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NEUHEIM: Ein Gamer kämpft um Anerkennung

Michael Röllin (20) gehört in einem Computerspiel zu den besten 1 Prozent in Westeuropa. Dennoch ist die Weltspitze für ihn unerreichbar weit entfernt. Einblick in eine Szene, in der die Schweiz ein Entwicklungsland ist.
Michael Röllin benutzt zum Gamen eine besondere Maus. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 31. Oktober 2017))

Michael Röllin benutzt zum Gamen eine besondere Maus. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 31. Oktober 2017))

Das Internet ist noch nicht so lang im Leben von Michael Röllin, wie es seine 20 Altersjahre vermuten lassen könnten. Auf einem Bauernhof im Neuheimer Oberland aufgewachsen, spielte dieses Medium nämlich zunächst eine untergeordnete Rolle in seiner Freizeitgestaltung. Röllin war unter anderem viele Jahre Fussballer im SC Menzingen. Mittlerweile ist er auf virtuellen Feldern aktiv und viele Stunden online. Denn er ist einer der besten E-Sportler der Region, also Online-Computerspieler. Im Game «League of Legends», das er seit zwei Jahren intensiv spielt, gehöre er zu den besten 1 Prozent in Westeuropa. «Das heisst, ich liege innerhalb der besten 35000», relativiert er.

Röllin macht gegenüber Aussenstehenden dieser Szene kein Aufhebens von seinem ambitioniert verfolgten Hobby. Er weiss aus eigener Erfahrung, dass Computerspieler hierzulande wenig gesellschaftliche Akzeptanz geniessen und manchen als zurückgezogene Sonderlinge gelten. Zumal erwähntes Spiel, in dem sich Röllin profiliert, Uneingeweihten gegenüber schwer vermittelbar ist. Bei Games wie «League of Legends» geht es in erster Linie darum, als Mitglied eines fünfköpfigen Teams von Fantasiewesen die Basis eines anderen Teams zu erobern. Auf diesem Weg gibt es zahlreiche Ziele sowie Wege, um seinen «Helden» – seine Spielfigur – zu verbessern.

Kommt dazu, dass das Game immer wieder Neuerungen unterworfen wird. Wer nicht auf dem neusten Stand bleibt, verliert an Ranglistenpunkten.

Gestern ging in China die Weltmeisterschaft von «League of Legends» zu Ende. Die 24 Teams mit den besten Spielern der Welt sind dazu zugelassen. Wie üblich machten die Asiaten den mit einem Millionenpreisgeld dotierten Titel unter sich aus (siehe Box).

Die an der WM teilnehmenden Gamer sind allesamt Profis, erklärt Röllin. In Südkorea und anderen Ländern sind sie Stars und Werbeträger – wie in unseren Breiten Sportler aus der realen Welt. Berufsspieler in diesem Bereich gibt es auch in Europa. «Die Schweizer Szene ist aber meilenweit entfernt davon», sagt Röllin. Das liege an erwähnter Skepsis, aber auch an der Tatsache, dass die Lebenshaltungskosten zu hoch seien. «Ich kenne Profispieler aus Deutschland, die mit den 800 Euro auskommen, die sie durch das Gamen verdienen. Das ist bei uns undenkbar.» Deshalb hätten sich einige der besten Schweizer ins Ausland abgesetzt. Für ihn ist dies zumindest gegenwärtig keine Option. Er ist dabei, seine kaufmännische Ausbildung auf einem Treuhandbüro abzuschliessen.

Bis zu 9 Stunden Training pro Woche

Eine Profi-Gamer-Karriere ist aber auch so weit weg für ihn, wie er erklärt: «Die Besten haben vor über sieben Jahren angefangen, als das Game auf den Markt kam – ich bin zu spät dran. An eine WM werde ich es deshalb nie schaffen.» Aber er glaubt an den Durchbruch der Szene in der Schweiz und die damit verbundene Aufmerksamkeit und Anerkennung. Der Neuheimer will seinen Teil dazu beitragen. Dafür trainiert er bis zu 9 Stunden pro Woche mit Mitgliedern des Vereins Insane Gaming. Dessen 50 Mitglieder sind über die Deutschschweiz verteilt und in verschiedenen Games aktiv. Röllin gehört dem Vorstand an, der sich regelmässig zu Besprechungen trifft. Nicht etwa im Videochat, sondern in Fleisch und Blut.

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

40 000 Zuschauer am WM-Final

Der Final der Weltmeisterschaft im Game «League of Legends» wurde gestern im Olympiastadion von Peking ausgetragen – vor 40000 Zuschauern, die das Geschehen auf riesigen Bildschirmen verfolgten. Im südkoreanischen Duell gewann das Team von Samsung Galaxy die Begegnung und rund 2 Millionen Franken Preisgeld.
In der Schweiz sind solche Zahlen utopisch. Seit 2015 gibt es in Zürich die «SwitzerLAN», an der sich in diesem Jahr fast 1400 Gamer in verschiedenen Spielen massen. Zudem haben einige Fussballvereine E-Sport-Spieler unter Vertrag. Der FC Luzern hat sein Projekt gestoppt, er wartet eine schweizweite Liga ab. (bier)

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