einem Schwertransporter der Superlative

105 Tonnen schwer ist der Hauptbestandteil der massgeschneiderten neuen Presserei von V-Zug. Fachleute benötigten den ganzen Tag, um die gewichtige Ladung ins Erdgeschoss des Zephyr-Hangars zu befördern.
Cornelia Bisch

Ein Koloss, fast so gewaltig wie jener von Rhodos, steht auf dem Firmengelände von V-Zug. Unbeeindruckt vom Aufmarsch der Presse und Firmenleitung gibt er sich, ganz in Plastik eingeschweisst, geheimnisvoll verschlossen, sodass nur seine Umrisse erkennbar sind, ein nach oben leicht austreibender, rechteckiger Klotz. «Es handelt sich um den Hauptbestandteil unserer neuen Presserei, einer weltweit einzigartigen Massanfertigung für V-Zug», erklärt Projektleiter Roland Häfliger stolz.

(Bild: Stefan Kaiser, Zug, 13. Juni 2019)

(Bild: Stefan Kaiser, Zug, 13. Juni 2019)

«Das Teil wiegt 105 Tonnen und ist gestern um 1 Uhr nachts mit einem 35 Meter langen LKW angeliefert worden.» Der 60-jährige Fachmann strahlt mit der Sonne um die Wette, wirkt frisch, ruhig und gefasst, obwohl er sich die halbe Nacht um die Ohren geschlagen hat. «Das ist ein grosser Moment für uns, ein mutiges Bekenntnis zum Werkplatz Zug und ein Meilenstein für das Unternehmen», betont er.

Versierte Alleskönnerin

Die weitgehend automatisierte Presserei wird in der neuen vertikalen Fabrik von V-Zug sämtliche Metallteile für die Geräteproduktion nach Programmen herstellen. «Einmal programmiert, müssen wir nur noch eine Nummer eingeben und die Presse arbeitet automatisch», erklärt Häfliger.

Für jeden Vorgang bedarf es eines anderen Werkzeugs. Diese bis zu 35 Tonnen schweren Produktionswerkzeuge werden in einem voll automatisierten Hochregallager in bis zu fünf Lagen übereinander untergebracht und via Schleusen zur Presserei manövriert. «Der gesamte Vorgang des Werkzeugwechsels dauert lediglich 10 Minuten und ist vergleichbar mit einem Boxenstopp bei einem Formel-1-Rennen», stellt Häfliger fest. «Die Presserei ist buchstäblich eine eierlegende Wollmilchsau. Sie wird uns eine äusserst effiziente und präzise Arbeitsweise ermöglichen.» Die vertikale Fabrik wird nun quasi um die Presserei und das Lager herum gebaut, das mittels Kran in Millimeterarbeit aufs Gebäudefundament gesetzt wurde.

Gefertigt wurde die Presserei im deutschen Erfurt. Mit dem Transport betraut war ein hoch spezialisiertes deutsches Transportunternehmen, das eigene Begleitfahrzeuge, mitschickte. Es sind dies quasi fahrende Werkstätten mit Fachpersonal an Bord, das Hindernisse aller Art demontiert und wieder aufbaut, sobald der LKW vorüber gerollt ist.

«In der Schweiz gibt es viele Kreisverkehrsstellen mit Inseln, die wir teilweise entfernen mussten, bevor wir durchfahren konnten», erzählt LKW-Fahrer Tino Schöps. Er ist mit seinem Team bereits vor knapp einer Woche in Erfurt aufgebrochen. Gefahren wurde ausschliesslich nachts und in Begleitung der Polizei.

(Bild: Stefan Kaiser, Zug, 13. Juni 2019)

(Bild: Stefan Kaiser, Zug, 13. Juni 2019)

«Auf der Autobahn haben wir bisweilen ein Tempo von 70 bis 80 Stundenkilometern erreicht», erzählt der Fahrer. Der Transport sei vollkommen problemlos abgelaufen, für ihn sei dies Routine. Vor einer solchen Fahrt werden alle Streckenabschnitte genau recherchiert, die Hindernisse aufgezeichnet, und der Ablauf wird minutiös durchgeplant. Nun liegt das voluminöse Maschinenteil auf vier Stützen, sogenannten Elefantenfüssen, über einem erstaunlich zierlichen Spezialfahrzeug mit zwei Reihen kleiner, je separat manövrierbarer Räder, welches den Brocken nun bis vor das Fabrikgebäude bringen soll. «Heute Morgen entstand kurz ein wenig Aufregung», gesteht Häfliger. Man hat nämlich festgestellt, dass das Teil um 180 Grad gedreht werden muss. «Es wurde in Deutschland verkehrt herum aufgeladen.» Dies trotz Plänen und Hinweisen seinerseits. Ausbaden muss das nun das zweite Unternehmen, welches für den Transport vor Ort zuständig ist. Es schiebt ein zusätzliches Winkelmanöver ein, das eine weitere Stunde in Anspruch nimmt. Die engen Platzverhältnisse und der unebene Boden machen diese Aufgabe zur Sisyphusarbeit. Die Elefantenfüsse müssen nochmals her, um die Lenkung des Transportfahrzeugs zu entlasten. Wiederum sind Planung, Voraussicht, Erfahrung und äusserste Präzision seitens der Fachleute gefragt:

(Bild: Stefan Kaiser, Zug, 13. Juni 2019)

(Bild: Stefan Kaiser, Zug, 13. Juni 2019)

Drehung um die eigene Achse

Nach langem Hin und Her gehts plötzlich schnell, der Koloss vollführt eine elegante Pirouette und rollt anschliessend majestätisch auf die Gebäudeöffnung des Zephyr Hangars zu:

Roland Häfliger und die Mitarbeiter des deutschen Transportunternehmens atmen auf. Es ist gerade Mittag, man gönnt sich eine kurze Verschnaufpause.

Mittels hydraulischer Hebeeinrichtung auf Schienen wird das gewichtige Unikat anschliessend in weiteren zwei Etappen auf das vorbereitete Fundament gehoben und von der Verpackung befreit:

«Wenn wir es heute in die Halle schaffen, bin ich sehr zufrieden», sagt Roland Häfliger abschliessend, bevor er davon eilt, um weitere Anweisungen und Interviews zu geben.

In einigen Wochen wird der zweite Bestandteil der Presserei mit einem Gewicht von «nur» noch 70 Tonnen angeliefert und montiert. Bereits im kommenden September wird die moderne Anlage den Betrieb aufnehmen.

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