NEUHEIM: Am Mittag kommt nun Fremdes auf den Tisch

Im Dorf leben Kinder aus vielen Nationen – diese Vielfalt zeigt sich nun beim gemeinsamen Essen.

Luc Müller
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Das Gratin hat Ana McLernon zwar geschmeckt – ihr fällt die Kartoffel- scheibe nur von der Gabel, weil sie sich auf die Fotoaufnahme konzentriert. (Bild Werner Schelbert)

Das Gratin hat Ana McLernon zwar geschmeckt – ihr fällt die Kartoffel- scheibe nur von der Gabel, weil sie sich auf die Fotoaufnahme konzentriert. (Bild Werner Schelbert)

Frankreich, Russland, England, Kolumbien oder Indien: Typische Gerichte aus diesen Ländern werden seit gestern am Mittagstisch von Neuheim serviert. Bis zu 30 Kinder werden während der Woche im Chilematt-Schulhaus verköstigt. Der Mittagstisch versucht immer wieder mit neuen Ideen, die Kinder von ausgewogenen Gerichten zu überzeugen: Vor zwei Jahren haben Küchenchefs der Neuheimer Restaurants den Kochlöffel für die Kinder geschwungen. Nun zeigt sich der Mittagstisch weltoffen. In den nächsten Wochen werden Eltern aus den unterschiedlichsten Ländern, deren Kinder in Neuheim zur Schule gehen, für den Mittagstisch kochen. Vorspeise, Hauptspeise und Dessert werden jeweils serviert. «Wir sind die Einzigen im Kanton, die selber kochen», erklärt Susanne Krüdewagen, Leiterin des Mittagstisches Neuheim. Rund acht Frauen, die selber schulpflichtige Kinder haben, stehen hinter dem Herd und zaubern die Speisen für die jungen Gäste. Der Mittagstisch wird von der Gemeinde Neuheim geführt – pro Tag und Kind stehen für das Mittagsessen rund 7 Franken zur Verfügung.

Russisches Dessert

«Wir setzen auf Produkte aus der Region und kaufen auch direkt bei den Bauern ein», so Krüdewagen. Die Kinder sollen lernen, auch mal etwas zu probieren, was sie nicht kennen. «Am Tisch darf niemand ‹iihh› oder ‹äähh› schreien. Die Kinder können das Essen einfach unprobiert an sich vorbeiziehen lassen.» Und Susanne Krüdewagen weiter: «Es kommt aber auch oft vor, dass die Kinder die Essensvorschläge nach Hause bringen und dort unsere Menüs nachgekocht werden.»

Tomaten-Avocado-Salat, Rôti de bœuf, Gratin dauphinois und zum Dessert Pacxa, ein russisches Dessert: Das stand gestern auf dem Speiseplan. Das Menü stammt von Alexandra Prigarine, die russisch-französisches Blut hat und mit einem Russen verheiratet ist. «Das Dessert wird in Russland vor allem an Ostern serviert. Es besteht aus einer Art süssem Brot und einer Quark-Vanille-Creme.»

Das Fleisch sei gummig gewesen, so der Kommentar von Pia Wetter (12), die hier am Mittagstisch schon viele Speisen zum ersten Mal gegessen hat – so beispielsweise Süsskartoffeln. Ihre Lieblingsgerichte sind Pizza oder Spätzli. Ihre Tischnachbarin Ana McLernon (10) hat das Fleisch ebenfalls nicht ganz aufgegessen – auch die Bohnen liegen noch auf dem Teller. «Die Härdöpfel fand ich sehr lecker», sagt sie, die am liebsten die englische Spezialität Chicken Pie, ein mit Hühnchen gefüllter Kuchen, isst. Und auch Apple Crumble, mit Streuseln überbackene Äpfel, gehört zu ihren kulinarischen Favoriten. Erika Olivia Simoes (10) kann mit Gemüse nicht so viel anfangen. «Aber gekochte Rüebli mag ich», sagt sie. Zu Hause kochen sie öfters portugiesische Speisen mit Kartoffeln und Fisch. Gar nicht gern hat sie Currysauce. Lorin Semela (13) hat den Teller leergegessen. «Ich bin offen für alles und esse auch alles», erklärt er. «Das Essen hat mir heute sehr gut geschmeckt», doppelt er nach. Für Julian Vollenweider (14) gibt es am Mittagstisch auch immer eine vegetarische Variante. «Ich habe von mir aus beschlossen, kein Fleisch mehr zu essen», sagt er. Heute wird Kolumbianisches serviert: Guacamole mit Tacos und Burritos und eine Tarta de coco.