Platznot auf dem Blasenberg: Jetzt sind neue Sucht-Therapieplätze geplant

Platznot auf dem Blasenberg: Bei der «Sennhütte» gingen im vergangenen Jahr so viele Anfragen für einen Therapieplatz ein wie noch nie. Der Umzug in den Horbach soll ab 2020 Entlastung bieten und schafft ein neues Angebot.

Laura Sibold
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Ein Umzug steht bevor. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 01. Juli 2019)

Ein Umzug steht bevor. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 01. Juli 2019)

In der Fachinstitution Sennhütte finden suchtmittelabhängige Menschen seit über 30 Jahren einen Ort zur therapeutischen Behandlung und Rehabilitation. Die zehn stationären Therapieplätze waren im vergangenen Jahr besonders begehrt. So fragten 2018 insgesamt 71 Personen für einen Platz an, in den beiden Jahren zuvor waren es jeweils etwas über 50. «Die Anzahl der Platzanfragen für die zehn stationären Plätze mündete 2018 in einen neuen Rekord», heisst es im Jahresbericht der Gemeinnützigen Gesellschaft Zug (GGZ), welche die Sennhütte betreibt.

Auch ein Blick auf die im Jahresbericht erwähnte Auslastung lässt aufhorchen: «Die Sennhütte verzeichnete in den letzten zehn Jahren im nationalen Vergleich eine überdurchschnittlich hohe Auslastung, wobei auch das Jahr 2018 mit einer Vollbelegung abgeschlossen werden konnte und die Kapazität der Räumlichkeiten ausgereizt wurde.»

Seit zwei Jahren Belegung von über 100 Prozent

Die langjährige durchschnittliche Auslastung der stationären Schweizer Therapieeinrichtungen beträgt 87 Prozent. Die Sennhütte weist im Zehn-Jahresschnitt eine durchschnittliche Belegung von fast 96 Prozent aus, wobei in den Jahren 2017 und 2018 eine Steigerung festzustellen war. Dies bestätigt Daniel Kilchmann, Geschäftsführer der Sennhütte: «In den letzten zwei Jahren waren wir extrem stark ausgelastet, die Belegung betrug über 100 Prozent.» Möglich machte dies eine Übungswohnung als integraler Bestandteil des Therapieangebots. Wenn es bei Austritten zu Verzögerungen kam – etwa durch Absagen einer Mietwohnung oder erhöhte Rückfallgefahr – konnten in Absprache mit den Kostenträgern parallel dennoch neue Klienten aufgenommen werden. Kilchmann weist allerdings darauf hin, dass die Belegungsplanung im stationären Entwöhnungsbereich extrem labil und komplex sei.

Die Klienten würden eine Vorlaufzeit von mindestens vier bis sechs Wochen benötigen, bis es zu einem Eintritt in die Sennhütte komme, dadurch, dass zuerst ein Entzug in einer Klinik gemacht und die Kostengutsprache organisiert werden müsse. Die überdurchschnittlich hohe Auslastung der Sennhütte lasse sich zudem auf mehreren Ebenen erklären, so der Geschäftsführer. «Zum Einen hat sich die Sennhütte in ihren 34 Tätigkeitsjahren schweizweit eine sehr gute Reputation aufgebaut. Zum anderen schreiben wir die Zusammenarbeit mit externen Stellen wie Zuweisern, Kostenträgern und den Familiensystemen gross.» Letzteres ermögliche die Planung und den nahtlosen Übertritt aus den Entzugskliniken, was auch zu mehr Anfragen geführt haben könnte. In diesem Rahmen wurde die Zusammenarbeit mit der Triaplus AG und im Speziellen mit der Klinik Zugersee in den letzten Jahren immer weiter professionalisiert (siehe Box).

Tagesstrukturangebot schliesst eine Lücke

Die Sennhütte ist die einzige stationäre Suchttherapieeinrichtung in den Konkordatskantonen Zug, Schwyz und Uri – ein Drittel der Klienten im 2018 waren Zuger. Die mangelnde Platzkapazität kann daher – sofern sie anhält – für alle Konkordatskantone zum Problem werden. «Die stetige Vollbelegung ist aber nicht nur für die Klienten, sondern auch für die Sennhütte eine Herausforderung, da die Zusammenarbeit mit den zuweisenden Stellen erschwert wird», befürchtet Kilchmann. Wer keinen Platz habe, müsse schauen, dass er als Institution auf der Landkarte bleibt und nicht vergessen geht.

Für das Problem der hohen Auslastung besteht indes bereits eine Lösung. Die Fachinstitution für Suchttherapie zieht in rund einem halben Jahr vom heutigen Standort auf dem Blasenberg in die sanierten Räume im Horbach. Dort werden die heute 10 stationären Therapieplätze auf 15 aufgestockt. «Auf unserer Liegenschaft Horbach laufen die Arbeiten auf Hochtouren, um den Umzug der Fachinstitution Sennhütte Anfang 2020 möglich zu machen», schreibt GGZ-Präsident Peter Hebeisen im Jahresbericht. Die Kosten für die Umbauarbeiten – rund 3,9 Millionen Franken – werden vollständig von der GGZ getragen.

Zudem wird die Sennhütte am neuen Standort ohne den bisherigen Sockelbeitrag des Kantons von 280 000 Franken betrieben werden, was laut Hebeisen dank den Skaleneffekten, die durch die zusätzlichen Plätze entstehen, gut möglich sei. Neben den zusätzlichen fünf stationären Therapieplätzen wird es auf dem Horbach auch ein neues Angebot geben. Gemäss Daniel Kilchmann wurden fünf Tagesstrukturplätze bewilligt, die stabilen, selbstständig wohnenden Klienten nach einem Entzug oder einer verkürzten Entwöhnungsphase eine Tagesstruktur mit Suchttherapie und beruflicher Integration bieten. «Künftig werden wir mehr Kapazität haben und Peaks, in denen viele Anfragen zur selben Zeit kommen, abfangen können», resümiert der Geschäftsführer.