Neues Zuger Museum will Menschen im Dunkeln die Augen öffnen

Auf dem Stadtzuger L&G-Areal wird am 22./23. Februar das «Modi lab» eröffnet. Die Ausstellung will mittels gezielter Übungen und Tests Vorurteile abbauen und die Inklusion aller Menschen fördern.

Laura Sibold
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Blind und nur unter Anleitung eines sehenden Kollegen eine Figur bauen: eine Übung im «Modi Lab» im Stadtzuger Haus Gartenstadt 2A.
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Das Konzept wurde vom deutschen Sozialunternehmer Andreas Heinecke entwickelt, der bekannt ist für seine weltweit stattfindenden Dialog-Ausstellungen.
Die Ausstellung will mittels gezielter Übungen und Tests Vorurteile abbauen und die Inklusion aller Menschen fördern.
«Man sieht den Menschen, aber nicht die Geschichte dahinter»: Das neue Museum möchte auch Vorurteile der Menschen abbauen.
Die Besucher des «Modi lab» sollen realisieren, wie schnell jemand ausgeschlossen wird und welche Hürden blinde Menschen im Alltag zu bewältigen haben.
Das Herzstück der Ausstellung ist der Erlebnisraum im Dunkeln, wo Besucher unter Anleitung eines blinden Moderators Aufgaben lösen.
Das interaktive Museum möchte die Besucher auch zum Handeln anregen. Darum werden Organisationen porträtiert, in denen sich Zuger engagieren können.
Das Museum Modi lab ergänzt das schon bestehende Angebot des «Freiruums »auf dem Stadtzuger L&G-Areal.

Blind und nur unter Anleitung eines sehenden Kollegen eine Figur bauen: eine Übung im «Modi Lab» im Stadtzuger Haus Gartenstadt 2A.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 18. Februar 2020)

Gleich neben der grossen Food- und Eventhalle Freiruum auf dem Stadtzuger L&G-Areal gibt es ein neues Angebot: Im Haus Gartenstadt 2A eröffnet am Samstag, 22. Februar, das Museum of Diversity and Inclusion, genannt «Modi lab», welches für Ausgrenzung und Diskriminierung sensibilisieren möchte.

Das Konzept wurde vom deutschen Sozialunternehmer Andreas Heinecke entwickelt, der bekannt ist für seine weltweit stattfindenden Dialog-Ausstellungen. Heinecke präsentiert in Zug auf 450 Quadratmetern ein «Best of» seiner Museumskonzepte. «Auf spielerische Art und Weise möchten wir Vielfalt und Teilhabe fördern – nicht durch Theorie, sondern durch konkretes Erleben», erklärt Heinecke.

Ausstellung besteht befristet bis im Mai

Beim Augenschein vor Ort fallen als erstes die schlichten Bauelemente auf: Braune Spanplatten gliedern die Ausstellung in vier Stufen. In einem ersten Teil soll ein Bewusstsein für Empathie und Vorurteile geschaffen werden. «Man sieht den Menschen, aber nicht die Geschichte dahinter», steht an einer gelb gestrichenen Wand. Darunter sind Menschen porträtiert, die über ihnen entgegengebrachte Vorurteile sprechen. Mittels Fragebogen können Besucher zudem ihre Empathiefähigkeit testen.

In einem zweiten Schritt soll das Lernen durch eigene Erfahrungen vertieft werden: Die Besucher sollen realisieren, wie schnell jemand ausgeschlossen wird und welche Hürden blinde Menschen im Alltag zu bewältigen haben. Dies wird beim «Dialog im Dunkeln», dem Herzstück des Museums, noch deutlicher. In einem Erlebnisraum in vollkommener Dunkelheit müssen die Besucher verschiedene Aufgaben bewältigen. Ohne Raum- und Zeitgefühl relativ orientierungslos, nur geleitet von der Stimme des blinden Moderators und mithilfe eines Blindestocks suchen sich die Teilnehmer einen Weg durch die Dunkelheit. In der Gruppe müssen die Besucher eine Figur zusammensetzen oder Dinge formen. Dabei sind klare Kommunikation und Zusammenarbeit von grosser Bedeutung.

«Durch die persönliche Erfahrung können Menschen Vorurteile am leichtesten abbauen – denn wir sind alle Menschen, ob nun jemand blind oder taub ist oder im Rollstuhl sitzt», sagt Heinecke.

Das persönliche Erleben soll die Besucher ermuntern, selber aktiv zu werden. Im Schlussbereich der Ausstellung werden Organisationen porträtiert, in denen man sich engagieren kann, wie Benevol Zug oder die Gruppe «Zuger helfen Zugern».

Das Museum Modi lab ist im Haus Gartenstadt 2A befristet bis Mai untergebracht. Sollte das Konzept bei Besuchern und Sponsoren auf Anklang stossen, möchte Andreas Heinecke die Ausstellung verlängern und ausbauen. Denn Vielfalt und Inklusion seien wichtig: «Vielfalt bedeutet, zu einer Party eingeladen zu sein. Inklusion bedeutet, an der Party zum Tanzen aufgefordert zu werden.»

Eröffnungsfest
Das «Modi lab» wird am 22. und 23. Februar eröffnet. Zwischen 10 und 18 Uhr finden 90-minütige Touren durch das Museum statt. Am 22. Februar um 11 Uhr halten Stadtpräsident Karl Kobelt und Modi-Gründer Andreas Heinecke eine Ansprache. Infos und Anmeldung zu Touren und Workshops gibt es unter www.modifound.org. Workshops im Dunkeln stehen auch Firmen und Schulklassen offen.