Neue Zuger Kantonsschule
So kam es zum geplanten Landtausch zwischen dem Kanton und den Bundesbahnen

Sollte die neue Bildungsstätte die politischen Hürden meistern, würden die SBB das Zythus-Areal in Hünenbergs Seeteil anstelle des Grundstücks beim Bahnhof Rotkreuz erhalten. Der Quadratmeterpreis ist äusserst tief.

Raphael Biermayr
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Damit in Rotkreuz die neue Kantonsschule gebaut werden kann, ist der Kanton Zug auf die Gunst der SBB angewiesen. Denn der Grossteil des Landes, auf dem die Bildungsstätte einst stehen soll, gehört den Bundesbahnen. Diese verfolgten dafür ursprünglich unter dem Namen «Bahnhof der Zukunft» eigene Pläne. Auf der Südseite der Gleise, beim Gemeindezentrum Dorfmatt, sollte darauf ein Teil einer grossen Überbauung entstehen.

Hier soll dereinst die neue Kantonsschule stehen.

Hier soll dereinst die neue Kantonsschule stehen.

Bild: Matthias Jurt (Rotkreuz, 30. April 2021)

Nun wurde das Projekt verkleinert. Wie auf der Homepage der SBB zu sehen ist, sind auf über 9000 Quadratmetern Land Büroräumlichkeiten und weitere Nutzungen mit einer Gesamtfläche von fast 40'000 Quadratmetern geplant. Der Bebauungsplan für das 115-Millionen-Franken-Vorhaben soll 2022 zur Abstimmung vorliegen, der Baubeginn ist für 2025 vorgesehen. Das Projekt ist immer noch gross – aber bei weitem nicht so gross wie das ursprüngliche unter Einbezug des designierten Kantigeländes.

Natürlich verzichten die Bundesbahnen nicht einfach so auf das Land. Der Zuger Baudirektor Florian Weber führt auf Anfrage schriftlich aus:

«Von Anfang an machte die SBB AG deutlich, dass für sie die Veräusserung des Bodenstücks in Rotkreuz an den Kanton Zug nur dann in Frage kommt, wenn sie im Gegenzug eine vergleichbare Parzelle bekommt.»

Das einzige in Frage kommende Land für einen solchen Tausch befinde sich auf dem Zythus-Areal im Hünenberger Seeteil. Der Kanton sah darauf eine Überbauung vor. Die zunächst geplanten Hochhäuser erzürnten Anwohner, die dagegen aufbegehrten.

SBB äussern sich nicht zu Plänen auf dem Zythus-Areal

Der Regierungsrat Weber schreibt in bestem Beamtendeutsch, dass es dem Kanton nicht um die Überbauung an sich gegangen sei, sondern darum, «das in seinem Eigentum stehende Zythusgrundstück im Sinne der Zielsetzungen der Raumplanung zu entwickeln». Diese Raumplanung sieht «Verdichtung nach innen» statt Bauten auf grünen Wiesen vor – und damit letztlich das Bebauen genau solcher Areale. Heute befinden sich darauf der Ökihof und ein Parkplatz.

Der Kanton Zug bietet den SBB dieses Grundstück beim Zythus zum Tausch an.

Der Kanton Zug bietet den SBB dieses Grundstück beim Zythus zum Tausch an.

Bild: Matthias Jurt (Hünenberg, 16. April 2020)

Es ist davon auszugehen, dass die SBB das Zythus-Areal wollen, um darauf ebenfalls zu bauen. Auf Anfrage schreibt der Mediensprecher Oli Dischoe hierzu:

«Der Landabtausch hat noch nicht stattgefunden, auch darum können wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussagen machen. Sollten sich Pläne konkretisieren, erfolgen diese in Absprache und in Übereinstimmung mit der Gemeindestrategie.»

Die Zukunft des Zythus-Areals ist Gegenstand der laufenden Ortsplanungsrevision in Hünenberg.

400 Franken pro Quadratmeter

Wie steht es um den finanziellen Wert der beiden Grundstücke? Der Baudirektor Florian Weber schreibt, dass keine Schätzungen vorgenommen worden seien. Dies, da sich die Flächen gegenwärtig in der Zone des öffentlichen Interesses für Bauten und Anlagen befinden würden, für die es keine Bauvorschriften im Sinne einer Ausnützung geben würde. Die Basis für das Tauschgeschäft sei deshalb ein Quadratmeterpreis von 400 Franken. Dieser entspreche «der langjährigen Praxis». Der Kanton Zug plant für die Kantonsschule in Rotkreuz noch eine kleinere benachbarte Parzelle zu kaufen, die der Gemeinde Risch gehört. Wie Weber anlässlich der Bekanntgabe für den Kantistandort Rotkreuz sagte, muss der Kanton insgesamt 11,2 Millionen Franken für den Landerwerb aufwenden.

Damit die Grundstücke mit den SBB getauscht und die Kantonsschule gebaut werden kann, sind noch einige politische Hürden zu meistern: die Anpassung des Richtplans und die Kreditbegehren für Planung und Bau im Kantonsrat. Ein Zeitplan dafür liegt nach Auskunft von Florian Weber auch jetzt, einen Monat nach der Veröffentlichung des neuen Schulstandorts, nicht vor.