Neues Seelsorgecafé in der «Bauhütte» neben der St.-Oswald-Kirche in Zug geplant

Ab kommendem Sommer möchten die Katholische Kirche der Stadt Zug, die City Kirche Zug und die Reformierte Kirche des Kantons Zug in Zusammenarbeit ein Café der Begegnung und Beratung eröffnen und so gegen anonyme Einsamkeit ankämpfen.

Tijana Nikolic
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Kirchenrat Thomas Schmid und Susanne Klass von der City Kirche Zug. geben über das geplante Seelsorgecafé in der Bauhütte bei der Zuger St. Oswaldskirche Auskunft.

Kirchenrat Thomas Schmid und Susanne Klass von der City Kirche Zug. geben über das geplante Seelsorgecafé in der Bauhütte bei der Zuger St. Oswaldskirche Auskunft.

Bild: Maria Schmid (Zug, 29. Oktober 2020)

Eine gemütliche, helle Hütte aus Holz, die zum Verweilen einlädt und Raum gibt, sich einen Kaffee zu gönnen oder sein mitgebrachtes Getränk zu geniessen. Man kann drinnen auch ein Buch lesen, mit anderen Gästen ins Gespräch kommen oder sich im Garten aufhalten und einfach sein. Wer keine Lust zum Reden hat, kann auch, ohne ein Wort zu sagen, wieder weiterziehen. Wer allerdings um ein Gespräch froh wäre, kann jederzeit auf die anwesenden Seelsorger oder Sozialarbeiter zugehen. Ein möglicher Ausblick auf das ökumenische Café für Begegnung und Beratung in der «Bauhütte» bei der Kirche St. Oswald in Zug, welches in Zusammenarbeit mit der Katholischen Kirche der Stadt Zug, der City Kirche Zug und der Reformierten Kirche des Kantons Zug geplant ist. Die Eröffnung ist auf den Sommer geplant und soll dazu beitragen, dass Zug eine Stadt mit weniger anonymer Einsamkeit wird.

«Auch in Zug gibt es viel Einsamkeit und es herrscht ein Bedarf an niederschwelliger und seelsorgerischer Begleitung»,

weiss Thomas Schmid, Kirchenrat der Katholischen Kirchengemeinde Zug. Das ergab eine Erhebung der Projektgruppe der Reformierten und Katholischen Kirche Zug in einem Workshop mit den zehn wichtigsten sozialen Institutionen der Stadt Zug. Das Seelsorgecafé soll allen sozialen Schichten, unabhängig von der religiösen Zugehörigkeit oder der Altersgruppe, offenstehen und dazu beitragen, dass Kontakte geknüpft und persönliche Schwierigkeiten angesprochen werden können. Es soll kein Konsumzwang herrschen, was das Angebot auch für beispielsweise Studierende der nahen Pädagogischen Hochschule attraktiv machen soll. «Das fördert die soziale Durchmischung», so Schmid.

Wegen der Säkularisierung braucht es neue Angebote

Die Kirchen verfügen über eine hohe seelsorgerische Kompetenz. «In Folge der wachsenden Säkularisierung haben die Pfarrhaustüren sowie die Beichtstühle an Bedeutung verloren», sagt Schmid. Es brauche neue Angebote, die Kontakte mit Seelsorgern und Sozialarbeitern erleichtern. «Ökumenische Angebote lösen bei kirchenfernen Personen weniger Abwehrreflexe aus», sagt Susanne Klass von der City Kirche Zug, die über viel Erfahrung in der ökumenischen Zusammenarbeit verfügt. Das Zuger Konzept lehne sich an der Luzerner Variante des ökumenischen Cafés «Zwitscher-Bar» an. Deshalb wurde deren ehemaliger Geschäftsführer als Projektleiter beauftragt.

Die Kirchen rechnen im Schnitt mit täglich 20 Besuchern im Café. Das Personal soll sich mehrheitlich auf der Basis von Freiwilligenarbeit engagieren. Mit einer Ausnahme: «Ein Theologe oder ein Sozialarbeiter soll zu einem 60 Prozent Pensum eingestellt werden», erklärt Schmid. Die Öffnungszeiten seien von Dienstag bis Freitag von 9.30 bis 16.30 Uhr vorgesehen. So bestünde weiterhin die Möglichkeit, die «Bauhütte» abends und am Wochenende für Sitzungen und andere Veranstaltungen wie dem sonntäglichen Kirchencafé zu nutzen und zu vermieten. Die Infrastruktur der Hütte, die Begegnungs- und Veranstaltungsort der Katholischen Kirche Zug ist, sei sehr bestens für das Projekt geeignet. Eine Erstinvestition von 12'000 Franken sei insbesondere für den neu zu schaffenden Arbeitsplatz sowie eine passende Kaffeemaschine geplant. «Angedacht ist die Idee des ‹caffè sospeso› nach italienischem Brauch. Dabei bezahlt man nebst dem eigenen Kaffee noch einen weiteren, der dann auf Nachfrage an einen Bedürftigen ausgeschenkt wird und demjenigen eine Freude bereitet», erzählt Klass begeistert.

Die katholische Kirchgemeinde renovierte die alte Bauhütte bei der St. Oswaldskirche in Zug.

Die katholische Kirchgemeinde renovierte die alte Bauhütte bei der St. Oswaldskirche in Zug.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 7. November 2018)

An der Kirchgemeindeversammlung der katholischen Kirche am 15. Dezember soll nun ein Kredit von 60'933 Franken für die Eröffnung des Seelsorgecafés bewilligt werden. Die anfallenden Kosten würden sich die beiden Kirchengemeinden teilen. Dabei würde die Katholische Kirchgemeinde Zug zwei Drittel der Kosten und die Reformierte Kirche Zug einen Drittel übernehmen. Die strategische Leitung des Seelsorgecafés soll einer Betriebskommission obliegen. Nach der geplanten Eröffnung im Sommer 2021 soll das Projekt drei Jahre lang beobachtet und allenfalls angepasst werden. «Bei zu kleinem oder keinem Bedarf müssten wir das Projekt einstellen», sagt Schmid.